Menschen als beharrliche Einzelwesen

- "Ich bin ja Agrarier, ein ganz gewöhnlicher Bauer", sagte er 1918, als er mit Ehefrau Ada von der Insel Alsen in ein Gehöft auf dem Festland umzog. Die benachbarte Warft Seebüll, wo er sich nach 1926 ein Atelier- und Wohnhaus errichten ließ, wurde nach dem Tod des fast 90-jährigen Emil Nolde 1957 zum Sitz der Stiftung, welche seinen Nachlass bewahrt.

<P>Der als Maler zu Weltruhm gelangte Bauernsohn, der sich seit 1902 nicht mehr Hansen, sondern nach dem Dorf seiner Herkunft nannte, lebte ganz und gar in dieser Landschaft unter Menschen, die störrisch und unergründlich blieben, so sehr man sich ihnen auch näherte: beharrliche Einzelwesen.<BR><BR>Das demonstriert eine Ausstellung von rund 50 Porträts von 1899 und 1919 im Museum der Stadt Ulm. Es feiert damit sein 80-jähriges Jubiläum. Die meisten Leihgaben kamen aus Seebüll. "Blickkontakte" nannten Brigitte Reinhardt und Tilman Osterwold ihre Bildnis-Schau. Gemeint ist: Nolde analysierte sein Gegenüber nicht, er beließ es in dessen Zustand und individuellen Absichten, ein möglichst unbekanntes, geheimnisvolles Wesen zu sein.<BR><BR>Auf dem Schweinemarkt der Insel Alsen lässt Nolde 1908 die Kleinbauern und Ferkelkrämer im fahlen Licht des Abends übers Geschäftliche reden. Während der Teilnahme an einer Südsee-Expedition fand Nolde das Ursprünglich-Unverbildete 1913/ 14 in Männern und Frauen, die sich keineswegs gefahrlos porträtieren ließen, auch wenn es zunächst bei der Skizze blieb. Sich selber malte Nolde, als er 50 wurde, 1917 einmal "als Mensch, das andere Mal als Künstler" in der Art Edvard Munchs, seines großen Vorbilds. Er sah sich als Doppelwesen, das nur mühsam zusammenfand: "Ich fühle mich nur wie eine Schale, darinnen ein Maler wohnt."<BR><BR>Bis 15. August, Tel. 0731/161 43 12; Katalog 29 Euro.<BR></P>

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