Für den Menschen Partei ergriffen

- Er selbst lehnte die Bezeichnung "Arbeiterliteratur" ab. Dennoch galt Max von der Grün als herausragender Vertreter dieses Genres, setzte er sich doch in seinen Romanen, Erzählungen, Fernsehspielen und Rundfunkfeatures mit der Arbeitswelt künstlerisch auseinander. Gleich sein erster Roman, "Männer in zweifacher Nacht" (1962), berichtet auf dramatische Weise von zwei Bergleuten, die fünf Tage auf ihre Befreiung warten. Gestern ist Max von der Grün im Alter von 78 Jahren in Dortmund gestorben.

<P>Bekannt wurde der Schriftsteller 1963 mit seinem zweiten Roman "Irrlicht und Feuer", der an seinen Erstling anknüpfte. In diesem Erfolgsbuch, das übrigens in der DDR verfilmt wurde, beschrieb er die mangelhaften Arbeitsbedingungen der Kumpel. Das Werk wurde zum Politikum und stieß auf heftige Kritik bei den Gewerkschaften. Der Held des Romans stellt kritische Fragen an die Grubenleitung, an Betriebsrat, Gewerkschaft und Kollegen, die für Missstände im Arbeitsalltag verantwortlich gemacht werden. Die Schilderung des Grubenunglücks ging dabei auf einen authentischen Fall zurück. In mehr als 20 Sprachen wurde "Irrlicht und Feuer" übersetzt und erreichte dabei eine Gesamtauflage von über drei Millionen.<BR><BR>Max von der Grün stammte aus Bayreuth. Als er zwölf Jahre alt war, musste er mitansehen, wie die Nazis seinen Vater, einen Zeugen Jehovas, verhafteten und ins Konzentrationslager Flossenbürg brachten. Während des Zweiten Weltkrieges geriet von der Grün in amerikanische Gefangenschaft. Zwischen 1948 und 1963 war er Bauarbeiter, Bergarbeiter, dann Hauer und - nach einem schweren Unfall - Grubenlokführer. Nur verständlich, dass all diese Erlebnisse in seine Werke einflossen.<BR><BR>Zunächst wandte sich Max von der Grün der Lyrik zu. Nach Gedichten in Zeitungen und Zeitschriften folgten Essays und literaturkritische Arbeiten. 1961 war er Gründungsmitglied der "Gruppe 61", die sich die "künstlerische Auseinandersetzung mit der industriellen Arbeitswelt" zum Ziel gesetzt hatte. Vier Jahre später wurde Max von der Grün zum Literaturzirkel der Gruppe 47 eingeladen - er lehnte dankend ab.<BR><BR>An jüngere Leser richtete sich Max von der Grün mit "Vorstadtkrokodile" (1976) und mit "Wie war das eigentlich?" (1979), eine Schrift, die Struktur und Funktion des Faschismus thematisierte. Früher als viele andere Kollegen erkannte er die braune Gefahr im Nachkriegsdeutschland und befasste sich in "Flächenbrand" (1979) mit dem Rechtsradikalismus.<BR><BR>Mögen solch hochpolitischen Bücher, auch seine Werke über die Produktionsbedingungen die Schlussfolgerung provozieren: Auf eine politische Richtung ließ sich Max von der Grün dennoch nie festlegen. Er ergriff Partei für einen - für den Menschen, für seine Würde am Arbeitsplatz und im täglichen Zusammenleben.<BR><BR></P><P><BR> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wiener Tatort-Star Adele Neuhauser: „Ich bin mir lange im Weg gestanden“
Die Wiener-Tatort-Kommissarin Adele Neuhauser erzählt im Interview von ihrer Autobiografie. Mutig aber nicht voyeuristisch - so sollte ihr Buch werden. Nun wird bereits …
Wiener Tatort-Star Adele Neuhauser: „Ich bin mir lange im Weg gestanden“
Konzertabbruch: So krank war der Jamiroquai-Sänger wirklich
Es war eine „Stimmbandentzündung mit Aphonie“ (Stimmverlust), die Sänger Jason „Jay“ Kay von Jamiroquai zum Abbruch des Konzerts am Donnerstagabend in der fast …
Konzertabbruch: So krank war der Jamiroquai-Sänger wirklich
Diane Kruger: „Dieser Film hat mein Leben verändert“
Es sei die intensivste Rolle ihrer bisherigen Karriere gewesen, sagt Diane Kruger. Belohnt wurde die 41-jährige Deutsche, die seit 25 Jahren in den USA lebt, in diesem …
Diane Kruger: „Dieser Film hat mein Leben verändert“
Neu ergänzt und wie neu gehört: Mozarts Requiem mit René Jacobs
Schon wieder ein Mozart-Requiem auf CD? Wenn man es so aufregend deutet und eine so überzeugende Neufassung bietet wie René Jacobs - unbedingt!
Neu ergänzt und wie neu gehört: Mozarts Requiem mit René Jacobs

Kommentare