Laut NDR: Messer-Attacke in Linienbus - Mehrere Verletzte in Lübeck

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Mitreißende Duelle

- Das Unglück nimmt seinen Lauf in dem Moment, als Gitarrist Lionel Loueke seinem Instrument zarte Flageolett-Töne entlockt. In genau dem Abstand, den es braucht, wenn ein englischer Fußballspieler einen Elfmeter versemmelt, dröhnen vom Olympia-Fanfest die Schreie einer jäh bestürzten Masse herüber in das Tollwood-Zelt und vermischen sich mit der Musik von Herbie Hancock und seiner Band. Das hat was. Während England das WM-Viertelfinale verliert, gewinnt das Konzert eine Facette hinzu. "Fusion" nennt man das im Jazz.

Zunächst einmal hält sich der 66-jährige Pianist zurück und lässt seinen vier Begleitern viel Raum für Eigenkompositionen. So fühlt man sich bei Loueke in einen Dschungel versetzt. Der Mann aus Benin trommelt auf der Gitarre und produziert dabei gutturale Schmatzgeräusche wie ein Raubtier beim Speisen. Violinistin Lili Haydn wiederum singt ein fast poppiges Lied für ihre verstorbene Mutter, dessen Stimmungslage von gruselig bis traurig reicht, bevor die Band explodiert und Haydns an ein Wah-Wah-Pedal angeschlossene Geige weint.

Über allem thront Hancock, verbaut von einem Flügel und diversen Keyboards. Ab und zu steigt er herab und macht launige Ansagen. Dann wieder hören wir diesen typischen Hancock-Funk, mit dem er in den 70ern so erfolgreich wurde: bei "Actual Proof" etwa, es gibt wieder diesen synkopierten Groove von Drummer Richie Barshay und Bassist Matt Garrison, an dessen Rhythmus Hancocks harte Akkorde sich abarbeiten. Manches gerät während der gut zehnminütigen Improvisationen ein wenig zu esoterisch, manche Keyboard-Fanfare zu sämig, dies sind jedoch nur kurze Hänger im Spannungsbogen. Spätestens als mit "Chameleon" ein Hit-Medley beginnt, während sich Hancock und Haydn mitreißende Duelle liefern, hält es viele nicht mehr auf der Bestuhlung. Sie rennen zur Bühne, tanzen, und das Glück nimmt seinen Lauf.

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