+
Drei Eichen im Wald: Ian Hooper, Claudio Donzelli und Craig Saunders (von links).

Sänger Hooper studierte in München Politik

Mighty-Oaks: Botschafter der Musik

Oaks schoss mit einer fröhlichen Mischung aus Folk, Country und Rock auf Platz eins der hiesigen Charts. Umso überraschter waren die Fans, als sie erfuhren, dass die Band in Berlin beheimatet ist. Wir hakten bei Sänger Ian Hooper unter anderem in puncto München nach.

Das Debütalbum Howl von der Band Mighty

Oaks schoss mit einer fröhlichen Mischung aus Folk, Country und Rock auf Platz eins der hiesigen Charts. Umso überraschter waren die Fans, als sie erfuhren, dass die Band in Berlin beheimatet ist. Hier arbeiten ein Brite (Craig Saunders, Bass), ein Italiener (Claudio Donzelli, Banjo, Gitarre, Klavier) und ein US-Amerikaner (Ian Hooper, Gesang, Gitarre, Mandoline) am Oaks-Sound. Hooper kam übrigens über München nach Europa, studierte hier von 2006 bis 2008 im Rahmen eines Programms des Lewis & Clark College an der LMU Politik. Jetzt bringen die Mighty Oaks das zweite Album hervor: Dreams. Vorgestellt wird es am 25. April in der Muffathalle. Wir hakten bei Ian Hooper unter anderem in puncto München nach.

Sie haben mal in München studiert. Wie kam es dazu?

Ian Hooper: Ja, ich war im Rahmen eines Austauschprogrammes an der LMU in München. Ich habe Politik studiert und den Bachelor gemacht. Der Drang nach Europa kommt von meiner Mutter. Sie stammte aus Dublin und hat übrigens zehn Jahre in München gelebt.

Stimmt es, dass Sie Diplomat werden wollten?

Hooper: Wollte ich tatsächlich. Ich fand es reizvoll, die Verbindungen der Menschen zueinander in der Welt mitzugestalten. Das ist natürlich keine leichte Aufgabe. Es ist aber dann doch nicht dazu gekommen. Trump hätte mich inzwischen mit Sicherheit ohnehin aus dem Verkehr gezogen (lacht).

Ist man als Musiker auch eine Art von Diplomat?

Hooper: Eigentlich schon. Man geht auf die Bühne, singt über Gefühle, über das Leben, alles was man so beobachtet. Und plötzlich wird man zu einer Art Vorbild. Es wird dann wichtig, sich gut zu benehmen, keinen Scheiß zu bauen. Andere Musiker freilich sind eher undiplomatisch, sind geradezu asozial (lacht). Ich versuche, ein Botschafter des Positiven zu sein.

Ihr erstes Album „Howl“ war ein Überraschungserfolg. Der Nachfolger sollte letztes Jahr erscheinen. Warum kommt „Dreamers“ erst jetzt in die Regale?

Hooper: Wir dachten, dass wir es schneller schaffen. Aber ehrlich gesagt, waren wir ewig auf Tour, weil eben „Howl“ so erfolgreich war. Wir waren ganze zwei Jahre auf der Straße. Unterwegs zu komponieren, hat nicht so geklappt. Wir brauchten dazu eine Auszeit. Da sind dann die Lieder einfach so herausgesprudelt.

Einige Fans werden vom Klang überrascht sein. Diesmal ist das Klavier präsenter als die Gitarren.

Hooper: Wir wussten von Anfang an, dass wir einen Sound für die Platte finden müssen. Es hat aber keiner gesagt: Diesmal gibt es mehr Klavier. Das kam von alleine. Als wir „Howl“ aufnahmen, konnte ich nicht einmal Klavier spielen. Inzwischen habe ich sogar eines und fünf geile Verstärker. Das neue Album ist harmonisch größer geraten. Howl war das Album für intime Lagerfeuer, Dreamer ist eher für die Reise.

Gleichzeitig ist es aber auch melancholischer ...

Hooper: Ein wenig vielleicht. Es ist auf jeden Fall nachdenklicher. Der rote Faden ist, dass wir alle älter werden. Da denkt man ganz anders nach. Ein Album ist auch immer eine Momentaufnahme. Man sagt ja immer: Für das erste Album hat man das ganze Leben, für das zweite nicht mehr. Viele Lieder auf Howl stammen aus der Zeit, als ich gerade von Zuhause weg war.

Zwischen den Alben waren Sie auch in ihrer Heimat USA. Hatten Sie Heimweh?

Hooper: Immer ein wenig. Ich bin dort ja schließlich aufgewachsen. Ich war 21, als ich nach Deutschland kam. Aber ich fühle mich inzwischen in Berlin zu Hause, bin hier verwurzelt, habe eine eigene Familie.

Jetzt geht es wieder auf Tour. Haben Sie sich von der letzten inzwischen erholt?

Hooper: Ja, klar. Wir sind eine Liveband und lieben es, auf Tour zu sein. Live ist purer Genuss. Für andere mag es Stress bedeuten, für uns ist es wie eine Klassenfahrt.

Als international besetzte Band kommt ihr ja auch immer in ein Heimatland. Wie wirkt sich das dann aus?

Hooper: In Ialien kommt dann die ganze Familie von Claudio bis zum entferntesten Cousin. England ist natürlich für Craig cool. Da verstehe ich dann manchmal kein Wort. Und wenn wir in den USA unterwegs sind, ist es für mich ein Wechselbad der Gefühle. Da kommen immer alle Freunde.

Und was sagt die Familie, wenn Sie sich jetzt wieder auf die Socken machen?

Hooper: Meine Frau kennt mich nicht anders. Sie weiß, dass ich zum Leben die Musik brauche.

Antonio Seidemann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kammerspiel-Abend für Deniz Yücel
Journalisten, Schauspieler und Kulturschaffende lesen in den Münchner Kammerspielen Texte des inhaftierten Deniz Yücel. 
Kammerspiel-Abend für Deniz Yücel
Chris de Burgh in der Philharmonie: Ein lieber netter Kerl
Schlechte Nachrichten für alle, die glauben, Chris de Burgh könne nur die Schnulze „Lady in Red“, das im Radio rauf und runter genudelt wird.
Chris de Burgh in der Philharmonie: Ein lieber netter Kerl
Comic Con München: Diese „Game of Thrones“-Stars sind dabei
Dieses Jahr findet die Comic Con in München statt. Zum ersten Mal kommt die Comic-Messe damit auch nach Bayern. Welche Stars kommen und wo sie stattfindet, erfahren Sie …
Comic Con München: Diese „Game of Thrones“-Stars sind dabei
Indische Experimente am Volkstheater
Bereits zum zweiten Mal inszeniert der indische Regisseur Sankar Venkateswaran am Münchner Volkstheater. Wir haben den Theatermacher vor der Uraufführung seines …
Indische Experimente am Volkstheater

Kommentare