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Schauspieler, Kabarettist und Regisseur: Jörg Hube wird im Lustspielhaus ausgezeichnet.

Bayerischer Kabarettpreis: Jörg Hube im Interview

Wenn heute im Münchner Lustspielhaus der Bayerische Kabarettpreis in vier Kategorien vergeben wird, erhält Jörg Hube (65) den Ehrenpreis für sein Lebenswerk.

Seit 1971 steht der Münchner Schauspieler, der am Bayerischen Staatsschauspiel und in vielen Filmen zu erleben ist, auch auf der Kabarettbühne, aktuell mit „Sugardaddy“, früher als legendärer „Herzkasperl“ in verschiedenen Programmen. Zu sehen ist die Verleihung am 15. Mai um 22.30 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

Die Figur des „Herzkasperl“ dominiert Ihr kabarettistisches Werk. Wie wurde sie vor mehr als 30 Jahren geboren?

Wir saßen damals in Berchtesgaden mit Volksmusikern zusammen, und es fiel als Name für die Kabarettfigur eben „Herzkasperl“, der ja österreichischer Provenienz ist. Das gefiel mir, weil Herz, auch Herzblut und Kasperl darin enthalten sind. Die ganze Kollaboration des Herzens ist gemeint, von der Insuffizienz bis zum Infarkt, außerdem ist das so ein plastischer, süddeutscher Titel.

Kabarett ist ja nur ein Teil Ihres Schaffens. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Genau das, was er beinhaltet: Die Ehre, als bayerischer Kabarettist wahrgenommen zu werden. Verglichen mit meinen Vorgängern bin ich nicht der typische Preisträger, weil ich keine überregionale Bedeutung habe. Das war strategisch nicht angestrebt, sondern ergab sich wegen meiner anderen Tätigkeiten so. Sporadisch habe ich auch weiter ausgegriffen, nach Berlin oder Mainz.

In Ihrer Vita steht „Schauspieler, Kabarettist, Regisseur“ – stimmt die Reihenfolge?

Ja, denn Schauspieler ist meine Profession, das habe ich gelernt. Kabarett kam später dazu und war eine Befreiung aus der selbst verschuldeten Unmündigkeit des Schauspielers. Es bedeutete, eine eigene Sprache zu finden, den Mut zu denken und das, was man denkt, zu versinnbildlichen. Das war eine Notwendigkeit, aber eine innere, denn ich habe mich ja nicht an politischen Positionen aufgerieben. Es war eine individuelle Emanzipation.

Wäre für Sie der Schauspieler ohne den Kabarettisten – oder umgekehrt – denkbar gewesen?

Ohne das Kabarett wäre ich wohl irgendwann explodiert – oder implodiert. Denn Schauspielen ist eine mühevolle, disziplinierte und disziplinierende Arbeit. Am Theater ist genau geregelt, wer das Sagen hat. Man kann sich als Schauspieler kaum wirklich einbringen, das ist komplett auf die Regie übergegangen – fast eine Perversion. Man sollte den Schauspielern das Komödiantische, auch ein bisschen das Anarchische zurückgeben und nicht nur die bis zur Abstraktion ausgeleuchtete Pseudo-Intellektualität pflegen.

Durften Sie sich Dieter Hanitzsch als Laudator wünschen?

Ich wurde gefragt, wen ich mir vorstellen kann, nachdem erfreulicherweise schon verschiedene Leute mir diese Ehre erwiesen haben. Mit Hanitzsch habe ich wöchentlich in dem BR-Comic „Der große Max“ zu tun, und wir kennen uns schon sehr lange.

Wie geht’s weiter mit dem Kabarett? Wird eines Tages der „Herzkasperl“ wiederbelebt?

Momentan plane ich das nicht. Zurzeit tingeln ich und Beatrix Doderer noch mit „Sugardaddy“ durch die Lande. Aus dem heraus könnte etwas Neues entstehen. Das ist ja der Witz: Ich habe nicht mehr als sechs Kabarettprogramme gemacht, aber lange, oft und in großen Abständen gespielt.

Das Gespräch führte Christine Diller

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