Meister der Melancholie

- Mit 17 Jahren wurde er 1943 Soldat. Schwer verwundet geriet er in Gefangenschaft, mit 20 war er wieder zu Hause im zerstörten Nürnberg. In München begann er als Pressezeichner und Werbegrafiker. In vielem, was Erich Hölle (1925-1993) als Illustrator von mehr als 600 Büchern und Verfasser von 13 Kinderbüchern zu Papier brachte, ist manches aus seiner Leidenszeit enthalten: aus der Verlorenheit heraus ein verletzlicher Sinn für Geborgenheit, aus schmerzlicher Welterfahrung heraus eine Neigung zur Melancholie und Heiterkeit, die ihn Kindern ganz nahe sein ließ.

Das Tegernseer Gulbransson-Museum tat gut daran, zu Erich Hölles 80. Geburtstag neben dem Buchillustrator den Karikaturisten und Maler herauszustellen, den Meister der kleinformatigen Skizze, der Reiseaquarelle, der gezeichneten Porträts und der düster stilisierten Ölmalerei. Einige seiner besten Charakterisierungen von Zeitgenossen erschienen zwischen 1954 und 1959 im "Simplicissimus" und in Oskar Maria Grafs "Das bayrische Dekameron". Schwabingerinnen und das Personal der Goethestraße erinnern an das München von 1957. Bräuhausszenen und Wiesn-Momente könnten aus der unmittelbaren Gegenwart stammen. Die oft ins Düstere gewandte szenische Erzählweise von Hölles Kinder- und Jugendbüchern lassen lebendig werden, was der Text oft kaum leisten kann. Und seine 32 Bände von "Urmel aus dem Eis" förderten den Ruhm der "Augsburger Puppenkiste".

Bis 6. November, tgl. außer Mo. 10-17 Uhr, Tel. 08022 /33 38.

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