Mehtas Abend

- Irgendwann, nach dem Jubel für die "wunderbare, einzigartige" Waltraud Meier und für den "Helden des Abends" John Treleaven, war klar: Eigentlich geht's nicht mehr um den gerade absolvierten "Tristan"-Marathon und die Übertragung aus dem Nationaltheater auf den Max-Joseph-Platz, sondern um die Chefs höchstselbst. Denn die Schlussmoderation von Sir Peter Jonas bei "Oper für alle", sie war so etwas wie der Abschied von der Masse.

Jonas blickte kurz zurück auf 13 Jahre und dann auf Zubin Mehta. Der nahm mit deutlichem, auf der 56-Quadratmeter-Leinwand gut wahrnehmbarem Glitzern in den Augen die Ovationen entgegen, um sich gleich bei seinem Staatsorchester zu bedanken - kleine Sticheleien gegen den Intendanten inklusive. Zum letzten Mal Wagners Liebesdrama mit Mehta, das spornte die Musiker zu Außergewöhnlichem an: Die Vorstellung wurde zu Mehtas Abend. Es war der vielleicht emotionalste, aufwühlendste "Tristan", den der scheidende GMD an diesem Hause dirigiert hat. Spannung schon ab der ersten, fragenden Streichergeste, die bis zum Liebestod nicht mehr abriss. Und auch wenn manchmal die Klangwellen über den Sängern zusammenschlugen: Entziehen konnte sich dieser Intensität keiner.

Waltraud Meier, im letzten "Tristan"-Durchgang vor einigen Monaten eher verhalten, sang und spielte eine Isolde, die Fachkolleginnen frustrieren dürfte. Dass sie ihren anfangs unschlüssigen Partner wie selbstverständlich in die Inszenierung einbaute, spricht ebenfalls für ihren einzigartigen Bühneninstinkt. Denn John Treleaven, obgleich Tristan-passend in Cornwall geboren, hatte gerade mal drei Stunden Probenzeit, um den erkrankten Christian Franz zu ersetzen. Für die Feinabstimmung in Peter Konwitschnys Regie reichte es kaum, wohl aber für ein starkes letztes Stündlein. Ohnehin ist Treleaven der Typ verlässlicher Heldentenor: ein Sänger, der klug einteilt, mit klarer Diktion fehlenden Charme wettmacht und im dritten Akt, bei Tristans Fiebervisionen, richtig aufdreht.

Auch Jan-Hendrik Rootering (Marke), Mihoko Fujimura (Brangäne) und Alan Titus (Kurwenal) ließen sich von der Weihe des Abends anstecken. Standing Ovations drinnen, Partystimmung draußen. Am Ende, als Jonas, Mehta und die Sänger wieder im Haus verschwunden waren, prangte das 3:1 auf der Leinwand. Fußball? Da gab's viereinhalb Stunden lang Wichtigeres.

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