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Privat und beruflich angekommen: Schauspielerin Michaela Schaffrath.

Michaela Schaffrath: „Jeder sollte Macho sein“

München - Michaela Schaffrath ist der Erotikbranche längst entwachsen. Ab Mittwoch ist sie in der Komödie im Bayerischen Hof zu sehen – in ihrer ersten Theaterrolle.

Ihrer Vergangenheit in der Erotikbranche ist Michaela Schaffrath, 41, längst entwachsen – seit zwölf Jahren arbeitet sie als Schauspielerin und war bei etlichen Fernsehproduktionen dabei. Mit einer Hauptrolle in der Komödie „Zärtliche Machos“ wagte sie 2010 den Schritt auf die Theaterbühne, heute Abend feiert das Stück München-Premiere in der Komödie im Bayerischen Hof. Im Interview erzählt die gelernte Krankenschwester, warum es am Theater ehrlicher zugeht als beim Fernsehen – und wann Männer Machos sein sollten.

Sie waren mit den „Zärtlichen Machos“ im Rheinland, zuletzt in Hessen, jetzt in München. Haben Sie den bayerischen Kulturschock schon verkraftet?

(Lacht.) Ich habe das überhaupt nicht als Kulturschock empfunden, sondern mich wahnsinnig auf München gefreut. Das ist eine tolle Stadt, wir spielen in einem wunderbaren Theater. Jetzt hoffe ich noch, dass der Sommer kommt, solange wir hier sind.

Das Stück war im Jahr 2010 Ihr Debüt auf der Theaterbühne. Wie haben die Kollegen Sie damals aufgenommen?

Erstaunlich gut. Ich bin zwar schon zwölf Jahre als Schauspielerin tätig, trotzdem war ich vor der ersten Begegnung mit Hans-Jürgen Bäumler sehr aufgeregt. Aber mit ihm und den anderen Kollegen war es Liebe auf den ersten Blick. Wir haben ein sehr familiäres Verhältnis und treffen uns auch privat. Das ist für mich sehr wichtig, denn ich habe in den letzten zweieinhalb Jahren mehr Zeit mit den Jungs verbracht als mit meinem Mann.

Apropos Männer: Sind zärtliche Machos etwas Gutes – oder sollte man sich von denen fernhalten?

Ich finde zärtliche Machos toll und bin froh, dass es sie gibt auf der Welt. Ich finde, jeder Mann sollte ein Stück weit auch ein Macho sein. Da muss man differenzieren: Es gibt die unangenehmen Machos, die sehr aufdringlich sind, ihren Porscheschlüssel hinlegen und glauben, alle Frauen fahren darauf ab. Und dann gibt es Männer, die in der richtigen Situation ein Macho sind: wenn man eine Schulter zum Anlehnen braucht, wenn man Angst hat, wenn man jemanden braucht, der für einen kämpft. Und hier und da können Machos ja auch sehr amüsant sein.

Auf der Bühne mischen Sie als Cecilia eine Männer-WG auf, die eigentlich nichts mehr von Frauen wissen will. Wieso passt die Rolle zu Ihnen?

Cecilia ist eine sehr temperamentvolle Frau, die weiß, was sie will. Aber sie ist auch sehr charmant und gefühlvoll. Ganz so aufdringlich und frech wie Cecilia bin ich zwar nicht, aber es macht mir große Freude, das sein zu dürfen. Ich habe schon viele Jahre den Traum gehegt, Theater zu spielen. Als ich das Stück von Robby (Regisseur René „Robby“ Heinersdorff, Anm. d. Red.) gelesen habe, wusste ich: Das ist meine Rolle, die kann ich sehr gut mit Leben, mit Liebe, mit Leidenschaft füllen.

Das Theater war für manche Ihrer Kollegen ein Sprungbrett ins Fernsehen. Sie haben es umgekehrt gemacht. Warum der Schritt auf die Bühne?

Ich wollte wissen, wie es ist, vor Publikum zu spielen und ein direktes Feedback zu bekommen – und ich habe meine Leidenschaft für das Theater entdeckt. Es ist ein Stück weit ehrlicher als Fernsehen. Es gibt kein Netz, keinen doppelten Boden. Theater ist das Hier und Jetzt. Der Lohn kommt direkt vom Publikum, ohne Quote. Für mich ist es die Erfüllung eines großen Traums, und ich fühle mich auf der Bühne sehr wohl. Trotzdem mache ich noch sehr gerne Fernsehen – man kann beides eigentlich nicht vergleichen.

Was war die wichtigste Lektion, die Sie auf der Bühne lernen mussten?

Die Stimme muss erstens kräftiger sein als bei Dreharbeiten. Zweitens muss ich beim Theater eine größere Präsenz herstellen, damit man auch in der letzten Reihe sieht, was ich tue. Beim Fernsehen muss man sich dann wieder sehr reduzieren. So wie man beim Theater zum Beispiel eine Tür öffnet, wäre es für das Fernsehen zu viel, das wirkt aufgesetzt. Und drittens: Beim Theater muss ich das komplette Stück im Kopf haben. Beim Fernsehen reicht es, den Text für den aktuellen Drehtag zu kennen.

Im Rheinland wurde „Zärtliche Machos“ mit Ovationen im Stehen gefeiert – die Münchner gelten als zurückhaltender.

Ja, das haben meine Kollegen auch gesagt. Ich selbst habe noch nie vor einem Münchner Publikum gespielt, aber ich bin guter Dinge, dass es den Leuten hier gefällt. Auch die Frankfurter waren zurückhaltender als die Rheinländer. Aber das hat, glaube ich, nichts damit zu tun, ob ihnen das Stück gefallen hat. Die freuen sich eben ein bisschen mehr nach innen.

Krankenschwester, Bewohnerin des Dschungelcamps, Moderatorin, Schauspielerin – Sie haben in Ihrem Leben schon die verschiedensten Dinge gemacht. Sind Sie mittlerweile angekommen?

Ja, das kann ich voller Überzeugung sagen. Ich bin privat angekommen, bei einem wunderbaren Mann. Und ich habe einen absoluten Traumberuf – was aber nicht bedeutet, dass ich keine Träume mehr habe. Ich habe mir aber sagen lassen, dass man über Träume nicht reden soll, weil sie dann nicht in Erfüllung gehen. (Lacht.)

In den nächsten Monaten haben Sie erst mal einen straffen Terminplan vor sich – bis Februar 2013 sind Sie unterwegs. Wie lässt sich das mit dem Privatleben vereinbaren?

Ich habe zum Glück einen Mann, der meinen Beruf hundertprozentig toleriert. Er war selbst lange in der Medienbranche und weiß, worauf es ankommt. Bevor ich zum Theater ging, hatte ich beruflich eine ziemliche Durststrecke. Damals habe ich ernsthaft überlegt, ob und wie es als Schauspielerin weitergehen kann. Es gab Momente, in denen ich darüber nachgedacht habe, wieder ins Krankenhaus zurückzugehen. Wenn ich da nicht meinen Mann an meiner Seite gehabt hätte, hätte ich das nicht durchgestanden.

Das Gespräch führte Ann-Kathrin Gerke.

Vorstellungen

bis zum 8. September in der Komödie im Bayerischen Hof, Promenadeplatz 6. Karten ab 25 Euro unter Tel. 089/29 16 16 33.

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