Des Meisters Labor

- Vor 400 Jahren wurde er in Leiden am Rhein geboren (15.7.), jetzt feiert Berlin den großen Niederländer: Mit einer prächtigen Schau von fast 300 Werken von Rembrandt Harmensz. van Rijn (1606-1669) und seinen Schülern erforschen die Staatlichen Museen den Künstler als "Genie auf der Suche". Die umfassende Schau bietet (ähnlich wie die große Berliner Präsentation kurz nach der Wende) in der Gemäldegalerie einen Blick in das "Laboratorium" des Niederländers - von den Porträts, den Mythen- und Sakralbildern bis hin zu Atelierarbeiten.

Neben den rund 80 Gemälden aus des Meisters oder der Gesellen Hand, darunter Leihgaben aus Los Angeles, London, Dresden und St. Petersburg, öffnet die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Amsterdamer Rembrandthuis auch die Sicht auf die Zeichnungen und die Druckgrafik des Künstlers. Das liebevoll mit Silberstift gezeichnete Bildnis seiner früh verstorbenen Ehefrau Saskia und Radierungen wie das berühmte "Hundertguldenblatt" zeigen Rembrandt in seinem freien, skizzenhaften Stil als einen der größten Zeichner und Grafiker aller Zeiten.

In der bis heute intensiv geführten Fachdebatte über die Echtheit der Rembrandt-Bilder wird auch die Wirkung des Künstlers auf seine Schüler deutlich. Die Ausstellung, die den Stand des internationalen "Rembrandt Research Project" vorstellt, präsentiert Originale des Meisters und Schülerkopien und bietet Einsicht in die Werkstatt des Malers, in die Zusammenarbeit mit seinen Lehrlingen und die Entstehungsgeschichte der Werke.

Bis weit in das 20. Jahrhundert sei Rembrandt noch als "einsames Genie" gefeiert worden, "fast jedes Bild mit viel Licht, Dunkel und Köpfen wurde Rembrandt zugeschrieben", fasste der Experte Ernst van de Wetering den Rembrandt-Kult zusammen. Es gebe aber viele Bilder, "die Rembrandt sehr nahe kommen, aber keine Rembrandts sind". Die Schüler hätten die Qualität des Lehrers "einfach nicht erreicht". Das gilt auch für die Zeichnungen: Von den 126 Zeichnungen, die früher Rembrandt zugeschrieben wurden, gelten heute nur noch 55 als eigenständige Werke des Meisters.

Neue "Nachtwache"

Mit 18 Jahren hatte sich Rembrandt in seiner Geburtsstadt Leiden als selbstständiger Maler niedergelassen. In dieser Zeit entstehen die historischen Darstellungen, mit denen er erstmals die Wirkung von Ausleuchtung und Farbstruktur ausprobiert. Mit dem großformatigen Auftragswerk "Nachtwache" malt Rembrandt 1642 sein berühmtestes Bild - und betritt damit  künstlerisches

Neuland: Zu den 18 Schützen der Amsterdamer Bürgerwache fügt der Maler 16 Staffagefiguren hinzu, um den Eindruck der Menschenmenge glaubhaft zu machen. Das Original, das in Amsterdam hängt, wurde jedoch später an den Rändern beschnitten. In Berlin ist hingegen eine 1650 entstandene Kopie von Gerrit Lundens ausgestellt - in der Proportion, in der Rembrandt das Bild ursprünglich malte.

Doch das Jahr der "Nachtwache" markiert nach dem frühen Tod seiner Frau die wohl tiefste Zäsur im Leben des Künstlers. Rembrandt beginnt die Suche nach neuen Bildformen, das Licht erscheint bald weicher und diffuser, die Farben sind dicker aufgetragen und plastischer. Spätwerke wie "Joseph und die Frau des Potiphar" regen die Besucher an, eine eigene, nicht vom Rembrandt-Mythos verstellte Sicht zu entwickeln.

Bis 5.11., Matthäikirchplatz, Tel. 030/ 26 62 951, Katalog: 30 Euro, www.smb.museum/rembrandt.

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