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Seit zwölf Jahren umjubelte Gäste: Mariss Jansons und sein BR-Symphonieorchester im Luzerner Kultur- und Kongresszentrum.

Leser reisen mit dem Symphonieorchester: „Es war wie ein Traum“

Lurzern - Der akustisch großartige Saal in Luzern ist für das BR-Symphonieorchester wie eine zweite Heimat. Bei der diesjährigen Tournee mit dabei: zwei Merkur-Leser, die im Rahmen des Merkur-Konzertabos diese Reise gewonnen hatten.

Luzern um die Osterzeit ist mehr als eine Reise wert. Wie die Stadt am Nordwestzipfel des Vierwaldstättersees aus dem Winterschlaf erwacht, wie alles zu blühen beginnt, die ersten Ruderstaffeln ihre Bahnen ziehen auf dem wundersam türkisblauen Wasser vor dem Hintergrund der schneebedeckten Berge, wie Menschen mit großen Sonnenbrillen auf die Straßen drängen und sich ihres Daseins freuen: Es ist eine Wonne, all dem beizuwohnen.

Unvergessliches Erlebnis: Die Merkur-Leser Heide und Harald Bössner aus Holzkirchen begleiteten die Tournee.

Luzern um Ostern bietet zudem seit Jahren hohe Musikkultur. Seit 1988 gibt es in der Woche vor Palmsonntag den kleinen Bruder des Sommerfestivals, das wiederum schon seit 1938 Klassikgeschichte schreibt. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks verbindet eine enge Freundschaft mit dem Luzerner Osterfestival – vor zwölf Jahren lud Festspiel-Intendant Michael Haefliger das Ensemble erstmals ein. Vor allem für Chefdirigent Mariss Jansons ist die vorösterliche Residenz ein besonderes Anliegen, und Haefliger gibt zu: „Mariss muss ich besonders dankbar sein. Nur durch die Unterstützung eines solchen Künstlers ist es überhaupt möglich, so ein Festival zu entwickeln und zum Erfolg zu führen.“

Am vergangenen Wochenende hat das BR-Symphonieorchester das Festival mit drei Konzerten beschlossen – und mit dabei sein durften zwei Merkur-Abonnenten, für die es eine unvergessliche Reise wurde. Schon am ersten Abend gehen dem Ehepaar Bössner aus Holzkirchen beinahe die Worte aus, um seine Begeisterung zu beschreiben. In Bartóks erstem Violinkonzert mit Vilde Frang als Solistin verblüfft die Intimität des Klangs: Noch nie habe er sich in einem Konzert so warm umarmt gefühlt, schwärmt Harald Bössner in der Pause, der Geigenton sei immer greifbar präsent gewesen.

Auch die vierte Symphonie von Brahms wird zum Ohrenschmaus. Eine stimmigere Balance zwischen den Orchestergruppen bei gleichzeitiger Transparenz hört man nur ganz selten. Der Konzertsaal im Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL) wird dafür weltweit gerühmt. Die Akustik ist atemberaubend. Eine beliebig absenkbare Schalldecke aus Holz, individuell zu öffnende Seitenwände hinter den weißen Rängen, dazu filigran ausgetüftelte Gipsreliefs an den Balkonvorderseiten sowie unscheinbare Vorhänge ermöglichen einen für jeden Abend angepassten Raum und optimal ausgesteuerten Klang.

Das alles ist derart in das Design des Architekten Jean Nouvel integriert, dass das Konzert zum Gesamterlebnis wird. Das fängt schon im Foyer an, wo sich der See im riesigen Dach und im anthrazitfarbenen Boden spiegelt und die holzvertäfelte Außenwand an einen Schiffsbug erinnert. Innen erwärmt ein sanftes Rot hinter den leicht geöffneten Wänden die Salle blanche, die blaue Decke samt verschwommenen Lichtern lässt an einen Sternenhimmel denken.

Das Ehepaar Bössner, das seit 1958 am Münchner Kulturleben höchst aktiv teilnimmt, kommt aus dem Staunen kaum mehr heraus – erst recht, nachdem beide in den Genuss einer privaten Akustik-Führung kommen. Harald Bössner wagt sich bis auf die letzte Reihe im obersten Geschoss hinauf und blickt hinab: „Mit Höhenangst ginge das nicht“, sagt er, aber als zwei Techniker auf der Bühne leise miteinander reden und jedes Wort lupenrein verständlich ist, blitzt wieder Freude und Verblüffung in Bössners Gesicht auf.

Mariss Jansons schätzt das Osterfestival in Luzern nicht zuletzt deswegen, weil immer auch ein großes Chorwerk auf dem Programm steht. Dieses Jahr sind die Münchner mit Jana(c)eks Glagolitischer Messe angereist – ein selten zu hörendes Werk. Nicht die vier Gesangssolisten stehen im Mittelpunkt, sondern der Chor, der von seinem Leiter Peter Dijkstra einmal mehr ausgezeichnet vorbereitet und mit viel Beifall bedacht wurde: ein Vokal- und Gesamtklang, bei dem jede einzelne Stimme zum Greifen nahe scheint, das Piano sich wie auf Samtschuhen in den Saal tastet und das Forte mahnend erschüttert, ohne zu erdrücken. Keine Frage: Der Saal ist großartig – aber was wäre er ohne ein Ensemble von Weltrang?

Im Abschlusskonzert am Sonntag stand Bernhard Haitink am Pult, zunächst bei Mozarts d-Moll-Klavierkonzert mit Maria João Pires, danach bei Bruckners Vierter. Anders als im Gasteig im Januar geriet der Mozart graziler, schimmernder. Beim wunderbar stimmigen Bruckner ging Haitink das Scherzo rasanter an, eine Herausforderung, die vor allem das Blech meisterhaft annahm. Am Ende erhoben sich alle Zuhörer – auch Harald und Heide Bössner, für die das Wochenende zu einem unvergesslichen Erlebnis wurde: „Einen Höhepunkt gibt es nicht. Es war von der ersten Sekunde an wie ein Traum.“

von Johann Jahn

Merkur-Konzertabo:

Ein Aufruf dazu erfolgt Ende Juni. Auch in der kommenden Saison verlosen wir in Zusammenarbeit mit dem BR-Symphonieorchester wieder eine Reise nach Luzern.

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