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Für ihre zweite Kino-Hauptrolle wurde Brie Larson mit dem Oscar ausgezeichnet.

Oscar-Preisträgerin im Merkur-Interview

Brie Larson: „Endlich kann ich meinen Jeans-Minirock verbrennen“

Los Angeles - Oscar-Preisträgerin Brie Larson spricht im Merkur-Interview über ihren Kinofilm „Raum“, Panikattacken auf Partys und ihre frustrierende Erfahrungen in Hollywood.

Für ihre erste Kino-Hauptrolle als engagierte Erzieherin in „Short Term 12“ gewann Brie Larson den Darstellerpreis beim Filmfestival von Locarno, für ihre zweite Kino-Hauptrolle wurde sie soeben mit dem Oscar ausgezeichnet: In dem packenden Drama „Raum“ (Kinostart am kommenden Donnerstag, 17.3.) spielt sie eine junge Mutter, die mit ihrem fünfjährigen Sohn in einer winzigen fensterlosen Hütte haust, in der sie seit sieben Jahren von einem Entführer gefangen gehalten und missbraucht wird. Beim Londoner Filmfestival sprachen wir mit der 26-jährigen Amerikanerin.

„Raum“ erzählt eine unfassbare Geschichte.

Brie Larson: Ja, wenn ich Leuten sage, worum es in dem Film geht, meinen sie oft nur: „Oh, äh, ja dann... Viel Glück – und tschüss!“ Dabei ist das ein sehr inspirierender Film, der den Zuschauern Mut macht, sich von ihren eigenen Fesseln zu befreien, und der zeigt, dass man auch unter den widrigsten Umständen Raum für Geborgenheit und Liebe schaffen kann. In gewisser Weise hat mich das an meine Kindheit erinnert.

Inwiefern?

Larson: Als ich sieben Jahre alt war, zog meine Mutter, weil ich unbedingt Schauspielerin werden wollte, mit mir, meiner kleinen Schwester und ein paar Habseligkeiten, die ins Auto passten, nach Los Angeles. Dort lebten wir jahrelang zu dritt in einer kleinen Einzimmerwohnung mit einem Schrankbett. Wir hatten eine Handvoll Sachen zum Anziehen und ansonsten fast nichts – aber weil meine Mutter eine blühende Fantasie besitzt, erlebte ich in diesem Zimmer einige der schönsten Jahre meines Lebens.

Woher kam denn damals ihr Berufswunsch?

Larson: Keine Ahnung. Ich stamme nicht aus einer Künstlerfamilie, und wir hatten auch kein Kabelfernsehen, sondern nur ein paar Videokassetten. Von Kinderfilmen wie „Pocahontas“ war ich bald gelangweilt, doch „Vom Winde verweht“ faszinierte mich so sehr, dass ich ganze Szenen nachspielte. Und mit sechs verkündete ich meiner Mutter beim Abspülen, die Schauspielerei wäre meine Bestimmung. Sie konnte nur mit Mühe ihr Lachen unterdrücken.

Warum?

Larson: Weil ich ein extrem schüchternes Mädchen war und vor fremden Leuten schier kein Wort herausbrachte. Aber ich bestand hartnäckig darauf, dass ich Unterricht bräuchte, und schließlich gab meine Mutter nach. Schon nach wenigen Monaten absolvierte ich erfolgreich meine ersten Auftritte. Es war seltsam: Wenn ich zu einer Geburtstagsparty gehen sollte, bekam ich Panikattacken – doch auf der Bühne blühte ich auf.

Allerdings hat es bis zu Ihrem Durchbruch in Hollywood lang gedauert.

Larson: Ja, und ich muss zugeben, es gab sehr frustrierende und entbehrungsreiche Zeiten. Hollywood wusste nichts mit mir anzufangen: Ich war nicht hübsch genug, um das attraktive Mädchen zu spielen, aber auch nicht unscheinbar genug für ein Mauerblümchen. Sie glauben ja gar nicht, wie oft man mir in Castings sagte: „Das war ganz toll, aber geht das auch ein bisschen sexyer? Könnten Sie morgen mit einem Jeans-Minirock wiederkommen?“

Und? Konnten Sie?

Larson: Ich habe es ein-, zweimal versucht, aber dabei festgestellt, dass ich mich in einem Jeans-Minirock überhaupt nicht sexy fühle, sondern furchtbar unwohl. Ich könnte auch nie eine Rolle nur wegen des Geldes annehmen – da kellnere ich lieber. Das ist das Beste an den Preisen, die ich für „Short Term 12“ und „Raum“ gewonnen habe: dass man mir ich jetzt mehr interessante Rollen anbietet. Endlich kann ich meinen blöden Jeans-Minirock verbrennen! (Lacht.)

Marco Schmidt

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