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Der Marstall soll Foyer des Saals werden.

Dritter Konzert-Saal für München

„Meine Bitte: Tut euch zusammen!“

Philharmoniker-Chef Christian Thielemann über Gasteig, Marstall-Pläne und die Münchner Elite-Orchester

Eine im Doppelsinn „konzertierte Aktion“ fordert Christian Thielemann, Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker, für die Münchner Konzertsaal-Debatte. In die ist Bewegung gekommen, als vor wenigen Tagen Ministerpräsident Horst Seehofer für eine Lösung am Marstall-Platz und damit für das Projekt des BR-Symphonieorchesters plädierte. Thielemann, sein Ensemble und die Betreiber des städtischen Gasteig fürchten nun, dass der geplante Umbau der akustisch dürftigen Philharmonie ins Hintertreffen gerät.

-Braucht München einen neuen Konzertsaal?
Natürlich sind wir, wenn man die internationale Konzertszene betrachtet, mit der Philharmonie nicht im Topf, wo’s kocht. Es geht in München darum, dass man eine einzige Entscheidung trifft: Will ich wirklich drei Säle? Oder möchte ich einen guten – aber was mache ich dann mit den anderen beiden? Philharmonie, Herkulessaal, die sollen dann veröden?

-Und wie können Ihre Philharmoniker und der BR koordiniert werden?
Erstbelegungsrecht oder nicht, das ist meiner Meinung nach kein Problem. Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks können gut koordiniert werden. Es gibt sogar eine Studie, die besagt: Proben- und Konzerttermine sind miteinander zu vereinbaren. Meine Bitte ist also: Tut euch endlich zusammen! Es geht an der Sache total vorbei, wenn jeder für sich kämpft. Das kommt mir vor wie bei den drei Berliner Opern, und damit hab’ ich ja nun wirklich genug Erfahrung.

-Ist der BR zu schnell vorgeprescht?
Ich gehe völlig d’accord, dass ein Orchester von dieser Güte eine würdige Heimstatt braucht. Ich bin den Kollegen da überhaupt nicht böse. Der Ist-Zustand ist für den BR unmöglich, dieses dauernde Fremdwohnen. In einem umgebauten Gasteig könnte man wunderbar einen Trakt für BR-Musiker und -Verwaltung unterbringen. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass der BR im Kern etwas gegen den Standort Gasteig einzuwenden hätte. Die wollen einfach einen guten Saal und Platz für sich. Außerdem gebe ich den Kollegen zu bedenken: Wir kämpfen nicht nur für uns, auch gastierende Ensembles brauchen die bestmögliche Lösung.

-Sie könnten sich also vorstellen, mit den Philharmonikern auch im Marstall zu spielen.
Ich stelle mir die Diskussion ergebnisoffen vor. Es kann durchaus sein, dass am Ende der Marstall als Konzertsaal dabei herauskommt. Damit verbunden ist aber ein wichtiges Konzept: Was machen wir mit der Philharmonie? Wir können da nicht einfach ausziehen und die Kiste stehen lassen. Außerdem sollte man eines nicht vergessen, bevor man am Marstallplatz zu graben anfängt: Der Gasteig als Standort mit seiner Infrastruktur existiert bereits.

-Mit der geplanten Marstall-Architektur sind Sie ja auch nicht einverstanden.
Hundert Millionen ganz wörtlich gesehen im Boden zu versenken, finde ich nicht so toll. Ich mag eben Künstlergarderoben, in denen man ein Fenster aufmachen kann. Die Planung hat etwas sehr Beengtes.
-Und wie sieht es mit der Marstall-Größe von 1800 Plätzen aus?
Das funktioniert nicht. Unter 2000 geht’s nicht, schon allein wegen der groß besetzten Werke, die auch Raum brauchen. Und über 2100 Plätze sollten es auch nicht sein. Wir sehen das am so geliebten Musikvereinssaal in Wien. Der ist traumhaft, für symphonische Schwergewichte aber zu klein.

-Wer muss nun den nächsten Schritt unternehmen? Sollte die Stadt endlich mal Laut geben?
Stadt- und Staat-Vertreter müssen sich treffen. Der Ministerpräsident will einen neuen Saal, Kollege Mariss Jansons auch, ich ebenfalls. Wir sind uns alle also im Grunde einig. Wo der Saal sein soll, das muss man gemeinsam erörtern. Wir brauchen ein Saal-Konzept für die gesamte Landeshauptstadt.

-Verknüpfen Sie die Saal-Frage mit Ihrer Vertragsverlängerung?
Das ist mir eigentlich zu billig, diese Kategorie will ich nicht bedienen. Es geht um eine Sach-Diskussion, die sollte man nicht unnötig belasten. Ich hoffe da auf Einsicht.

Das Gespräch führte Markus Thiel

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