Merkur-Theaterpreis: auf Tuchfühlung mit den Stars

München - Eine "Merkur-Oscar-Nacht" sei dies, formulierte es Verleger Dirk Ippen. Und tatsächlich: Als sich Tänzer Tigran Mikayelyan - auf Englisch - bei seinen Unterstützern und vor allem bei seinen Eltern bedankte, da wehte ein Hauch von Hollywood durch die Münchner Otto-Falckenberg-Schule.

Nur gibt es einen wesentlichen Unterschied. Beim Merkur-Theaterpreis entscheidet nicht eine dubiose Jury über die Geehrten, sondern das wichtigste Gremium überhaupt - das Publikum, in diesem Falle Tausende Leser des Münchner Merkur. Sie votierten heuer für Schauspieler Jochen Busse ("Das andalusische Mirakel" in der Komödie im Bayerischen Hof), Tänzer Tigran Mikayelyan (unter anderem der Romeo und Prinz Siegfried des Staatsballetts) sowie das "Dogville"-Ensemble des Münchner Metropol-Theaters. Und für ihre Darstellung der Fiorilla in der aktuellen Rossini-Produktion der Pasinger Fabrik erhielt Irina Prodan den Förderpreis. Sie alle durften einen bronzenen Gott mit nach Hause nehmen: jenen Merkur, der im Original von Renaissancekünstler Giovanni da Bologna geschaffen wurde und den der Münchner Bildhauer Vincent Mitzev nachgebildet hat.

Unter den Einsendern wurden 200 Leser ausgelost, die auf Tuchfühlung mit den Stars und vielen anderen Prominenten aus Kultur und Politik gehen konnten. "Sie wissen um den Wert des Direkterlebnisses Theater", sagte Feuilletonchefin Sabine Dultz. "Es ist immer der Mensch, der im Mittelpunkt des Theaters steht, das wir alle zusammen so lieben."

Dass sich heuer angesichts der kühlen Witterung kaum jemand in den Innenhof der Falckenbergschule traute, tat der Stimmung keinen Abbruch. Die Party drinnen wurde dafür umso "heißer" - angeheizt unter anderem auch vom Schlagerprogramm der jungen Falckenbergler, die sich intensiv mit den "Beinen von Dolores", einer gut küssenden Ruth und der komplizierten Gleichung "Eins und eins, das macht zwei" beschäftigten. "Es muss schon was Besonderes sein, dass Sie alle hier aufschlagen", meinte denn auch Kunstminister Thomas Goppel. Er befasste sich in seiner Rede mit der Bedeutung dieses Preises, reimte sich so manches auf den Namen Ippen zusammen und gestattete sich sogar souveräne Selbstironie: "Du hast ja jetzt mehr Freizeit gewonnen", habe seine Frau nach der gerade verlorenen Wahl zum Oberbayern-Vorsitzenden der CSU gesagt. Goppel: "Davon bemerke ich bisher relativ wenig." Zur launigen, lockeren Atmosphäre dieser Feier passte solches wunderbar.

Ebenso übrigens Jochen Busses kabarettreife Dankesrede und die Zugabe der Schauspielstudenten: Zu vorgerückter Stunde, als alle Preise vergeben und die meisten Speisen von Stefan Gergely vertilgt waren, betraten sie für ein paar ungeplante Lieder die Bühne und lockten die letzten Partygänger in den Zuschauerraum. Der Gund liegt auf der Hand; "In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine."

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