Mister 99, 9 Prozent

- Die Zeit drängt. Am 31. Dezember 2003 schließt aus Gründen der Renovierung für mindestens drei Jahre das Cuvilliéstheater. Damit verliert das Bayerische Staatsschauspiel eine wichtige Spielstätte. Aus diesem Grunde lud Intendant Dieter Dorn auf die aktuelle Baustelle Marstall, um die Pläne für die kommende Saison an jenem Ort vorzustellen, den er und sein Ensemble so schnell wie möglich wieder bespielen wollen. Dorn: "Wir haben das dringende Bedürfnis, darauf hinzuweisen, dass wir ohne diesen Raum hier nicht das machen können, was wir machen wollen: nämlich die Stücke spielen, die die Basis geben für das, was wir im großen Haus zu zeigen vorhaben."

Außerdem sei es für ein Theater, "das Zeitgenossenschaft sucht", notwendig, alles zusammenzuhalten. Also auch die Werkstätten, die im Marstall angesiedelt sind. "Sie müssen weiterhin ganz in der Nähe des Theaters bleiben", so Dorn, der mit dieser Demonstration hofft, die verschiedenen Begehrlichkeiten im Zusammenhang mit dem Marstall zu bremsen. "Der Marstall ist Teil des Staatsschauspiels, und er soll es - von uns aus gesehen - auch bleiben", verkündet Michael Mihatsch als der theaterzuständige Vertreter des Kunstministers.<BR><BR>Man hat auch allen Grund, dem Bayerischen Staatsschauspiel und seinem Intendanten den roten Teppich auszurollen. Denn es ist sehr lange her, kaum kann sich noch einer daran erinnern, dass Bayerns staatliche Sprechtheaterbühne künstlerisch so erfolgreich war, wie sie es jetzt ist. Auch wirtschaftlich. Die Platzausnutzung kann sich sehen lassen, ebenso die wachsende Zahl der Abonnenten. Die Neueinschreibung für die kommende Spielzeit läuft noch. Der aktuelle Stand: 9 705 Abonnenten, inklusive der günstigen Schüler- und Studenten-Abos. Zum Vergleich: Als Dorn vor zwei Jahren das Staatsschauspiel übernahm, lag die Abo-Zahl bei 5 118.<BR><BR>Dorn: "Dieser Zuwachs ist auch notwendig. Im Residenztheater haben wir 900 Plätze. Da bedarf es größter Anstrengung. Wir könnten bis zu 12 000 Abos vertragen, ohne dass die wichtige Laufkundschaft vor der Tür steht."<BR><BR>Den folgenden Angaben liegt der 30. April 2003 als Stichtag zugrunde. Bis dahin hatten in der laufenden Saison Residenztheater, Cuvilliéstheater und Theater im Haus der Kunst 166 888 Zuschauer zu verzeichnen. Ziel sei es, so Dorn, bis zum 31. Juli 2003 die Zahl von 228 000 Besucher der Spielzeit 2001/02 zu erreichen.<BR><BR>Die Gesamtplatzausnutzung aller drei Spielstätten lag bei rund 86 Prozent. An der Spitze stehen nach wie vor unangefochten die Vorstellungen "Kaufmann von Venedig" und "Crème Bavaroise: Obatzt is" mit 99,9 Prozent. In der Gunst des Publikums ganz oben rangieren außerdem "Der Bauer als Millionär", "Kabale und Liebe", "Amphitryon", "Der Vater" sowie "Herzkasperls Her- und Hinrichtung".<BR><BR>Nun soll versucht werden, mit den Neuinszenierungen der Spielzeit 2003/04 diesen Erfolg weiterzuschreiben. Wobei die Schauspieler-Protagonisten auch in Zukunft wesentlichen Anteil daran haben werden. So etwa Sunnyi Melles und Thomas Holtzmann, die ab 26. Juni in Tschechows "Onkel Wanja" spielen. Oder Lambert Hamel als "Theatermacher", Rudolf Wessely als "Nathan der Weise" und schließlich Cornelia Froboess als "Mutter Courage". Extra hervorzuheben sind zudem ein neues Musikwerk für Schauspieler von Georg Ringsgwandl sowie die Tatsache, dass Dorn Shakespeares schwierig-wunderbare Komödie "Maß für Maß" inszeniert.<BR><BR>Sich zu verabschieden gilt es übrigens von der Wiedergabe des Theaters nach außen, von einer unangefochtenen Ästhetik: von den Fotografien der Oda Sternberg, die mit objektivem Blick und künstlerischer Unbestechlichkeit die Aufführungen mit ihrer Kamera dokumentiert hat. Sie beschloss, ihre mehr als 25-jährige Zusammenarbeit mit Dieter Dorn und seinem Theater im Sommer zu beenden.<BR>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Kontrastprogramm zur Wiesn: Am Donnerstagabend hat Neil Diamond die Olympiahalle mit seiner Coolness beehrt. Eine Kritik.
Mega-Cooler Kultseniorenabend! Neil Diamond in der Oly-Halle
Der Mut-Lacher
Mit „Monsieur Claude und seine Töchter“ gelang Philippe de Chauveron ein Riesenerfolg. Nun setzt de Chauveron einen drauf: In „Hereinspaziert!“ übernimmt Christian …
Der Mut-Lacher
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Sting hat in seinem Musikerleben Songs geschrieben, die heute noch so gut funktionieren wie 1983 oder 1995. Davon macht er in der Olympiahalle Gebrauch - und seine Fans …
Nachtkritik: Sting macht in der Olympiahalle sein Ding
Im Lenbachhaus geht der Punk ab
Das Münchner Lenbachhaus zeigt in der Ausstellung „Normalzustand“ deutsche Undergroundfilme, die zwischen 1979 und den frühen Neunzigerjahren entstanden sind. 
Im Lenbachhaus geht der Punk ab

Kommentare