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Metallica in der Olympiahalle.

Band elektrisiert die ausverkaufte Olympiahalle

Konzertkritik: Metallica präsentieren München eine irrwitzige Überraschung

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Metallica gaben sich am Donnerstagabend in der Olympiahalle in München die Ehre - und präsentierten den Fans eine irrwitzige Überraschung: die Konzertkritik.

München - Es ist so eine Sache mit großen Namen. Sie können für großen Respekt sorgen. Man kann geneigt sein, große Worte für sie finden zu wollen. Oder große Erwartungen an sie zu haben. Nun ist nicht überliefert, wie Metallica zu ihrer Größe stehen. Dass sie einer der ganz großen Namen der Musikwelt sind, dürfte aber unstrittig sein. Stilprägend, oft kopiert, selten erreicht: Seit Jahrzehnten thronen die vier Herren aus Kalifornien als Metal-Gottheiten auf dem Olymp der harten, lauten, epischen Musik. Nur konsequent, dass ihre Spielstätte in München olympisch ist. Die Halle ist bis auf den letzten Platz ausverkauft, wobei der Bühnenaufbau in der Mitte der Arena freie Sicht auf das Spektakel und Extra-Plätze für die bayerischen Fans geschaffen hat: 15.200 Menschen wollen an diesem Abend ihren Metal-Göttern huldigen.

Dass Metallica im Rahmen ihrer seit 2016 laufenden „WorldWired“-Tour ein Feuerwerk abbrennen, zeigt sich schon, als sich James Hetfield, Kirk Hammett, Rob Trujillo und Lars Ulrich zu hymnischen Ennio-Morricone-Klängen und unter frenetischem Jubel den Weg durch die Menge bahnen, um die freistehende Bühne zu erklimmen. Dann rollt der Donner durchs Rund, und Metallica zünden mit „Hardwired“ und „Atlas, Rise!“ vom aktuellen Album „Hardwired… To Self-Destruct“ sofort die Motoren. Die Band promotet zwar auf dieser Tour die zehnte Studio-Platte, Klassiker wie „Seek and destroy“, „For whom the bell tolls“ und „Master of Puppets“ sind trotzdem obligatorisch in ihren Shows.

Metallicas James Hetfield auf einem Archivfoto.

Und man muss von einer Show sprechen, denn dieser Auftritt ist durchgestylt, von den auf- und abtauchenden Video-Würfeln bis zu aus dem Boden fauchenden Flammen und den stetigen Positionswechseln der Bandmitglieder. Doch gerade, als man sich zaghaft zu fragen beginnt, ob Metallica den ganzen Schnickschnack überhaupt brauchen und ob diese Perfektion ihrer genialen Musik nicht den beinharten Charme nimmt, kommt die Band mit einer Überraschung daher: Bassist Trujillo und Gitarrist Hammet spielen eine irrwitzige Version von „Skandal im Sperrbezirk“, bei der Textsicherheit nicht das erklärte Ziel ist.

Ja, es ist so eine Sache mit den ganz großen Namen. Lässt man den Mythos um die Band kurz beiseite, hat man vier herausragende Musiker, die auch nach 37 Jahren auf der Bühne keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sie ihrem großen Namen alle Ehre machen und immer noch das Feuer haben, das es braucht, um die Massen zu elektrisieren. Unbarmherzig mit ihren Instrumenten, die sie voller Groll traktieren. Gnädig ihren treuen Anhängern gegenüber, denen sie einen spektakulären Abend bescheren. Der wiederum endet, wie er enden muss: Mit „Enter Sandman“ schicken die Metal-Götter die Münchner nach einem großen Konzert ins „never-never land“.

Kathrin Brack

Vor dem Konzert in München hatte es Ticket-Ärger gegeben.

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