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Leonardo da Vinci: „Dame mit dem Hermelin“ zeigt Cecilia Gallerani, die Geliebte von Ludovico Sforza.

Menschen, Macht und Maler

München - Münchens Hirmer Verlag legt den Bildband „Gesichter der Renaissance“ zur Berliner Schau vor.

Würde unsereins diesem Mann begegnen wollen? Sehr kritisch, wenn nicht abschätzig dringt sein Blick in unsere Augen. Die Nase scheint leicht gerümpft, und auch die geschwungenen Lippen wollen sich angeekelt verziehen. Über Jahrhunderte hinweg kann uns diese Persönlichkeit bewegen. Sie selbst ganz unmittelbar – mehr noch als die Tatsache, dass man ein exzellent gemaltes Bildnis vor sich hat. Andrea del Castagnos Gemälde, entstanden um 1450 bis 1457, ist obendrein das erste (erhalten gebliebene) Porträt in Dreiviertelansicht. Der stolze Herr, der damals ungewöhnlicherweise bis zur Taille dargestellt ist, prunkt nicht nur mit seinem markanten Antlitz, sondern auch mit seinem roten, faltenreich üppigen Gewand. Ausführliche Informationen werden ihm in dem Bildband „Gesichter der Renaissance – Meisterwerke der italienischen Portrait-Kunst“ des Münchner Hirmer-Verlags gewidmet.

Das Buch begleitet die gleichnamige Ausstellung (s. Text oben) im Bode-Museum auf der Museumsinsel Berlin, das sich zusammen mit dem New Yorker Metropolitan Museum of Art mit einer der ganz großen Leistungen der Kunst Italiens auseinandersetzt. Sie wird derzeit als Großereignis heftig beworben. Im ausführlich erläuternden Katalogteil des Bandes, der alle Gemälde, Zeichnungen, Medaillen und Büsten vorstellt, und im Aufsatzteil wird von einer Welt im Auf- und Umbruch erzählt: von Machtspielchen und persönlichen Eitelkeiten, von dem „Handelsgut“ Frau, das man gewinnbringend verheiraten konnte, von Adel, Klerus und Bürgertum, von Papst und Kaiser – und den immer selbstbewusster werdenden Künstlern, die in diesem gefährlichen Spinnennetz überleben und ihr Auskommen finden mussten. Aber es gab viele Fürstenhöfe und zu Reichtum gekommene Handelsleute, also viele Auftraggeber. Und die wollten ihr Konterfei nicht mehr nur als Votivbild in einer Kirche sehen, sie wollten es als Unterpfand der Erinnerung, vielleicht der Verewigung und vor allem als visuelles Signal im Strategiespiel um die Macht. Das ist heute noch gültig. So steht die Renaissance am Beginn der Moderne, rückt das unabhängige Individuum in den Mittelpunkt und beginnt, die nackte Realität der Umwelt nüchtern wahrzunehmen.

Wie die Künstler Italiens – darunter einige Nordlichter – mit diesen Anforderungen umgingen, schildern Buch und Schau von Fra Angelico über Botticelli und Pisanello bis Mantegna und Leonardo da Vinci. Er bezaubert durch seine „Dame mit dem Hermelin“, kein verkrampftes Repräsentationsbild, sondern ganz natürlicher Augenblick. Schwerpunkt ist bei diesem Renaissance-Projekt Florenz, die anderen Regionen werden aber nicht ausgespart. Genauso wie es neben den markigen, oft ungeniert hässlichen Männern die schönen Frauen gibt – das Ideal: blond, weiße Haut, langer Hals –, werden auch Kinder wahrgenommen. Das sind die berührendsten, sympathischsten Begegnungen, etwa der entzückende „Lachende Knabe“, den Desiderio da Settignano als Marmorbüste schuf.

Simone Dattenberger

„Gesichter der Renaissance

Meisterwerke der italienischen Portrait-Kunst“. Herausgegeben von Keith Christiansen und Stefan Weppelmann. Hirmer Verlag, München, 420 Seiten; 47,50 Euro.

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