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Michael Krüger im Kino: „Verabredungen mit einem Dichter“

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Von: Michael Schleicher

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Michael Krüger, Dichter und Verleger
Michael Krüger, Dichter und Verleger. © Sven Hoppe/dpa

Der Schriftsteller Michael Krüger leitete über viele Jahre den Münchner Hanser-Verlag. Nun erzählt im Kino der Dokumentarfilm „Verabredungen mit einem Dichter“ über Krügers eigenes Schreiben.

Dokumentarfilme über Autorinnen oder Autoren sind allzu häufig grauenhaft. Schließlich gibt es kaum Faderes als Schriftsteller, die auf der Leinwand ihr Werk erklären. Doch kennt die Filmgeschichte – ein Glück! – einige Ausnahmen, und zu denen zählt nun auch „Verabredungen mit einem Dichter – Michael Krüger“. Für diese Produktion hat Frank Wierke den Dichter und langjährigen Chef des Münchner Hanser-Verlags mit der Kamera regelmäßig begleitet: von 2013, Krügers letztem Jahr an der Spitze von Hanser, bis Anfang 2020, kurz nach Ausbruch der Pandemie, als sich der heute 78-Jährige aufgrund einer Leukämie-Erkrankung weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückziehen musste. Entstanden ist ein konzentrierter, ruhig erzählter Film, ein essayistischer Spaziergang durch Krügers Gedankenwelt ebenso wie durch sein Schreiben.

Michael Krüger leitete Hanser bis Ende 2013

Freilich hätte es sich der Regisseur einfach machen und vom bedeutenden Verleger und Literaturvermittler berichten können. Umso faszinierender ist, wie es ihm gelingt, Krügers eigenes literarisches Schaffen – und hier vor allem seine Gedichte – ins Zentrum dieser 90 Minuten zu rücken. Ausgewählte, passende Verse unterteilen die Produktion in grob sortierte Kapitel. Es sind die einzigen gestalterischen Eingriffe, die dem Film guttun – auf seine mitunter arg experimentelle Kameraführung hätte Wierke getrost verzichten dürfen. Sie lenkt nur ab von Krüger und dem, was dieser Mann zu sagen hat. Dabei ist der Autor kein Großsprecher. Angenehm zurückhaltend, klar, behutsam und unaufgeregt formuliert er Gedanken, Thesen und Erinnerungen. Da geht es um sein Werden, die Rolle seines Großvaters, die Liebe zu alten Bäumen und vielen Büchern, die Arbeit für den Verlag, als Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und am eigenen Werk. Das ist berührend, beglückend – besonders. (Noch mehr Literatur? Lesen Sie hier unseren Bericht zum Münchner Auftritt des Dichters und Liedermachers Wolf Biermann sowie unsere Kritik zu „Nachmittage“, dem neuen Buch von Ferdinand von Schirach.)

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