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Es jault und quietscht und „pfumpt“: Michael Mittermeier am Montagabend im ausverkauften Münchner Circus Krone.

Premiere von "Blackout"

Mittermeier im Circus Krone: Die Kritik

München - Michael Mittermeiers aktuelles Programm „Blackout“ hat im Münchner Circus Krone Premiere gefeiert - und bot gepflegte Besinnungslosigkeit. Lesen Sie hier die Kritik über den Auftritt des Comedian.

Auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist die Rede in diesem Programm und vom Geheimnis ihres Erfolges. Doch Michael Mittermeier liefert keine Analyse ihrer Strategie, sondern eine Interpretation ihrer typischen Handhaltung, der Raute – nämlich als „das, wo Männer reinwollen“. So ist er, der Michl, von der großen Politik geht’s ganz schnell in die Hose, seine Reisen durch ferne Länder und seine Exkursionen in die Geschichte enden regelmäßig in deftigen Pointen.

„Blackout“ heißt sein aktuelles Programm, zu sehen derzeit im Münchner Circus Krone – und was liegt näher, so kurz nach dem Ende der Wiesn, als das titelgebende Phänomen vor allem als Ergebnis ausgiebigen Trinkens zu beschreiben? Und so taucht der Comedian lustvoll ein in allerlei Anekdoten von Alkoholexzessen, die in gepflegter Besinnungslosigkeit enden. Lange zurückliegende nächtliche Autofahrten mit geborstener Frontscheibe durchs heimatliche Dorfen, Gelage, die mit bizarren Spielen enden, in denen ein Wiener Würstchen eine große Rolle spielt – was bei anderen mehr oder weniger geschmackvolle Heldenepen sind, kommt bei Mittermeier so süffig rüber, dass schon bald kein Auge mehr trocken ist.

Doch schon 47 Jahre alt ist er inzwischen, aber ein Kindskopf geblieben. Seine Geschichten sind gespielte Comics, es jault und quietscht und „pfumpt“, wenn Mittermeier seine Studien über Japaner, Briten und Amerikaner präsentiert. Fans wissen auch ohne Text, dass ein fantastisch herunterhängendes Gesicht ungläubiges Erstaunen ausdrückt und stampfender Gang extreme Beschränktheit.

Doch Mittermeier ist kein (Edel-)Proll, der Prolls imitiert, seine Kunst ist der Wechsel zwischen fundiertem Wissen und den Abgründen des Allzumenschlichen. Mit witziger Kritik am Zeitgeist fängt er sein Publikum, da geht’s um Elektroroller („Sieht noch bescheuerter aus als Nordic Walking“) und Geländewagen („Hausfrauenpanzer“), um Lebensmittel(-skandale) und den Wandel der Kommunikation. Erstaunlich viel „Das-waren-noch-Zeiten“-Schwärmerei schwingt mit, wenn der Comedian über die Vergangenheit sinniert. Was heute das Handy ist, sei damals das Auto gewesen, erläutert er – und ein „Shitstorm“ konnte auch mal eine ganz wörtlich zu nehmende Sache sein.

 Michael Mittermeier kann in seinem gut gearbeiteten, mit wunderbaren Running Gags verzierten Programm über das alte Troja und den Kampf um die schöne Helena referieren, schreckt aber auch vor Schlüpfrigkeiten nicht zurück. Wer damit klarkommt, ist hier bestens aufgehoben. Ein „Blackout“, für den man sich nicht schämen muss. Höchstens nur ein bisschen.

Weitere Termine:

Noch heute um 20 Uhr im Münchner Circus Krone, Restkarten an der Abendkasse; Telefon 01805/ 247 287.

Von Rudolf Ogiermann

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