Mehr Schwung als Swing

- Gleichermaßen Nostalgie und historischen Rückblick verbindet diese CD und die Serie, aus der sie stammt. Der (teilweise) noch erhaltene Delphi-Palast steht in der Berliner Kantstraße unweit vom Theater des Westens, beide Gebäude wurden von Bernhard Sehring erbaut. Als "Tanzpalast" bestand er von 1928 bis 1943.

<P>Die Musik, die auf dieser CD dokumentiert wurde, zeugt von der Gratwanderung zwischen "deutschem Tanzlied" und Swing, der verpönt war, aber praktiziert wurde. Die Musiker dieser Zeit führten diese Tradition _ stilistisch und inhaltlich _ nach dem Krieg zunächst noch fort, bis sich bei ihren Nachfolgern das Vorbild der amerikanischen Bigbands durchsetzte.</P><P>1936 spielte Teddy Stauffer aus der Schweiz vor den Gästen der Olympiade authentischen, zeitgenössischen Swing. Dann kamen die Vertreter deutscher, aber zumeist auch swingender Tanzmusik: Heinz Wehner zum Beispiel als eine Art Hauskapelle im "Delphi", die Berliner Max Rumpf und Heinz Burzynski (sonst im Kabarett der Komiker) und, im immer "totaler" werdenden Krieg, die hoch geschätzten, deutlich amerikanisch beeinflussten Ausländer: Arne Hülphers aus Schweden mit seiner damaligen Partnerin Greta Wassberg (die später von Zarah Leander als Ehefrau abgelöst wurde), Ernst van t'Hoff aus Holland und die Belgier Fud Candrix und Jean Omer mit seiner Goodman-nahen Klarinette.</P><P>Kapellen-Porträts gibt es in dieser CD-Serie von Julian Fuhs, Kurt Widmann, Hans Bund und Ludwig Rüth (dem "Lewis Ruth" der "Dreigroschenoper"-Premiere). Und neuerdings auch von Adalbert Lutter, der später seine Karriere in der DDR fortsetzte: exakte Tanzmusik zwischen 1932 und 1943, mehr Schwung als Swing.<BR></P><P><BR> </P>

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