Der Mensch als Markenname

- Josephine Baker im Bananenröckchen, Mickey Mouse in Starpose oder Andy Warhol androgyn, daneben ein Hund mit gleicher Frisur: Trends, Moden, Kunst, das alles ist nicht genau trennbar. Und soll es auch nicht sein. Die Galerien am Münchner Gärtnerplatz machen in der gemeinsamen Sommeraktion die subtilen Wechselwirkungen und die schillernden Grenzbereiche der "Moden Schauen" sichtbar. Ist Mode Kunst, wird Kunst zur Mode?

<P>Die Galerie Kampl hat dazu Fotografien des New Yorkers Christopher Makos, Man-Ray-Schüler und Warhol-Freund, installiert. Einerseits ist das eine vergnügliche Reminiszenz an die Pop Art und zeichnet den Weg nach vom schrillen Einzelfall bis zum tragbaren Gemeingut. Andererseits werden mit zerlegten Fotografien von Präsidenten, Schauspielern und dem klassischen Bild des Schwarzen die Verknüpfung von Image und sozialem Hintergrund aufgedeckt (bis 21.6., Buttermelcherstr. 15, Tel. 089/ 21 93 82 00).<BR><BR>Mit Rollenbild und sozialem Status hat auch die Arbeit von Christiane Möbus in der Galerie Rupert Walser zu tun. "Um Kopf und Kragen" geht es bei dem Bänderrock, der auf einer Figurine ohne Oberkörper in einer Vitrine prunkt und so seinen sterilen Schutzraum um die Selbstentblößung hat. Fundobjekte, minimal verändert, neu arrangiert sind die Spezialität von Möbus. "Mutter und Tochter" sind zwei Trachtenmäntel, die, auf Alukalotten und Stäben aufbereitet, ein ausladendes, starres und wiederholbares Familienbild abgeben. Im Designerkleid hinter einem Halbspiegelglas kann man sich und seine Posen dann selbst überprüfen (bis 6.6., Fraunhoferstr. 19, Tel. 089/ 201 15 15).<BR><BR>Noch minimalistischer geht es in der Galerie Wittenbrink zu. Aylin Langreuter präsentiert einen imaginären Laufsteg: Am Anfang steckt sie die Models in ihre Alltagskleidung vom Schlafanzug bis zur Unterwäsche für schlichte Fotografien in klassischer Pose. Dazwischen die große Leere, am Ende leuchtet in goldenen Lettern der eigene Name. Der Mensch als Markenname ist unverkäuflich und nur mit dem eigenen Selbst zu füllen. Dazu passen die runden, sparsamen Po-Formen von Yutaca Minegishis Ringen, weiß auf einem weißen Holzbrett. Dass sie aus geschichtsträchtigem Mammut-Elfenbein sind und den Körper stilisieren, weiß nur der Träger allein (bis 21.6., Jahnstr. 18, Tel. 089/ 260 55 80). <BR><BR>Wechselwirkungen zwischen Kunst und Mode</P><P>Genau das Gegenteil in der Galerie Karin Sachs: Exzentrik pur, Freude an der Verwandlung, am schönen Seidenbrokat und am wortwörtlich fabelhaften Aussehen vermittelt das New Yorker Quartett As Four. Die Nachwuchsdesigner wickeln ihre Modelle ein in schmetterlingshafte Hosen, hängen ihnen die rosa Tüll- oder Muscheltaschen mit kreisrundem Armausschnitt um, setzen ihnen wabernde Blütenhauben auf. Wer die aufgerollten Stoffdraperien sieht, weiß, dass hier akribische Konstrukteure am Werk sind. Wenn sie aber ihre Stoff-Modellpuppen häuten und das Ergebnis an die Wand hängen, weiß man auch, dass der schöne Schein nicht das Maß aller Dinge ist (bis 20.6., Buttermelcherstr. 16, Tel. 089/ 201 12 50).<BR><BR>Der historische Rundumschlag zum Thema Mode ist in der Galerie Karl Pfefferle zu sehen. Das Modernste an Technik liefern dabei die Münchner Talbot und Runhof mit lasergeschnittenen Stoffblüten und mit Strass auf Latex. Darum herum arrangiert sich die Modewelt im Bild: von der biedermeierlichen Tracht René´ Gruaus schwarzrote, elegante Frau-von-Welt-Entwürfe für die Vogue 1949 bis zu Rosemarie Trockels Triptychon mit gestickten Löwen. (bis 21.6., Rumfordstr. 29, Tel. 089/ 29 79 69).</P>

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