"Medea" begeisterte einst sogar Mozart

- "In der That, mich hat noch niemals etwas so surpreniert!" schrieb der 22-jährige Wolfgang Amadeus Mozart aus Mannheim an den Vater. Solche Begeisterung seitens eines der größten aller Komponisten sei es gewesen, so berichtete der Dirigent Bruno Weil am Anfang des dritten "Vorhang auf!"-Konzerts des Münchner Rundfunkorchesters, die ihn bewogen habe, sich Georg Anton Bendas "Medea" einmal genauer anzusehen.

Im Prinzregententheater nun das klingende Endergebnis solcher Spürarbeit. Die Zeit, in der Bendas Stück entstand, war eine Ära der Gärung und des Experimentierens im deutschen Geistesleben, "Sturm und Drang" nannte man die Epoche, und auch diese "Medea" gibt sich experimentell - "musica viva" im Jahr 1775. Benda schreibt auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten zwischen Schauspiel und Oper ein "Melodram", also rezitierten Text mit kommentierend-unterlegter Musik. Brigitte Fassbaender, eine der großen Sängerinnen des letzten Jahrhunderts, verkörperte bei dieser Aufführung mit sonor-weicher, sehr gediegener, leider lautsprecherverstärkter Stimme die kolchische Zauberin, die ihre eigenen Kinder tötet, um sich an ihrem untreuen Ehemann Jason zu rächen. <BR><BR>Die hochkarätige Besetzung und das subtil und minutiös spielende Orchester verhinderten indes nicht den Eindruck, dass dem einstigen Avantgarde-Stück nach gut 220 Jahren doch die meisten Zähne ausgefallen zu sein scheinen: Mühsam entrollt sich der Wort-Musik-Flickenteppich, tiefere Emotionen vermag sein kleinteiliges Pathos nicht zu entfachen. Gemeinsam mit Johann Christian Bachs vorklassisch aufgewühlter g-moll-Symphonie bleibt diese "Medea" eine - wenngleich interessante - Fußnote zur Musikgeschichte. Die wahre musikalische Entdeckung des Menschen aber wird wenig später Haydn, Mozart und Beethoven vorbehalten sein.<BR>

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