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2,8 Millionen Pfund für erste Gesamtausgabe von Shakespeares Stücken

- London - Was für eine Wertsteigerung! Als die Erstausgabe der gesammelten Theaterstücke von William Shakespeare 1623 erschien, kostete sie 20 Schilling, also ein englisches Pfund.

Freilich war das - gemessen an der damaligen Kaufkraft - bereits ein stolzer Preis. Doch niemand hat damals wohl geahnt, dass jemand Jahrhunderte später für ein Exemplar der so genannten Folio-Ausgabe der Shakespeare- Stücke bereitwillig 2,8 Millionen Pfund (rund 4 Millionen Euro) auf den Tisch legen würde.

Das Werk, das nun in London unter den Hammer kam, wurde vom Auktionshaus Sotheby's als "das bedeutendste Buch der Englischen Literatur" gepriesen. Eine besonders außergewöhnliche Seltenheit ist es freilich nicht. Jedenfalls nicht im Vergleich zu anderen wertvollen antiquarischen Werken, für die weit weniger gezahlt wurde.

So erwarb die British Library kürzlich für wenig mehr als eine Million Pfund (1,45 Millionen Euro) eine Erstausgabe des Neuen Testaments in der englischen Übersetzung des Gelehrten William Tyndale von 1523. Es war eine der nur zwei von einst 3000 gedruckten Exemplare, die die Wirren der Geschichte überlebt hatten. Die Schergen Heinrich VIII. hatten die meisten Ausgaben dieses "ketzerischen" Buches ebenso dem Scheiterhaufen übergeben wie den Übersetzter Tyndale.

Im Vergleich dazu meinte es das Schicksal mit der "Mr William Shakespeare's Comedies, Histories and Tragedies" recht gut: Von rund 750 Exemplaren, die Shakespeares Kollegen John Heminges und Henry Condell herausgaben, überlebten bis heute immerhin 230. Die meisten, nämlich 147 Stück, sind in US-amerikanischem Besitz. Allein die Folger Library in Washington hat 82. Die Tokioter Meisei-Universität besitzt zwölf und die British Library immerhin noch fünf Exemplare des Sammelbandes, der sieben Jahre nach dem Tod des großen Dramatikers (1564-1616) erschien.

Dass es von der Folio-Ausgabe vergleichsweise viele Exemplare gibt, schmälert ihren Wert für Sammler nach Überzeugung von Experten allerdings in keiner Weise. Der "Markt" sei im Falle Shakespeares einfach erheblich größer als der für andere antiquarische Raritäten. "Shakespeare hatte einen weit größeren Einfluss auf die Entwicklung der Sprache, der Literatur, der künstlerischen Vorstellungskraft und aller darstellenden Künste als jeder andere Autor", sagt der Sotheby's-Experte für Englische Literatur, Peter Selley. "Zudem waren 18 der 36 Stücke in der Folio-Ausgabe zuvor nicht gedruckt worden. Sie wurden nur durch diesen Band für die Nachwelt bewahrt." Dazu gehörten so bedeutende Werke wie "Macbeth", "Heinrich VIII.", "Die Komödie der Irrungen", "Antonius und Cleopatra" und "Der Widerspenstigen Zähmung".

Hinzu kommt, dass die Exemplare der "First Folio" oder "F 1", wie der Sammelband von Experten zur Unterscheidung von einer Folio- Nachauflage im Jahr 1632 genannt wird, keineswegs homogen sind. Selbst wer den unterschiedlichen Erhaltungszustand ignoriert, merkt rasch, dass sich die Bücher keineswegs gleichen wie ein Ei dem anderen. Der Hauptgrund dafür ist die Drucktechnik, die Anfang des 17. Jahrhunderts in England üblich war: Während der Druck lief, wurden die Seiten noch korrigiert. Später wurden korrigierte und fehlerhafte Seiten zusammengeheftet.

So lagen am Ende allein dadurch mehr als 40 verschiedene Varianten der "First Folio" vor. Folio bezeichnet das Druckformat, wobei ein größeres Blatt einmal in der Mitte gefaltet wird, so dass es vier Seiten ergibt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Exemplare der "First Folio" natürlich von den verschiedenen Lesern unterschiedlich behandelt, oft mit Bemerkungen, teils auch Symbolen und Randzeichnungen versehen. Das nun in London versteigerte Exemplar gilt einerseits als eines der am besten und am vollständigsten erhaltenen. Es weist aber auch etliche einzigartige Kritzeleien an den Seitenrändern auf - und natürlich einige charakteristische Leistungen des Druckfehlerteufels.

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