Kurz vor dem Auftritt: Sophie Berner entführt die Zuhörer an diesem Sonntag um 20 Uhr im Münchner Gasteig (Carl-Orff-Saal) in ihre musikalischen „Welten“. Foto: joachim Gern

„In meiner Welt gibt es keine Regeln“

München - Die Münchner Sängerin Sophie Berner über Musicals, ihr Solo-Programm und das richtige Alter für Gefühle

Auf der Bühne, da kann sie schmeicheln und flirten, fauchen, gurren, rocken - kurz: Sophie Berner kann wunderbar singen und unterhalten. Das beweist die Münchnerin seit Monaten in Berlin, wo sie das Publikum als Sally Bowles im Musical-Klassiker „Cabaret“ begeistert. An diesem Sonntag gastiert die 25-Jährige in ihrer Heimatstadt mit dem Liederabend „Sophies Welten“.

-Ihr Programm heißt „Sophies Welten“. Reicht Ihnen eine nicht?

Ich zeige viele unterschiedliche Emotionen, schneide philosophische Themen an, erzähle verschiedene Geschichten und arbeite mit diversen Musikstilen. Da reicht eine Welt wirklich nicht. (Lacht.) Ich könnte mich auch selbst gar nicht in eine einzige Welt stecken - das fände ich langweilig. Es ist doch schön, dass uns Welten zur Verfügung stehen, aus denen wir uns bedienen können. Doch alles, was ich auf der Bühne erzähle, hat etwas mit mir, mit meinen Welten zu tun.

-Wie sieht es dort denn aus?

Skurril, melancholisch, komisch, traurig, glückselig. Das ist eine Achterbahn der Gefühle, in jedem Fall sehr abwechslungsreich. Ich singe, was mir gefällt. Da gibt es keine Regeln.

-Sie interpretieren in Ihrem Programm unter anderem Stücke von Charles Aznavour, Juliette Gréco oder Friedrich Hollaender. Sind Sie nicht etwas zu jung für diese Art Musik?

Ja, mich sprechen vielleicht Themen an, die nicht unbedingt meinem Alter entsprechen. Doch habe ich zu jedem Song, den ich interpretiere oder schreibe, einen persönlichen Zugang. Außerdem gibt es für Gefühle keine Altersbeschränkung.

-Was ist reizvoller - als Solo-Künstler auf der Bühne zu stehen oder als Teil eines Musical-Ensembles?

Das kann man nicht vergleichen, da es zwei komplett unterschiedliche Welten sind. (Lacht.) Wenn man solo auf der Bühne steht, hat man eine größere Verantwortung. Darin liegt der Reiz - und die Möglichkeit, noch viel mehr von sich selbst erzählen und zeigen zu können. Im Ensemle geht es immer um ein Ganzes: Jeder ist gleich wichtig. Mein Anspruch ist hier wie dort derselbe: zu berühren, Geschichten zu erzählen, Emotionen zu vermitteln und den Zuschauern die Möglichkeit zu geben, mit mir in meine Welten einzutauchen.

-Sie wurden in München geboren und leben auch hier. Sie arbeiten aber viel in Berlin. Schon mal an einen Umzug gedacht?

Meine Familie lebt in München, die ist mein größter Halt - ebenso wie meine besten Freunde. Wenn ich also nach Hause fahre, dann sollte das auch der Ort sein, an dem ich mich wirklich zuhause fühle. Und das ist München. Dazu kommt, dass meine Musiker hier leben.

-Um in Berlin langfristig die Sally Bowles in „Cabaret“ spielen zu können, haben Sie Ihr Studium an der Bayerischen Theaterakademie geschmissen. Ein kalkulierbares Risiko?

Ich habe das nie als Risiko empfunden. Ich habe auf mein Herz gehört, und das hat mir gesagt, dass es die richtige Entscheidung ist. Denn in unserem Beruf kommt es doch darauf an zu spielen, oder? Ob du ein Diplom hast oder nicht, interessiert wirklich niemanden.

-Ist die Gattung „Musical“ in Deutschland nicht ziemlich tot?

Nein, ich spiele ja Musical. (Lacht.) Im Gegenteil: Das Interesse am Musical ist in Deutschland heute größer als je zuvor. Wir haben hier weltweit den drittgrößten Markt - nach New York und London. In einer Zeit, in der immer mehr Subventionen gekürzt werden und staatliche Unterstützungen wegfallen, setzen Intendanten und Produzenten verstärkt auf Musicals, um die Gunst des Publikums zu gewinnen. Die große Zeit der Unterhaltungskunst war in Deutschland kurz vor der Machtergreifung der Nazis. Die meisten Macher jener Unterhaltungsform, die sich durch Selbstironie und Humor auszeichnete, wurden vertrieben oder vergast. Nach all den Jahren bewegen wir uns heute wieder allmählich in eine Richtung, die uns die unterschiedlichen Ausdrucksformen der Kunst entspannter annehmen lässt.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

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