Ein Mensch in Reinform

- "Die Gänsemagd hab ich sehr gern. Für mich ist das einfach schön, einen Menschen in Reinform darzustellen. Jemanden, der noch nicht gelernt hat, an diesen gesellschaftlichen Spielchen teilzunehmen. Der gar nicht kalkuliert, keine Intrige kennt und der immer alles einfach so pur nimmt, wie das Leben sich ihm stellt. Das macht mir so viel Freude, das ist fast wie eine Klärung für mich."

Wenn die 29-jährige Berliner Sopranistin Annette Dasch über ihre Partie der Gänsemagd spricht, mit der sie morgen im Münchner Nationaltheater (19 Uhr) in der Neuinszenierung von Andreas Homoki und unter der musikalischen Leitung von Fabio Luisi ihr Rollendebüt geben wird, ist sie sehr enthusiastisch. Überhaupt, wenn sie über sich und die Musik spricht. Auch über Fabio Luisi: "Den Fabio kenne ich ja schon etwas länger. Er hat mich ja ein bisschen - ich will nicht sagen entdeckt, aber er hat mich doch als junge Studentin maßgeblich gefördert."

"Es geht direkt zur Sache. Das ist sehr spaßig." Annette Dasch

Im Jahr 2000 gewann Annette Dasch den Concours de Genè`ve, im Finale begleitet vom Orchestre de la Suisse Romande unter Luisis Leitung. "Es hat musikalisch sofort mit uns beiden funktioniert. Danach engagierte er mich gleich für Oratorien und große Sachen mit dem MDR Orchester. Er hat von Anfang an meinen Weg behutsam in Richtung romantische Musik gelenkt, und deswegen ist es natürlich umso schöner, dass ich jetzt hier zum ersten Mal wirklich große deutsche romantische Musik machen kann."

"Mit Andreas Homoki ist das Arbeiten sehr direkt", so Annette Dasch. "Er bedient sich der heutigen Sprache, was mir sehr liegt. Es wird nicht viel gefaselt, nicht viel intellektualisiert, sondern es geht direkt zur Sache. Und das ist für mich sehr spaßig." Vielleicht gerade weil es in Humperdincks Oper über die Geschichte vom Königssohn und der Gänsemagd am Schluss im dritten Akt kein Happy-End gibt, die Königskinder nicht zusammenkommen.

"Also ich kann dazu nur sagen, dass es unglaublich anstrengend ist, diesen dritten Akt zu proben, weil alles so an den Nerven reißt, diese unglaubliche Traurigkeit, und wie es da schon Winter geworden ist. Mit Winter, und das finde ich in dieser Inszenierung auch sehr schön, ist nicht nur der nächste Winter nach diesem Sommer gemeint, sondern es ist Winter auf der Welt, und wir sind ganz alt geworden. Zum ersten Mal überhaupt kommt es auf mich zu, mich in so etwas hinein zu versetzen, so etwas zu spielen und das auch auszuhalten."

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