Hubertus Heil wird SPD-Generalsekretär in Berlin

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Mission erfüllt

- Das Leben imitiert die Kunst, so scheint es bisweilen. Ob allerdings Franz Müntefering wirklich an Udo Jürgens gedacht hat beim Vorstoß zur Verschiebung des Renteneintrittsalters, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Mit 66 ist noch lange nicht Schluss, dafür ist Jürgens jedenfalls der lebende Beweis. Auf den Entertainer kann man sich verlassen wie aufs Amen in der Kirche: die Songs, die Stimme, der Bademantel im Zugabenteil - in der Münchner Olympiahalle saß alles noch perfekt.

Auch der Charme des 71-Jährigen ist kaum in die Jahre gekommen. Jürgens weiß, dass mancher der Oma zuliebe da ist. Das ist ihm egal, ganz im Gegenteil: "Auch die, die gar nicht kommen wollten, begrüße ich herzlich - die Mitgeschleppten." Gerade die will er rumkriegen, und dass er es kann, weiß er aus jahrzehntelanger Erfahrung. Noch ein paar warme Worte für München ("Liebesgeschichten, Freundschaften, alles was zum Leben gehört, habe ich hier erlebt."), dann öffnet sich auf die große Geste hin der rote Vorhang und gibt den Blick frei aufs Orchester Pepe Lienhard, versierte Profis im Wattieren großer Gefühle.

Gleich im Titelsong von Tour und neuem Album, "Jetzt oder nie", zeigen sich die Grundzüge seines Schaffens: "Lass' uns die Sonne fangen/ dem Glück in die Bluse langen!" Da sind sie wieder, die kleinen Frechheiten und die großen, wenn auch nicht besonders konkreten Träume. Und da ist natürlich die ewig lockende Weiblichkeit. Bald hat Jürgens alle Hände voll zu tun, Sträuße auf seinem Flügel zu verstauen. Eine Verehrerin wedelt gar mit Stift und Block. "Das machen wir später", wehrt er ab. "Bei der Volksmusik geht das parallel, aber die singen ja auch Playback."

Udo Jürgens ist da wesentlich einfallsreicher. Wer sich nicht vorstellen kann, wie Mozart, Bob Marley und Goethe zusammenpassen sollen, der sollte "Dass ich dich liebe - was geht es dich an?" hören. Natürlich funktioniert nicht alles. In "Fünf Minuten vor zwölf" präsentiert er sich einfältig als Gutmensch mit Hang zum Tralala. Dass er soziale Themen brillanter verpacken kann, weiß man seit dem Trinklied "Griechischer Wein", das er leider nur als Teil eines Medleys aus seinen größten Erfolgen bringt.

Sein bestes Stück allerdings ist eine Wucht: "Ich war noch niemals in New York" glänzt im Mittelteil mit einem von einer Gastsängerin geschmetterten "New York, New York". Am Ende hat Udo Jürgens seine Mission locker erfüllt: Die Mitgeschleppten jubeln schon lange.

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