"Mein Geistöffner heißt Gabriele"

- Der Dichter ist ein unbekanntes Wesen. Scheu verbirgt er sich hinter den Zeilen, seine Handschrift hinter dem Buch. In manchen Fällen ist er im Umschlag abgebildet, in Denkerpose und oft ebenso farblos wie die Drucktypen.

<P>Wie kann ein Porträt einem Dichter gerecht werden? Und wo ist seine Handschrift geblieben im Zeitalter der Digitalisierung, zwischen Schreibmaschine und Texterkennungsprogramm? Fragen, die die Ausstellung "Dichter Hand Schrift" in der Monacensia exemplarisch an Autografen und Bildnissen zahlreicher Münchner Autoren beantwortet. Eine Schau, die zum Verharren einlädt und zum Schreiben verführt, fantastisch in Konzept und Gestaltung, genau wie ihr mit Essays angereichertes Begleitbuch.<BR><BR>Umbruch bei den Schriftstellern, Umbruch im Archiv: Durch Digitalisierung wird auch das Archiv der Monacensia internationalisiert und für jeden zugänglich gemacht. Ihren Reichtum an Originalschriften verdankt sie dem ehemaligen Direktor der Münchner Stadtbibliothek Hans Ludwig Held (1885-1954), der zur Vergrößerung seiner Handschriftenabteilung Münchner Schriftsteller um Manuskripte bat.<BR><BR>An diesen Gedanken knüpften 2002 Elisabeth Tworek, Leiterin der Monacensia, und die Kuratorin Marietta Piekenbrock, Mitarbeiterin dieser Zeitung, an. Ihre Bitte um Autografen wurde auf verschiedenartigste Weise erhört, von obsessiven Wegwerfern wie von obsessiven Sammlern: Matthias Politycki sandte seinen letzten Füller, Konstantin Wecker ein Notenblatt. Die Ikea-Tischplatte Thomas Palzers im Kontrast zu Oskar Maria Grafs Exil-Schreibtisch. "Mein Geistöffner heißt Gabriele, eine Hackmaschine der Firma Triumph", notiert Herbert Achternbusch. Die Lesepulte mit den nicht nur schriftlichen Exponaten spiegeln den Weg vom Material zum fertigen Buch und den Werdegang der Ausstellung. Dazu die Porträts: Robert Brembeck und Thomas Dashuber recherchierten per Foto, zeigen einen nahen Zugang zu den Dichtern, jenseits von stereotypen Posen. Ob situativ oder inszeniert, ob nur als Gesicht oder im größeren Kontext. Nicht nur Gesichter auch Hände sind darunter: Werkzeuge. Dichter, Hand, Schrift - nur zusammen genommen können sie einen Eindruck vermitteln vom Schaffensprozess hinter den Zeilen.</P><P>Bis 3. August; <BR>Begleitbuch, blumenbar Verlag: 28 Euro. <BR>Infos 089/ 41 94 72 0; www.muenchen.de/monacensia.<BR></P>

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