Nah am Menschen - Zum Tod von Robert Rauschenberg

München - "Wir sind sehr, sehr traurig, dass Robert Rauschenberg nicht zur Ausstellungseröffnung kommen kann. Aber sein Gesundheitszustand lässt es nicht zu." Diese Worte bei der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag im Münchner Haus der Kunst, als die wunderbare Exposition "Robert Rauschenberg - Travelling `70-`76" präsentiert wurde (bis 14. September), waren prophetisch.

Rauschenberg hat seine letzte Reise angetreten. Der große Künstler ist in der Nacht von Montag auf Dienstag in seinem Haus in Florida im Alter von 82 Jahren gestorben. Eine Lungenentzündung hatte den seit einem Schlaganfall 2002 halbseitig Gelähmten zu sehr geschwächt.

Der US-Amerikaner, der am 22. Oktober in Texas geboren wurde und gemeinhin der Pop Art zugerechnet wird, ist aber ein weitaus vielseitigerer Künstler, wie die Münchner Schau jetzt höchst lebhaft zeigt. Wie viele seiner Generation lernte Rauschenberg bei dem deutschen Abstrakten Josef Albers am Black Mountain College in North Carolina. Dieses einmal tief eingeprägte Gefühl für Farbe, knappe Form, klare Konzepte und Geometrie verließ ihn nie, und er hat immer davon gezehrt. Auf dieser Grundlage konnte er auch, ohne ästhetisch ins Schleudern zu geraten, unglaublich kühn und frech agieren.

Komplett weiße Gemälde standen am Anfang seiner Karriere in New York, und natürlich der schwarze Kontrapunkt dazu, außerdem rote Bilder. In diese Reinheit, Kargheit und Askese hinein platzten quasi wie schmuddelige Verwandte seine Skulpturen. Das waren Assemblagen aus Fundstücken und Abfall, montiert zu grotesken Plastiken. Da gab es einen zottelhaarigen Ziegenbock, umgürtet von einem alten Autoreifen - für die 50er-Jahre ein grelles Kunst-Ausrufungszeichen.

Im Nachhinein, das erkennt man ebenfalls im Haus der Kunst, erweist sich Rauschenberg als ein Künstler, der Europa viel näher stand als der "coolen", oft glatten US-Pop-Art. Natürlich hat Rauschenberg, dessen Opa ein Berliner war, die Medien- und Konsumwelt zwischen Kennedy und Mondlandung "popartig" aufgegriffen. Bei ihm, ob "Combine Paintings" oder Papp-Skulptur, wird all das erdig, fühlbar, sinnlich. Nie fern von den Menschen, sondern humanistisch. Die Münchner Schau beweist das und ist damit der beste Nachruf auf Robert Rauschenberg.

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