Mein längstes Bad

- Angetreten sind gut zwei Dutzend, die Objektive im Anschlag. Doch vorgelassen werden in den Nebenraum nur fünf bis sechs Fotografen. Die Blitzlicht-Gewitter ziehen also im Minutenabstand vorüber, dort, wo la Diva vor dem Logo des Sponsors posiert - und ausnahmsweise mal nicht zu PR-Zwecken ein Vollbad nimmt.

Dass Anna Netrebko das alles übermäßigen Spaß bereitet, lässt sich nicht behaupten: Als sie schließlich den Königssaal des Bayerischen Hofs zur Pressekonferenz betritt, ist die Miene leicht vereist, der Blick gelangweilt und die Laune heiter bis bewölkt. Was sich später glücklicherweise ändert, wenn die 33-Jährige ihrem Manager schon mal die Zunge herausstreckt.Am 17. Juli wird Anna Superstar auf dem Königsplatz ein Klassik-Menü von Verdis Violetta über Gounods Juliette bis Dvorá´ks Rusalka kredenzen. Das immerhin unter Beteiligung von mindestens genauso arrivierten Künstlern: von Tenor Ramó´n Vargas und Fabio Luisi am Pult der Wiener Symphoniker. 17 000 Karten können verkauft werden, laut Veranstalter sind 15 000 schon weg. Damit Selbiges mit den restlichen 2000 passiert, muss nun Anna Netrebko Sätze sagen wie: "Das Konzert ist eine große Erfahrung für mich." Oder: "Es macht Spaß, mit diesen wunderbaren Leuten zu arbeiten." Und auf die Frage, ob junge Leute durch solche Events zur Klassik gebracht werden: "Alles, was ich tun kann, ist singen." Und natürlich über den Sponsor: "Ich liebe diese Firma."Das Image wechseln

Mit Robbie Williams, wie die Netrebko seinerzeit Gast bei "Wetten dass", war zum Leidwesen der Boulevard-Medien offenbar nichts ("Wir haben uns nur fünf Minuten gesehen."). Zu Hause höre sie ausschließlich Pop-Musik ("Robbie Williams, Justin Timberlake, Hip Hop"). Und morgens singe sie nie unter der Dusche ("zu früh"), womit also Annas Welt halbwegs hinreichend geklärt wäre.Eine "komplett neue Übertragungsanlage", so Peter Schwenkow von der Deutschen Entertainment AG, und eine "Bühne zum Staunen" wolle man den Besuchern auf dem Königsplatz bieten. Skeptikern nimmt er dabei den Wind aus den Segeln und den Regen aus dem Sinn: "Wir spielen bei jedem Wetter."Dass Anna Netrebko auch ein kassenträchtiges Kunstprodukt ist, darüber scheint sich die Sopranistin im Klaren. Denn angesprochen auf Plakate fürs Konzert, die sie mit Walle-Mähne und als Vamp zeigen, meint sie: "Das waren Fotos, die für meine zweite CD gemacht wurden. Ich will jetzt weg von diesem romantischen Image. Man muss das Image ab und zu wechseln." Die Sache mit dem heißen Bad ist Anna Netrebko offenbar gut bekommen. "Es war mit dreieinhalb Stunden das längste Bad, das ich je genommen habe." Was ja auch auszuhalten ist, wenn dazu "Champagner und Sushi" gereicht werden.Gleich im Herbst kehrt Anna Netrebko übrigens nach München zurück. Das Konzert in der Philharmonie (8. November) ist schon ausverkauft, zuvor steht sie an drei Abenden auf der Bühne des Nationaltheaters. Und das in Doris Dörries fast einmütig abgelehnter Inszenierung von Verdis "Rigoletto". Die Produktion, so Anna Netrebko, kenne sie noch nicht, nur so viel: "Ich habe viel darüber gehört und weiß, dass sie manche hassen und manche lieben. Gottlob muss ich ja nicht den Affen spielen."

Karten: 0180/ 517 05 17.

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