Mehr Orff als je zuvor

Andechser Festival: - Wenigen klassischen Komponisten des 20. Jahrhunderts gelang es, mit einem ihrer Werke zugleich ein weltbekanntes Stück Popkultur zu schaffen -­ Carl Orff zählt zweifelsohne zu ihnen. Sein pompöser "O Fortuna"-Chor aus den "Carmina Burana" ist häufig gefragt, wenn es in Film und Fernsehen zu einer dramatischen Begegnung, einem finalen Showdown kommt.

Zum 25. Todestag des Komponisten am 29. März legen sich die Festspiele "Orff in Andechs" dieses Jahr besonders ins Zeug, zumal sich der Meister stets "der bayerischen Heimat und Tradition verpflichtet gefühlt hat", wie Altabt Odilo Lechner, Vorsitzender des Trägervereins, betont.

Heuer stemmt man ein Mammutprogramm von 18 Aufführungen -­ Rekord in der 15-jährigen Geschichte. Eröffnet wird das Festival am 15. Juni mit "Astutuli", einer Andechs-Premiere. Der künstlerische Leiter und Regisseur Hellmuth Matiasek freut sich, "ein Multitalent" für das Satyrspiel um allzu menschliche Schwächen gewonnen zu haben: Michael Schanze reizt dabei nicht nur das Mephistophelische an seiner Rolle des Gaglers, der die Einwohner eines bayerischen Provinznestes mit falschen Versprechungen wortwörtlich um das letzte Hemd bringt. Er verbindet auch positive Erinnerungen mit Orffs Musik. "Der Einzige, bei dem man in der Schule immer trommeln durfte", sagt Schanze.

"Astutuli" verzichtet auf Gesang und setzt stattdessen auf den dramatischen wie komischen Effekt rhythmisierter Sprache. Dirigent Mark Mast schätzt denn auch den "dienenden Charakter" der Musik in den Orff‘schen Bühnenwerken, mit dem er überdies die Sopranistin Susanne Winter und den Bariton Gerard Kim überzeugen konnte, dieses Jahr als Andechs-Debütanten in den "Carmina Burana" aufzutreten, die erstmals gemeinsam mit dem "Trionfo di Afrodite" aufgeführt werden.

Zum Jubiläum wird des Komponisten am 15. Juli mit einem Gedenkvortrag und dem Film "Carmina Burana" von Jean-Pierre Ponnelle gedacht, von dem Orff selbst sagte: "Er übertrifft alles, was ich mir je habe erträumen können."

Infos und Karten unter Tel. 08152 / 37 64 00

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

DJ-Legende Carl Cox kommt zum Echelon-Jubiläum
Einen besonderen Stargast erwarten die Veranstalter des größten elektronischen Musikfestivals in Süddeutschland zum großen Jubiläum. 
DJ-Legende Carl Cox kommt zum Echelon-Jubiläum
Alt-J in der Olympiahalle: Raffinierte Schnipselei
Das Trio Alt-J vollführt ein der immerhin zu zwei Dritteln gefüllten Münchner Olympiahalle ein Kunststück: die Konzertkritik.
Alt-J in der Olympiahalle: Raffinierte Schnipselei
Baselitz und Deutschland
Der Maler, Grafiker und Bildhauer Georg Baselitz über Erinnerungen, Klassiker und Widerständler, Deutschland und Nationalismus
Baselitz und Deutschland
Der letzte Stummfilm-Schrei
Das Orchester Jakobsplatz spielte im Rahmen seiner Reihe „Flimmerkammer“ in den Münchner Kammerspielen zu „Der Student von Prag“. Lesen Sie hier unsere Kritik:
Der letzte Stummfilm-Schrei

Kommentare