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Der König im Musikgeschäft: Michael Jackson (1958–2009), hier bei einem Konzert im Jahr 1992. Jetzt ist seine CD „Xscape“ erschienen, auf der bislang unveröffentlichte Lieder zu hören sind, die Jackson in den Achtziger- und Neunzigerjahren aufgenommen hat.   

Neuveröffentlichung

Kritik: So ist Michael Jacksons neues Album "Xscape"

München - Im Juni 2009 verstarb Michael Jackson. Nun - knapp fünf Jahre später - erscheint das zweite postume Album des King of Pop, "Xscape" .

Es rumpelt, zirpt, klingelt, grummelt und seufzt auf „Xscape“. Michael Jacksons Stimme, seine Melodien und Harmonien kämpfen mitunter vergeblich gegen den klanglichen Treibsand, in den alles geworfen wurde. Die Nachlassverwalter des „King of Pop“ (1958–2009) wollten hörbar auf der Höhe der Zeit sein und haben für diese postume Produktion den Tontüftler John Mosley engagiert, besser bekannt unter seinem Nom de guerre „Timbaland“. Der gilt seit Jahren als Hitmaschine, weil er weiß, wozu die Leute in den Clubs tanzen.

Timbaland hat mit Jacksons nachgelassener Liedsammlung gemacht, was er bei anderen Klienten auch schon getan hat: Er betonte den Rhythmus und schuf ein komplexes, aber wiedererkennbares Klangbild. Jay Z, Justin Timberlake, Nelly Furtado oder Katy Perry hat er auf diese Weise zum Erfolg gebracht. Das freilich ist das Problem, denn nicht selten klingt „Xscape“ nach Furtado und Konsorten, also etwas beliebig. Süffig, sicher. Zeitgemäß auf jeden Fall. Nur eben austauschbar.

Ob das Jackson gerecht wird, kann man bezweifeln. Denn das erstaunliche Mischwesen aus souveränem Künstler und planlosem Kind war selbst akribischer Produzent, der oft über Wochen an einer Tonspur schraubte, bis sie ihm gefiel. Auch wollte Jackson, der stets aktuelle Strömungen in seine Musik einfließen ließ, nie klingen wie alle anderen. Er wollte einen Schritt voraus sein – und das ist ihm oft geglückt. Timbalands Drumcomputer, die kratzenden Gitarren und den Streicher-Overkill – all das hat Jackson schon vor 30 Jahren salonfähig gemacht.

Auf „Xscape“ hört man eigentlich ziemlich wenig Michael Jackson, und wie sehr das zu bedauern ist, merkt man, wenn man sich die „Deluxe Edition“ der CD besorgt. Hier sind als Bonus die Lieder so zu hören, wie Jackson sie hinterlassen hat. Manche sind in einer Fassung, die nicht für die Veröffentlichung gedacht war – beispielsweise das etwas merkwürdige, aber reizvolle Cover von „Horse With No Name“, von Jackson in „Land With No Name“ umgedichtet. Anderes klingt nach der Zeit, zu der die Lieder entstanden sind: Jackson hat die Songs Mitte der Achtziger- bis Ende der Neunzigerjahre aufgenommen. Das tönt etwas nach Gestern, aber es tönt gut. Exemplarisch zu hören bei „Slave To The Rhythm“, das in der Timbaland-Version unter dem Gewicht der Klanggülle, und sei sie noch so hip, schlichtweg zusammenbricht. Die Ursprungsfassung klingt nach Jackson zu seinen besten Zeiten.

Noch verheerender ist es bei „Love Never Felt So Good“: Bei Jackson eine wunderbare Ballade, bei der seine bemerkenswerte Stimme schön zum Tragen kommt – nach der Bearbeitung dümpelt das Lied im drögen Nirwana gefälligen Lounge-Sounds dahin. Selbst halbfertige Skizzen wie „Do You Know Where The Children Are“ sind im Original besser als die regelrecht zu Tode produzierte Version, die Jacksons Stimme die Luft zum Atmen nimmt. Einzig das Titellied „Xscape“ und vor allem „Blue Gangsta“ hat Timbaland vorbildlich hinbekommen – Höhepunkte des Albums.

Bislang unbekannte Meilensteine der Musikgeschichte sind auf der Platte nicht zu finden, aber hübsche Lieder, bei denen man nicht recht versteht, weshalb sie einst aussortiert wurden. Wenn man Jacksons Erben mit dem Erwerb reicher machen will, sollte man unbedingt zur „Deluxe“-Ausgabe greifen.

„Thriller“ im Deutschen Theater

„Thriller – Live“, die Musicalshow über Michael Jackson, kehrt ins Deutsche Theater in München zurück. Die Produktion, die im Londoner West End uraufgeführt wurde, macht von 20. Mai bis 1. Juni Station im Haus an der Schwanthalerstraße. Karten gibt es unter Telefon 089/ 55 23 44 44 oder online unter www.deutsches-theater.de.

Zoran Gojic

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