Meditation über Macht - Die Festspiele locken mit Puccini und Krenek

Bregenz - "Macht und Musik" lautet das Thema der heurigen Bregenzer Festspiele, die am 23. Juli mit dem Spiel auf dem See eröffnet werden. Als Wiederaufnahme steht Giacomo Puccinis "Tosca" in der Inszenierung von Philipp Himmelmann, der Bühnenausstattung von Johannes Leiacker und dirigiert von Ulf Schirmer auf dem Programm.

Das Motto, unter das sich die "Tosca" mühelos fügt, entdeckte Festspiel-Intendant David Pountney bei Ernst Krenek. Dessen 1938 in Prag uraufgeführte Oper "Karl V." kommt am 24. Juli als Neuinszenierung im Bregenzer Festspielhaus auf die Bühne. Pountney freut sich, dass nach Weill, Nielsen, Britten oder Schostakowitsch jetzt mit Krenek ein österreichischer Komponist ins Zentrum des Festivals rückt. "Er ist es wert, dass man gerade in diesem Moment den Fokus auf ihn richtet", sagt Pountney. "Krenek hat alle Bewegungen des 20. Jahrhunderts in sich aufgesogen. Sein Werk greift Jazz ebenso auf wie den Neo-Klassizismus. Er war früh politisch involviert. Sein Karl V. ist quasi eine Meditation über die Macht. Zentral ist die, auch im heutigen Europa aktuell gebliebene Frage, wie man ein so großes, religiös zerrissenes Reich führt."

Neben dieser Krenek-Oper, die Lothar Koenigs dirigiert und Uwe Eric Laufenberg inszeniert, kommt als Operette am Kornmarkt am 30. Juli sein "Kehraus um St. Stephan" heraus. Die 1930 entstandene, 1990 an der Wiener Staatsoper uraufgeführte Satire dirigiert John Axelrod, Inszenierung und Ausstattung besorgt das Wiener Ehepaar Michael und Nora Scheidl.

Auch im Konzertprogramm setzt Krenek einen Schwerpunkt - mit seinen beiden Violinkonzerten und dem Potpourri op. 54. Mit der Reihe KAZ (Kunst aus der Zeit) wagen sich die Festspiele an Ausgefallenes und auch zwei Uraufführungen. Pountney: "Natürlich ist das Spiel auf dem See unser Anker. Aber wir sind kein kommerzielles Event. Und da es in Bregenz keine Grenzen gibt, reicht unsere Bandbreite vom Populären bis zur modernen Musik."

Gleichzeitig wehrt sich der Intendant dagegen, die Oper auf der Seebühne zu "verdummen". "Das Spiel auf dem See soll spektakulär sein, nicht verkopft, aber dennoch intelligent." Er schwärmt von den ganz eigenen Mitteln der Seebühne, vom breiten Sichtwinkel, vom technisch hoch spezialisierten Bregenzer Soundsystem und sogar vom besonderen Erlebnis bei Regen. "Der Lichtkegel auf den Sängern verstärkt den Regen enorm, und das Publikum reagiert dann umso begeisterter."

Dennoch wünscht sich Pountney schönes Wetter und hofft, dass der neue James- Bond-Film die Nachfrage zusätzlich anheizt. Denn im Mai wird auf der Seebühne gedreht, weil der Agent einen Flirt mit Tosca hat. Pountney verrät: "Bond betritt die Bühne nicht auf dem normalen Weg und beim Abgang springt er vermutlich auf ein Speed-Boot\xC2

" Dass die Seebühne zu den "1000 Orten gehört, die man sehen muss, bevor man stirbt", ist gleichfalls willkommene Werbung für das außergewöhnliche Festival.

Informationen:

www.bregenzerfestspiele.com, Tel. 0043-55 74 40 76.

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