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Tiefsinniger Spötter und Familienmensch zu Besuch im Münchner Pressehaus: Hans Well. 

Neues Projekt nach der Biermösl Blosn

Hans Well: "Mit Humor – und der nötigen Schärfe"

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München - 35 Jahre lang feierte Hans Well mit seinen Brüdern als Biermösl Blosn Erfolge. Seit der Trennung der Gruppe schreibt er seine bissigen Texte für eine andere Familien-Combo.

Als Wellbappn tritt der 61-Jährige mit seinen Kindern Jonas (18), Tabea (22) und Sarah (23) auf. Demnächst kommt ihre zweite CD auf den Markt. Einen Vorgeschmack gibt’s am kommenden Samstag in Neuperlach. Im Interview spricht Well über die Aufgabe, Kollege der eigenen Kinder zu sein.

Sind die Wellbappn die Fortsetzung der Biermösl Blosn oder etwas ganz anderes?

Ich habe eine bestimmte Art, Texte zu machen. Die ist ähnlich geblieben. So wie ich meine Text-Ideen früher mit meinen Brüdern besprochen und ihre Anregungen eingearbeitet habe, so ist das jetzt auch mit den Kindern. Das Ganze ist ein bisserl jünger geworden. Das schadet nichts. (Lacht.)

Geht es mit den Kindern leichter?

Ja. Jetzt ist es wieder so, wie es lange Zeit bei der Biermösl Blosn war. Nach 25, 30 Jahren hatte sich das aber ein bisserl erschöpft. Es wurde zäher, bis wir uns wieder auf einen neuen Text geeinigt hatten. Die Kinder sind eher bereit, einmal etwas auszuprobieren, weil es für die Wellbappn nicht diesen großen Erfolgsdruck gibt. Wir spielen ja meistens auf kleineren Bühnen, und das ist immer ein guter Weg zur Erneuerung. Man muss der Zeit einen Schritt voraus sein.

Wie kam es zur Vater-Sohn-und-Töchter-Gruppe?

Das ging überhaupt nicht von mir aus. Ich habe ja nach der Auflösung der Biermösl Blosn mit Michi von Mücke und Monika Drasch gespielt. Meine Kinder haben sich einen Auftritt in Bad Heilbrunn angeschaut, und danach haben sie gesagt: „Sog amoi, Papa, warum probierst as eigentlich ned amoi mit uns?“

Wie ging es weiter?

Die Kinder haben die Texte schon eingeübt, ohne dass ich da viel dazu getan hab’. Dann sind wir in Augsburg in einer kleinen Kellerbühne aufgetreten. Da war dann eine saugute Kritik in der Zeitung: Ich glaub’, es hieß „frischer Wind ins alte Segel“. Das alte Segel bin ich. (Lacht.) Wir haben mehr Termine ausgemacht, und ich hab’ gemerkt, dass die Kinder eine sehr starke Bühnenpräsenz haben. Und instrumental lassen sie mich jetzt schon weit, weit hinter sich.

Sarah und Tabea studieren, Jonas steht vor dem Abitur. Wie verträgt sich das mit dem Bühnenleben?

Grundsätzlich haben Studium und Schule den Vortritt. Das war von Anfang an klar. Einer guten Ausbildung will ich mit dem, was wir machen, überhaupt nicht im Weg stehen. Der Jonas wird Mitte April für ein Dreivierteljahr aussteigen, weil dann das Abitur losgeht. Als Ersatz haben wir einen jungen Musiker aus Niederbayern gefunden.

Wer steuert was zum Programm bei?

Ich mach’ die Texte, die Kinder vertonen. Ich kann keinen mehrstimmigen Satz setzen. Aber Sarah, Jonas und Tabea können das gut. Vor allem entwickeln sie auch mit viel Gespür die Instrumentalstücke.

Ihre erste CD war ein Live-Mitschnitt. Die neue auch?

Die erste, das war ein einmaliger Mitschnitt. Das war vogelwild. Da hatten wir gerade mal zwei Monate zusammen gespielt. Der Tontechniker hat manchmal die Instrumente gar nicht eingeschaltet. Das haben wir erst später gemerkt. Wir haben es dann trotzdem gemacht, weil’s recht lustig geworden ist. Die neue CD ist auch wieder ein Live-Mitschnitt, aber wesentlich professioneller gemacht. Wir spielen jetzt zweieinhalb Jahre zusammen und sind als Gruppe viel besser eingespielt. Außerdem haben wir eine ganze Woche lang neue Texte gscheit einstudiert. Das war ein Novum, weil wir das bisher eher auf der Bühne vor Publikum gemacht haben. (Lacht.)

Um welche Themen geht es?

Wir versuchen, auch aktuelle Themen wie die Verfassungsschutz-Kalamitäten in überhöhter, satirischer Form aufzugreifen. Oder die Auseinandersetzungen, die es fast überall um Windkraft gibt. Da spielt auf einmal der Rotmilan eine große Rolle für Leute, die lange gar nicht gewusst haben, dass es den gibt. (Lacht.) Es soll nie bierernst sein. Wir wollen gesellschaftliche Zustände humorvoll auf die Bühne bringen – und mit der nötigen Schärfe.

Politische Themen haben kurze Halbwertszeiten. Lohnt es sich noch, einen Text zu schreiben?

Ja, schon. Das Thema Maut wird die Gesellschaft mit Sicherheit noch länger beschäftigen. Dazu haben wir auch was auf der CD. Das hab’ ich gerochen, als es losging.

Gibt es Diskussionen mit Ihren Kindern um die Inhalte?

Wir haben ein Lied drauf, wo es um Politiker geht, die in lukrative Jobs in der Wirtschaft wechseln. Die Letzte war Katherina Reiche, die beschlossen hat, reich zu werden, damit sich ihr Name erfüllt. Oder Roland Koch, Schröder, Joschka Fischer, Fahrenschon – quer durch alle Fraktionen greift man ungeniert zu. Da hat Sarah angeregt, doch mal ein Lied zu machen. Und dann kommen immer wieder Verbesserungsvorschläge. Die Kinder haben für Sprache ein sehr feines Gespür. Speziell die Tabea: Sie benutzt ungern derbe Ausdrücke. Manchmal gehören die allerdings zum Milieu, über das man singt.

Wann erscheint die CD?

Spätestens in drei Monaten. Vorher müssen wir uns noch auf einen Titel einigen.

Spüren Sie wachsende Konkurrenz?

Nein. Es gibt schon ein sehr starkes Spektrum in der neuen Volksmusik. Unglaublich gute Musiker. Aber ich glaube, nur wenige dieser Gruppen setzen sich auch mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander.

Gibt es ein Thema, an das Sie sich bisher noch nicht gewagt haben?

Ums Wagen geht es nicht. Es ist eher die Frage, ob man eine Möglichkeit findet, etwas umzusetzen. Zum Thema Missbrauch zum Beispiel habe ich noch keinen Schlüssel gefunden. Es hat eine Tragik, und ich habe einfach keine Idee, wie ich dem Thema so gerecht werden kann, dass trotzdem noch was Tragikomisches rauskommt.

Auf welche Dauer ist das Projekt Wellbappn angelegt?

Ganz ehrlich: Ich hab’ keine Ahnung. Das hängt ja immer auch damit zusammen, wie fit man selber bleibt. Ich orientiere mich da zuerst einmal an Dieter Hildebrandt und nicht am Jopi Heesters. Der Dieter hat uns von Anfang an begleitet und uns sehr geholfen. Und er war bis zum Schluss, mit 86, auf der Bühne wahnsinnig gut. Wenn ich nur einen Bruchteil davon habe, bleib’ ich gern noch eine Zeit lang. Bei den Kindern ist es keine Frage: Die wollen das weitermachen. Und sie haben die Möglichkeit, daneben weiter zu studieren.

Wenn Sie gegen gesellschaftliche und politische Missstände ansingen: Treibt Sie Trotz oder die Hoffnung, etwas zu ändern?

Ich glaube beides. Ich bin nicht anmaßend genug zu glauben, dass das, was wir lange Jahre als Biermösl Blosn gemacht haben, was verändert hat. Wir sind nur ein ganz kleines Rad im Getriebe. Jeder muss selber entscheiden, ob er sich selbst treu bleibt, oder ob er sich einem Massenpublikum andient. Den Wellbappn ist es wurscht, ob das, was wir machen, Leute abschreckt oder nicht. Man macht das, wozu man stehen kann und was Spaß macht. Und so halten wir es auch weiterhin.

Das Gespräch führte Peter T. Schmidt. 

Die Wellbappn treten am Samstag, 21. März, um 19.30 Uhr im Schulzentrum Perlach-Nord, Quiddestraße 4, auf; Karten unter Telefon 089/ 688 20 35.

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