Der Mensch als Zellhaufen

- Genau! So ist es! Ständig könnte man dies Dieter Nuhr zurufen. Denn ständig erzählt er von diesen leidigen Situationen, von zwischenmenschlichen Grenzfällen, die jeder zur Genüge kennt und in denen sich oft nur noch mittels eines resignativ gestöhnten "Ach!" Erleichterung verschaffen lässt. Von der erfolglosen Suche nach einem Verkäufer im Kaufhaus, von den gut gemeinten Ratschlägen der Mama, von Aggressionen auf der Autobahn. Ach!

Wie gerne hören wir diese Geschichten immer wieder aufs Neue, lassen uns verzücken von der Erkenntnis, dass Frauen sich Kleidergrößen merken, während Männer den Hubraumgrößen zugeneigt sind. Natürlich, ein hoher Wiedererkennungswert ist auch ein Weg zur Pointe.<BR><BR>Dergleichen gibt es viele in Dieter Nuhrs Programm "Ich bin's Nuhr" (Münchner Lustspielhaus). Die Witze kommen in hoher Frequenz, doch Nuhr möchte sie als Beweisführung in Richtung eines höheren Ziels verstanden wissen. Dem Vorhaben nämlich, dem Menschen als bio-chemischen Zellhaufen jede Zivilisationstauglichkeit abzusprechen und ihn als Höhlenbewohner zu begreifen.<BR><BR>Pessimismus? Im Gegenteil, Freude ob der eingeschränkten menschlichen Möglichkeiten, Zufriedenheit, buddhistisches In-sich-Ruhen. Nuhr scheint keine großen Ansprüche an sich zu stellen, und auch mit seinem Publikum geht er mehr auf Schmusekurs, als dass er es fordern und überraschen würde. Populistisches Kabarett aus einer kleinen, altbekannten Welt. Ach!<BR><BR><P>Bis 19. September (alles ausverkauft), Tel.: 089/ 34 49 74. Am 5. November im Circus Krone (089/54 81 81 81).</P>

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