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„Inzwischen habe ich gelernt, wie man Menschen zum Lachen bringt“, erzählt Ian McKellen in unserem Gespräch.

Interview zum Kinostart

Ian McKellen: "Ich bin wie ein fleißiger Schreiner"

Deauville - Ian McKellen war bereits ein toller Shakespeare-Schauspieler, als er der Schurke Magneto in den "X-Men"-Filmen und obendrein Gandalf  in den "Herr der Ringe"-  und "Hobbit"-Trilogien wurde. Nun spielt der 76-Jährige in "Mr. Holmes" den greisen Meisterdetektiv.

Wie war es für Sie, einen 93 Jahre alten Mann zu spielen?

Ach, wissen Sie, es hat keinen Sinn, die Augen vor den Tatsachen zu verschließen: Auch mit 76 ist man schon alt! Ich denke täglich an den Tod – nicht zuletzt, weil Freunde und Bekannte um mich herum reihenweise sterben. Bis jetzt bin ich zwar körperlich und geistig noch einigermaßen fit, aber es fällt mir nicht schwer, mir auszumalen, was da so alles auf mich lauert: die Wehwehchen, die Gebrechen, die Verwirrung. Ich musste bei „Mr. Holmes“ oft an meine Stiefmutter denken – sie wurde 100 Jahre alt und litt zuletzt vor allem unter Gedächtnisschwund.

Haben Sie sich zur Vorbereitung andere Sherlock-Holmes-Filme angeschaut?

Nein. Es gibt ungefähr 120 verschiedene Verfilmungen – da hätte ich gar nicht gewusst, wo ich anfangen sollte. Außerdem gilt für Sherlock dasselbe wie für Hamlet oder König Lear: Wenn du eine so berühmte Figur spielen sollst, musst du deine Vorgänger vergessen, um deine eigene Version zu finden. In diesem Fall hatte ich das Glück, dass unser Mr. Holmes – der wahre Mr. Holmes, wenn ich mir diese freche Bemerkung erlauben darf – ganz anders ist als alle, die wir bis jetzt gesehen haben.

Wie sind Sie dann an die Rolle herangegangen?

Ich nähere mich meinen Figuren meistens über deren Körperlichkeit. Das liegt wohl daran, dass ich vom Theater komme: Weil es dort keine Nahaufnahmen vom Gesicht gibt, nimmt man als Zuschauer vor allem die Silhouette einer Figur wahr, ihre Körperhaltung, ihren Gang. Jeder von uns läuft völlig anders, und ich liebe es, die Gangart von Leuten zu studieren – ich finde, allein schon aus der Art, wie sich jemand bewegt, kann man auf seinen Charakter schließen.

Fällt Ihnen Ihre Arbeit heute leichter als früher?

Finden Sie, dass das Leben mit der Zeit einfacher wird? Nein? Na, sehen Sie! Jeder neue Job ist für mich wieder ein Abenteuer voller aufregender Herausforderungen, und ich weiß nie, ob ich sie meistern werde. Zugegeben, man bekommt im Laufe der Jahre immer mehr Erfahrung im Umgang mit gewissen Schwierigkeiten – und vielleicht auch mehr Selbstvertrauen.

Was trauen Sie sich mittlerweile eher zu als etwa vor 30 Jahren?

Nun, inzwischen habe ich beispielsweise gelernt, wie man Menschen zum Lachen bringt. Das ist gar nicht so einfach und hat viel mit Glaubwürdigkeit zu tun. Aber man kann es lernen, es ist eine Form von Handwerk, und ich gehöre zu den Schauspielern, die stets kontinuierlich an der Verbesserung ihrer Fähigkeiten gefeilt haben. Ich bin wie jemand, der sein Leben lang fleißig als Schreiner gearbeitet hat: Wenn er für dich einen Stuhl macht, kannst du dich darauf verlassen, dass das ein richtig guter Stuhl wird – einer, der bequem ist und nicht unter dir zusammenkracht.

Starten Sie jetzt eine neue Karriere im Independent-Kino, nachdem die „X-Men“-Filme und die beiden Tolkien-Trilogien beendet sind?

Diese Filmreihen waren ein großer Segen für mich, aber ich bin froh, dass ich jetzt frei bin für unabhängige kleine Filme wie „Mr. Holmes“. Ich liebe die Abwechslung – darum wäre mir die Vorstellung zuwider, ein und dieselbe Rolle bis an mein Lebensende spielen zu müssen. Insofern habe ich auch keinerlei Ambitionen, aus „Mr. Holmes“ eine neue Trilogie zu machen. Abgesehen davon halte ich eine Filmserie über den alten Sherlock, der immer noch älter und mürrischer wird, doch für sehr unwahrscheinlich!(Lacht.)

 

Das Gespräch führte Marco Schmidt.

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