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Lochstühle im demokratischen Design: "Die schöne Form ist für alle da. Und nicht nur fürs Museum!" Diese Äußerung eines IKEA-Chefdesigners von 1979 steht programmatisch für die Designpolitik des Möbelhauses.

Democratic Design Ikea

Billy auch dabei: Ikea-Möbel in der Pinakothek

Aus dem Möbelhaus ins Museum: Ikea-Möbel sind das Thema der Ausstellung Democratic Design-Ikea in der Münchner Pinakothek der Moderne.

261 eigene Einrichtungshäuser in 24 Ländern, 128 000 Mitarbeiter, 583 Millionen Besucher und zuletzt ein Jahresumsatz von 21,2 Milliarden Euro: Das ist Ikea. Innerhalb von gut 60 Jahren hat sich der Ein-Mann-Betrieb des 17-jährigen Ingvar Kamprad zum größten Einrichtungskonzern der Welt gemausert. Und jetzt ist Ikea auch im Museum.

Die Neue Sammlung stellt das Massendesign in München aus.

Dabei wurde in Eching 1974 das erste deutsche Möbelhaus eröffnet, ein zweites steht ebenfalls vor den Toren der Stadt. Muss der schwedische Konzern nun wirklich noch in die Pinakothek der Moderne, oder haben sich die Macher vor einen kommerziellen Karren spannen lassen?

Die Ausstellung „Democratic Design", gemäß dem Titel einer Ikea-Serie, räumt nicht alle Zweifel aus dem Weg. Aber sie schafft Einblicke: Wie stilistischer Anspruch, billige Produktion und später ökologische Ideen verwirklicht wurden. Mittlerweile sind 98 Prozent der über 9500 Produkte eigens entworfen worden, zwölf Designer und 50 Externe im Hause Ikea.

Die Idee des individuellen Stils für den schmalen Geldbeutel beruht auf der Protesthaltung der Jugend in den 60er Jahren und wurde einst mit „Das unmögliche Möbelhaus" beworben. Heute ist sie weltweites Volksgut. Die Reformbewegungen vor hundert Jahren, die Kunst und Handwerk zusammenbringen wollten, bilden die philosophische Basis. In München ist die Einbindung in die Designhistorie sehenswert. Noch spannender aber ist die Ideenentwicklung: Neben dem klassisch schlichten, organisch orientierten skandinavischen Funktionalismus kennzeichnen vor allem die revolutionären Herstellungsideen die Möbel. Aus einem Spind wird eine Kommode, aus Einkaufswagen werden Drahtbetten und –regale, aus Putzeimern wird ein Gartenstuhl.

Seit 1956, als der nierenförmige Lövet-Tisch in Produktion ging, setzte man zugleich auf eine kostengünstige, Transport erleichternde Selbstmontage. Der Gedanke der Serienherstellung und der Anbausysteme war nicht neu, aber er wurde von Ikea perfektioniert. So nahm man beispielsweise 1978 mit dem Billy-Regal einen Gedanken auf, den Bruno Paul schon um 1900 umgesetzt hat. Bugholzstühle in Anlehnung an Thonet wurden ebenso zu Dauerbrennern wie Freischwinger und eine ganz eigene Kinderwelt, die sich an Märchen orientiert. Dass aber nicht nur Tradition eine Inspiration sein kann, beweist Ikea seit 1995 mit der echten Design-Linie PS. Diese sehenswerten Experimente unterliegen auch den ökologischen Richtlinien des Konzerns, der seit 1990 mit diversen Umweltorganisationen zusammenarbeitet. Sie verraten mit ihrer Exklusivität die demokratische Grundidee der Schweden nur ein bisschen. 

Die Schau ist bis 12. Juli in der Pinakothek der Moderne zu sehen.

(Freia Oliv)

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