Mendelssohn-Marathon

- Mendelssohn Bartholdys "Schottische" und "Italienische" Sinfonien , sein zweites Klavierkonzert und das e-moll-Violinkonzert: Damit beglückten die Münchner Philharmoniker unter Leitung von James Levine zum Saisonende ihr Publikum in der Philharmonie. Nach diesem knapp dreistündigen Marathon stellt sich allerdings die Frage: Wie viel Mendelssohn braucht und verkraftet der Mensch an einem Abend?

Das Programm spiegelte sowohl Mendelssohns Reiseeindrücke als auch seine ausgefeilte Instrumentalvirtuosität wider. Levine dirigiert inzwischen nur noch im Sitzen, wodurch er in gewisser Weise unscheinbar wirkt, so als spiele das Orchester ohne ihn. Nebel und Schmerz werden in Mendelssohns dritter Sinfonie, seiner "Schottischen" thematisiert, doch unter Levines Dirigat geriet diese Landschaftsmalerei allzu herb und behäbig.<BR><BR>Ein wenig akademisch spröde spielte Margarita Höhenrieder, die sich für ihren Auftritt mit den Philharmonikern das zweite Klavierkonzert vorgenommen hatte. Ihrer virtuos-kraftvollen Interpretation fehlte jedoch der erotische Funke. Die oft schwierige Doppelrolle von Konzertmeister und Solist meisterte Sreten Krstic ohne Probleme. Souverän, mit intonationssicherem schlankem Ton und virtuoser Eleganz präsentierte er das romantisch-schwärmerische e-moll-Violinkonzert.<BR><BR>Im letzten Werk des Konzerts, der vierten Sinfonie ("Italienische"), dominierte schließlich die Tutti-Gewalt vor dem spielerischen Charme und der sprühenden Heiterkeit dieser Komposition, auch hier war wenig Struktur erkennbar. Ein Abend, zwar gut gemeint und engagiert musiziert, insbesondere auch von den Bläsern, der aber durch die alleinige Ausrichtung auf Mendelssohn zu gleichförmig war und große inhaltliche Spannung vermissen ließ.<BR><BR>

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