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Den Gleichgewichtssinn verwirrt die Op-Art von Peter Kogler, der die Räume gestaltet hat. Im Zentrum der Ausstellung „Zero Gravity“ steht eine Nachbildung des Raumanzugs, den Neil Armstrong bei der Mondlandung trug.

50 Jahre Mondlandung

In Schwabing geht‘s zum Mond

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Die Mondlandung von Apollo 11 jährt sich zum 50. Mal. Mit der Ausstellung „Zero Gravity“ lädt die Münchner Eres-Stiftung jetzt zu einer Weltall-Odyssee. 

Es sind nur kleine Schritte für einen Menschen, die an der Römerstraße in München-Schwabing die Stufen hinab zur Eres-Stiftung führen. Doch für die Besucher von „Zero Gravity“ ist es ein großer Sprung – ins Weltall. Am Samstag, wenn sich der Tag der ersten Mondlandung zum 50. Mal jährt, eröffnet hier eine Ausstellung, die Kunst, Wissenschaft, Kitsch und Popkultur unverkrampft vereint – und tatsächlich auch ein (körperliches) Erlebnis für alle ist, die die Räume betreten.

Denn der Medienkünstler Peter Kogler hat für die Schau eine Rauminstallation entworfen, der sich keiner entziehen kann: Gravitationslinien verlaufen eng geführt auf den verspiegelten Wänden und Böden. Wer leicht zu Schwindel neigt, sollte vorsichtig sein – denn Koglers Op-Art kitzelt und verwirrt den Gleichgewichtssinn, die Mauern scheinen Wellen zu schlagen und sich zu bewegen. So vermittelt sich dem Betrachter zumindest eine Ahnung davon, wie man sich in den schwerelosen Weiten des Alls fühlen muss.

Musik der Zeit – von Hendrix bis Ligeti.

Um diesen Effekt nicht zu stören, haben die Ausstellungsmacher auf die Beschriftung der Kunstwerke und technischen Objekte (Leihgaben des Technik Museums Speyer) verzichtet. Am Eingang gibt es jedoch für jeden Besucher kostenlos übersichtliche Infoblätter, die die Zuordnung der Exponate erleichtern.

Die Eres-Stiftung macht sich seit ihrer Gründung für den Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft stark – „Zero Gravity“ setzt diesen Anspruch nun eindrucksvoll um. So ist etwa Koglers Raumgestaltung nicht nur eine herrliche Spielerei und herausfordernde Selbsterfahrung. Der Medienkünstler steht damit in der Tradition der Op-Art, einer Stilrichtung, die sich in den Sechzigerjahren herausbildete. Das belegt ebenso wie die mehr als 30 künstlerischen Positionen jene Dynamik, die durch die Mondlandung vor 50 Jahren ausgelöst wurde. Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Dan Flavin und Sigmar Polke – ihre Arbeiten reflektieren mal mehr, mal weniger das Abenteuer Weltall. Doch nicht nur das: Der Erfolg von Apollo 11 spiegelte sich Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre in Film, Fernsehen, Musik, Medien, Design, Architektur und Kommerz – es war ein gesellschaftliches Phänomen.

Völlig losgelöst schwebt die Ausstellung zwischen Kunst und Wissenschaft.

In einem Raum ist diese enorme Resonanz besonders eindrucksvoll inszeniert: Dominiert wird er von Thomas Bayrles Installation „Großer Mantel“ (1968) im zeittypischen Design. Wer die Arbeit umrundet, sieht Szenen aus Roger Vadims längst Kult gewordenem Science-Fiction-Film „Barbarella“ (1968) mit Jane Fonda als sexy Weltraumfahrerin. Die Zeitschrift „Harper’s Bazaar“ vom April 1965 gibt einen Einblick, wie Fotograf Richard Avedon die Mode damals in Szene setzte, während auf einem Doney Fernseher des italienischen Herstellers Brionvega aus dem Jahr 1962 Folgen der TV-Serie „UFO – Weltraumkommando S.H.A.D.O.“ laufen.

Die Schallplatten auf dem Wandregal 606, das 1960 entworfen wurde, dokumentieren derweil, dass auch Musiker und Komponisten wie John Cage und György Ligeti der Faszination unendlicher Weiten erlegen sind. Wer mag, kann seine Reise also fortsetzen – und mit Jimi Hendrix auf einen psychedelischen Trip gehen, mit Sun Ra zu „Other Worlds“ (1965) abheben oder mit David Bowie die „Space Oddity“ erkunden: Die Aufsicht legt die LPs gerne auf, natürlich auf einer Braun Audio 310 Stereoanlage von 1972.

Informationen zur Ausstellung:

Von 20. Juli bis 30. November 2019 (Sommerpause von 11. August bis zum 2. September), Di., Mi., Sa. 11-17 Uhr, Römerstraße 15; Eintritt frei. 

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