Max, der Unverwüstliche

- München - Wer nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland aufwuchs, kannte ihn. Egal, ob man zu Hause lieber Blues, Punk, Heavy Metal, Neue Deutsche Welle oder Hip Hop hörte, der Name Max Greger war jedem geläufig. Für die Jüngeren ist er verbunden mit den seligen Samstagabendshows im ZDF, mit "Der goldene Schuss", "Vergissmeinnicht", "3 mal 9", "Musik ist Trumpf" oder "Der große Preis". Am Sonntag wird er 80 und tritt an seinem Geburtstag in der Münchner Philharmonie auf.

Die Älteren erinnern sich an die Anfangsphase seiner Karriere. Die begann am 15. Mai 1945 im Münchner Ratskeller. Da spielte der spätere Big-Band-König für amerikanische Soldaten. Die dürften sich anfangs gewundert haben über die so vertrauten Swing-Klänge eines großen Orchesters, die im kulturell seit 1933 zunehmend isolierten Deutschland bis zum 8. Mai 1945 verboten waren. "Negermusik", hieß das vor kurzem noch. Man kann Greger gar nicht hoch genug anrechnen, dass er sich in seinen vom Dritten Reich verschatteten Jugendjahren nicht von seinem musikalischen Weg abbringen ließ.

Seine Liebe zur Musik wirkt ansteckend

1949 gründete der gebürtige Giesinger seine eigene Band, mit der er fortan dem In- und Ausland die rechten Flöten- und vor allem Saxophontöne beibrachte. Den Swing in all seiner Eleganz beherrscht der Mann wie kaum noch ein anderer, und man muss den humorvoll-charmanten Entertainer Greger vielleicht tatsächlich einmal live auf der Bühne erlebt haben, um dessen übergroße Liebe zur Musik und die damit verbundene, ansteckende Begeisterung wirklich glauben zu können. Denn der Spruch, jemand ist "mit ganzem Herzen" bei der Sache, trifft genau, wenn der für seine nunmehr 80 Jahre fast schon unnatürlich rüstige Greger seine Klarinette oder sein Tenorsaxophon in die Hand nimmt und das Publikum um sich herum zu vergessen scheint.

Schuld an Gregers beeindruckender Karriere war genau genommen sein Großvater. Der schenkte ihm 1936 ein Akkordeon und ein paar Jahre später auch noch eine Klarinette. Fortan erwärmte sich der kleine Max nicht mehr fürs alteingesessene Familienunternehmen, eine Giesinger Metzgerei, sondern nur noch für Musik, und verbrachte seine Zeit am Konservatorium, auf den Bühnen von New York über Moskau bis Tokio oder im Tonstudio und nicht auf dem Schlachthof.

Über 150 Platten hat Greger bis heute aufgenommen, und bei der Einspielung seiner etwa 3000 Titel legte er sich nie nur auf eine einzige Musikrichtung fest. Bis heute macht der rüstige Rentner mit dem gewinnend breiten Lächeln, der zu Hause in der Grünwalder Villa seine unzähligen Goldenen Schallplatten stapelt, keinen altbackenen Eindruck. Einige Interpretationen von Duke Ellington, seinem großen Vorbild, oder Gershwins "I Got Rhythm", die Greger erst 2000 auf dem Album "Night Train" veröffentlichte, kommen beispielsweise so jung, locker-leicht und originell daher, als habe sich hier gerade eine talentierte Nachwuchs-Band zusammengesetzt. Seine Arrangements klingen bis heute grazil und leichthändig und sind doch voller kluger Kunstfertigkeit und mit größter handwerklicher Präzision umgesetzt.

Drei "Swing-Legenden" gehen auf Tournee

Dass die Bühnenluft auf eine besondere Weise frisch und vital erhält, lässt sich auch an Gregers Kollegen Hugo Strasser und Paul Kuhn ablesen. Mit dem 78-jährigen Kuhn, dem 83-jährigen Strasser und der SWR Big Band geht der ab heute 80-jährige Greger noch bis Februar 2007 auf Tournee. Danach soll dann wirklich Schluss sein. Hat Greger seiner Frau Johanna wenigstens zur Goldenen Hochzeit vor vier Jahren versprochen...

Aber wer diese drei lässigen Alten unter dem Titel "Swing-Legenden" gesehen hat, muss anschließend erkennen, dass die ja bekanntermaßen auch nicht mehr so ganz taufrischen Rolling Stones diesen geborenen Show-Dinosauriern mit dem Rhythmus im Blut nicht einmal die Krawattennadeln reichen können.

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