86 Millionen Dollar für Bacon-Triptychon

New York - Ein dreiteiliges Meisterwerk des britischen Künstlers Francis Bacon hat in New York den Auktionsrekord für Nachkriegskunst gebrochen.

Das Bild "Triptych, 1976" ging beim Kunsthaus Sotheby's für 86,3 Millionen Dollar (55,7 Millionen Euro) an einen anonymen Bieter. Es rückt damit auf Platz sechs der teuersten Gemälde der Welt. Den bisherigen Auktionsrekord für Nachkriegskunst hielt der Amerikaner Mark Rothko mit "White Center (Yellow, Pink and Lavender on Rose)", das im vergangenen Jahr für 72,8 Millionen Dollar versteigert worden war.

Großes Interesse fanden bei der Auktion in Manhattan auch die Werke aus der Krefelder Sammlung Lauffs. Die zunächst 21 Angebote erzielten zusammen einen Umsatz von 96,1 Millionen Dollar - deutlich mehr als erwartet. Sotheby's hatte eigenen Angaben zufolge mit höchstens 65 Millionen Dollar gerechnet.

So verkaufte sich das opulente Gold-Monochrom "MG 9" von Yves Klein für 23,6 Millionen Dollar. Sein berühmtes ultramarinblaues Bild "IKB 1" von 1960 erzielte laut Sotheby's ein Ergebnis von 17,4 Millionen Dollar. Tom Wesselmanns "Great American Nude No. 48" (1963) ging für 10,7 Millionen Dollar an einen anonymen Käufer. Beste Ergebnisse erzielten auch Arbeiten von Carl Andre, Piero Manzoni und Joseph Beuys.

Die Resonanz auf die Lauffs-Sammlung sei besonders erfreulich, erklärte Philipp Herzog von Württemberg, Sotheby's-Geschäftsführer in Deutschland. "Bieter aus aller Welt waren bereit, Höchstpreise für diese Kunstwerke von herausragender Qualität zu zahlen." Am Donnerstag sollte die Auktion fortgesetzt werden. Weitere Stücke werden im Laufe des Jahres in London angeboten.

Die Lauffs-Sammlung mit zahlreichen Arbeiten avantgardistischer Künstler gehört zu den wichtigsten deutschen Privatkollektionen. Jahrzehntelang bildete sie den Kern der modernen Abteilung des Krefelder Museums. Die Besitzerin Helga Lauffs hatte sich kürzlich jedoch entschlossen, einen Teil zum Verkauf anzubieten. Die Kunstwerke seien in dem renovierungsbedürftigen Museum gefährdet, hieß es.

Insgesamt konnte Sotheby's am Mittwochabend 362 Millionen Dollar einnehmen - das höchste Auktionsergebnis in der fast 300-jährigen Geschichte des Hauses. Um das monumentale Bacon-Gemälde, das ursprünglich "nur" auf etwa 70 Millionen Dollar veranschlagt war, lieferten sich zwei Interessenten per Telefon einen spannenden Bieterwettkampf. Das Triptychon, eine dichte Komposition mit Anklängen an die altgriechische Mythologie, gilt als eines der wichtigsten Werke des 1992 gestorbenen Iren.

Einen Rekord gab es auch für den Pop-Art-Künstler Robert Rauschenberg, der am Montag mit 82 Jahren in Florida gestorben war. Sein Bild "Overdrive" von 1963 erzielte 14,6 Millionen Dollar. Unverkauft blieb überraschenderweise die Farbkomposition "Orange, Red, Yellow" (1956) von Mark Rothko, die auf etwa 35 Millionen Dollar geschätzt war. Die Gebote für den sonst extrem hoch gehandelten Maler blieben diesmal unter der geforderten Mindestgrenze. Gleichwohl werteten Kunstexperten die Rekordauktion von Sotheby's wie auch die erfolgreiche Versteigerung beim Erzrivalen Christie's vom Vortag als Signal, dass die Finanzkrise dem aufgeheizten Markt für Nachkriegskunst zumindest bisher nichts anhaben konnte.

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