Der Meister der Hürden

- Die wichtige, die gute Nachricht zuerst: Christian Stückl, der dem Münchner Volkstheater in drei Spielzeiten erfolgreich ein neues, verjüngtes Profil gegeben hat, wird bis 2010 Intendant bleiben. Es müssen nur noch die Verträge unterschrieben werden. Die Passionsspiele in Oberammergau 2010 will er trotzdem zusätzlich verkraften, indem er am Volkstheater "nur ein bis zwei Premieren" selbst inszeniert. Und festgezimmert ist jetzt auch, dass Stückl, erfahren-geschickter Inszenator großer Massen, im Mai 2006 die Fußballweltmeisterschaft in München mit einer 20-Minuten-Show eröffnet.

Stückl, bekennender Un-Sportler, muss sich inzwischen mit der ihm bis dato unbekannten Institution "Rasenkompetenz-Team" herumschlagen und den Probenplänen für 2000 Mitwirkende - aus ganz Bayern. Dagegen scheint das überschaubare Oberammergau ein Kinderspiel. Aber Stückl hat noch jede Hürde gemeistert. Sein budget-schonendes Konzept "Junges Team" hat sich, entgegen aller Skepsis, durchgesetzt.

Fünfzehn Prozent mehr Einnahmen im vergangenen Jahr, eine kräftige Steigerung auch im Abo-Bereich, über 20 Prozent Selbstfinanzierung - damit steht das Volkstheater gut da, auch im Vergleich mit den anderen Münchner Häusern. Und mit einem Budget von nur 4, 6 Millionen Euro macht Stückl immerhin durchschnittlich eine Handvoll Inszenierungen möglich.

Gestartet wird jetzt (8. 10.) mit Bernard-Marie Koltè`s' "Der Kampf des Negers und der Hunde". Eine Wunsch-Regie des jungen Sebastian Hirn, der aus diesem Koltè`s von 1979 "die mit Afrika-Bildern verbundenen Sehnsüchte und Ängste" herauslesen will. Jorinde Dröse gibt sich ihrer Shakespeare-Leidenschaft hin: Ihrem erfolgreichen "Was ihr wollt" lässt sie "Viel Lärm um nichts" folgen (1. 12.). Der Hausherr selbst nimmt sich Büchners "Woyzeck" vor (26. 1. 06). Zwei weitere Premieren folgen im April und Juni.

Die Reihe "Radikal jung", ein Schaufenster mit jungen Regisseuren aus ganz Deutschland, wird fortgesetzt. Und neue (Montags-)Club-Serien warten mit vielen Gästen aus Pop, Kabarett und Performance auf.

Morgen eröffnet das Volkstheater die neue Saison mit Stückls Inszenierung vom "Brandner Kaspar". Am 3. Oktober macht der jüngste Volkstheater-Hit zusammen mit seinem Publikum einen Abstecher auf die Wiesn: Nach der Vorstellung in der Brienner Straße, die um 13. 30 Uhr beginnt, geht's dann ab 17 Uhr weiter - in der Paulaner Festhalle bei einem "B.-K."-Menü mit den Darstellern!

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