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Zwischen Himmel und Hölle in Strunzenöd: Kabarettist Michael Altinger.

"Ich sag's lieber direkt"

Altinger mit neuem Programm im Lustspielhaus

München - Michael Altingers neues Programm „Ich sag’s lieber direkt" feierte im Münchner Lustspielhaus Premiere. Es ist der stete Wandel der Zeiten und Moden, die den Kabarettisten antreibt.

Ist er gerne da oder wäre er lieber weit weg? Ist dieser Ort Himmel für ihn oder Hölle, Traumziel oder Quell immer neuer Albträume? Tatsache ist, dass dieses Strunzenöd Michael Altinger schon sein ganzes bisheriges Kabarettistenleben beschäftigt, ein oberbayerisches (Fantasie-) Dorf, der Anonymität entrissen durch die spannenden Expeditionen eines Sprosses dieses Ortes, der die Mentalitäten seiner Landsleute perfekt auf den Punkt bringt.

Und so ist man auch in seinem neuen Programm „Ich sag’s lieber direkt“, das am Mittwochabend im Münchner Lustspielhaus Premiere hatte, schnell mittendrin in einem Gemeinwesen, dessen Personen und Strukturen einem irgendwie bekannt vorkommen.

Da taucht die unsterbliche Kindergartentante Augenia auf, der Ferrari fahrende Bürgermeister namens Uwe, der zugleich Gastwirt ist, eine bizarre Bauernfamilie und einige mehr. Dass sie kommen und wieder gehen wie die Tage und die Nächte auf dem Land, ist eines der Charakteristika von Altingers Erzählstil. Alles ist im Fluss, nichts wird für immer abgehakt.

Augenzwinkernde Vergangenheitsverklärung

Es ist der stete Wandel der Zeiten und Moden, die den mittlerweile 43-Jährigen um- und antreibt, in seiner augenzwinkernden Vergangenheitsverklärung weiß er sich eins mit seinem heftig umschmeichelten Publikum. Sehr realitätsnah kommen da die Sätze („Nur, falls mal was ist!“), mit denen die Eltern von heute das Smartphone schon für die Kleinsten rechtfertigen, da wird der unaufhaltsame Vormarsch von allerlei elektronischen Helferlein beklagt und das gute alte Buch gefeiert, bei dem man weiß, „wie viel ich schon hab’ und wie viel ich noch muss“. Echte Kommunikation, das gesprochene Wort, ist Trumpf, am liebsten direkt von Mensch zu Mensch.

Der Mann, dessen beredte Körpersprache allein schon halb den Abend füllt, ist dabei zum Glück weit entfernt von jeder Demagogie, selbst seine Zornesausbrüche reizen zum Lachen – etwa wenn er den neuerdings allgegenwärtigen Drang geißelt, in allen Medien zur Meinungsäußerung aufzurufen. Doch auch Altingers „heile Welt“ von früher ist nicht heil, die Brüche teilen sich en passant mit, ob es sich nun um Kindererziehung handelt, um die katholischen Kirche oder um die traditionelle Küche. Der Zukunft zugewandt zu sein, das sah in Strunzenöd lange Zeit konkret so aus, dass man die Pizza einfach mit Schweinsbraten belegte.

„Ich sag’s gern direkt“ erweist sich – vom Ende her gesehen, als perfekt durchkomponiertes Stück (Regie: Gabi Rothmüller) voller schöner Running Gags und mit einer Hauptfigur, die sich selbst nicht schont. Dessen die Balz unterstützendes Gitarrespiel einst ebenso desaströs war wie es heute der Versuch ist, mit einem notorischen Schweiger ein Gespräch zu führen. Und weil er es sich erlauben kann als gebrochener Held, als Nicht-alles-besser-Wisser, erfreut Michael Altinger, wie immer selbstlos unterstützt von Martin Julius Faber, seine Fans zwischendurch mit allerlei souligen Liedern – keine vielstrophigen Elaborate, sondern kleine Kunstwerke, vertonte Reime und Aphorismen, die in allen Stimmungsfarben schillern.

Weitere Termine: Bis Samstag, um 20.30 Uhr, Telefon 089/34 49 74. Außerdem am Sonntag, 23. 3. im Bürgersaal Oberhaching und am 28. 3. im Veranstaltungsforum Fürstenfeldbruck.

Rudolf Ogiermann

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