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Kunst aus dem 20. und 21. Jahrhundert erwartet die Besucher im Museum Brandhorst

Museum Brandhorst

Alles, was man nicht sieht

München - Erster Blick ins Museum Brandhorst: Andreas Burmester über die Geheimnisse der Technik

Kleine Schlitze im Holzboden vor den Wänden, an einer der weiß gestrichenen Mauern kleine „Dinger“, die fast wie Haken ausschauen – hat man vergessen, dort Bilder aufzuhängen? –, und in der Mitte an der Decke die bekannte dunkle Glaskugel: Das ist alles, was der Besucher des Museums Brandhorst von den eigentlich 25 technischen Funktionen zu sehen bekommen wird. Jene Gitter ermöglichen eine Quelllüftung. Die „Dinger“ sind Temperatur- und Lichtfühler. Und unter der Glaskuppel bewacht das Kameraauge die Kunstfreunde, damit sie mit den Werken nicht zu „intim“ werden.

Das Museum Brandhorst in Bildern

Letzte Aufbauarbeiten beim Museum Brandhorst

Quelllüftung gegen Luftwalze

 Am 18. Mai wird das Haus an der Münchner Türkenstraße offiziell mit einem Staatsakt eingeweiht. Jetzt aber, mitten im Aufbau, in der Phase des Feinschliffs, des letzten Austarierens der Technik bekommen wir für unsere Leser einen Einblick in jene verborgenen Zonen eines Museums. Und zwar von dem, der am intensivsten die technische Ausstattung des Gebäudes geprägt hat: Andreas Burmester. Obendrein hat er ein innovatives Konzept für die Brandhorst-Sammlung entwickelt.

Infos

21. bis 24. Mai, 10 bis 22 Uhr, bei freiem Eintritt geöffnet; dann: 10-18 Uhr täglich außer montags, donnerstags 10-20 Uhr, Eintritt 7 Euro.  

Als Direktor des weltweit renommierten Doerner Instituts (den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen angegliedert) kämpft er naturgemäß leidenschaftlich für den Schutz der Kunstwerke. Diese Institution, benannt nach dem Maler Max Doerner, will nicht nur Pigmente erforschen, chemische Prozesse auf Bildern analysieren, restaurieren und Fälschungen aufdecken, sondern auch „präventiv konservieren“. Da muss man sich dann einfach um den Museums-Bau kümmern, und Burmester bringt Erfahrung aus 21 anderen Museen mit.

Besucher als gute Ventilatoren

Auch beim Wachsen der Pinakothek der Moderne (PDM), die neben dem Museum Brandhorst liegt, war er dabei. Dort gibt es bereits die Quelllüftung. Ganz, ganz sanft steigt „konditionierte Luft“ auf (auf die richtige Feuchtigkeit und Temperatur gebracht – 50 Prozent Feuchte, 20 Grad Celsius). „Es gibt keine Luftwalze wie bei einer Lüftung von oben“, so Burmester. Gerade sie würde die Oberfläche der Bilder, und er zeigt auf ein Gemälde mit Kunstharz-Schicht von Sigmar Polke, elektrostatisch aufladen. „Die Staubteilchen setzen sich dann darauf. Bei Ihnen zuhause ist ja auch über der Heizung die Verschmutzung am stärksten.“

Im Übrigen seien die Besucher Teil des Konzepts. „Wir ,verwenden‘ sie statt Ventilatoren“, schmunzelt der Wissenschaftler, „denn über jedem Menschen entsteht eine ,thermische Säule‘ – die Luft steigt nach oben.“ Das A und O der Klimatisierung von Museumssälen sind, Temperatur und Feuchtigkeit konstant zu halten. „Wenn zu viele Wassermoleküle in das Objekt reingehen, dehnt es sich aus, wenn zu viele rausgehen, schrumpft es.“ Das gelte es zu verhindern.

Völlig neu sei es nun, so Burmester, dass man beim Museum Brandhorst diese Funktionen aufgeteilt habe. Die Quelllüftung sei das eine, die Bauteilaktivierung das andere. „Mit ihr, also mit Wänden und Böden, wird die Temperatur reguliert. Die Wandtemperatur fällt nie unter 20 Grad Celsius.“ Nach außen hin hat das Gebäude der Architekten Matthias Sauerbruch und Louisa Hutton dicke Betonmauern. Dann folgen eine Zone mit wasserführenden Schläuchen und zum Innenraum hin eine Ziegelmauer. Und wenn eine Leitung bricht, fragt man besorgt? „Das Konzept ist ein Tabubruch“, bestätigt Andreas Burmester bereitwillig. „Aber wir haben viele kleine Kreisläufe und Aquastopp, wie Sie ihn von Ihrer Waschmaschine kennen.

Aber klar, wenn einer mit einem zu langen Bohrer durch die Ziegel stößt, haben wir ein Problem.“ Dann kommt der Doerner-Chef auf den „für mich wichtigsten Punkt“ zu sprechen: die Folgekosten. „Bei der Pinakothek der Moderne sind die enorm hoch. In die Neue Pinakothek hat man sogar zwei gigantische Klimaanlagen gebaut. Beim Tschernobyl-GAU wurde einfach von der einen auf die andere umgeschaltet.“ Heutzutage sind aber Sparsamkeit und Nachhaltigkeit angesagt. Deswegen hat sich der Spezialist mit den Architekten und Technikern etwas Besonderes ausgedacht: Wärmerückgewinnung aus dem Rückwasser der PDM heißt der Trick, der die Nachbarschaft klug nutzt.

Das Grundwasser wird geschont

Durch Wärmetausch wie beim Kühlschrank bekommt man aus deren Kühlwasser die Energie, um das Museum Brandhorst zu heizen. „Dadurch brauchen wir weniger elektrische Energie (26 Prozent), natürlich können wir uns nicht ganz davon abkoppeln. Und es ergibt sich eine Einsparung von 50 Prozent der thermischen Energie“, freut sich Burmester, der mahnt: „Das Grundwasser sollte 13 Grad haben, letzten September hatten wir in der Maxvorstadt aber 23 Grad Celsius!“ So ist der Wärmetausch, der das Abwasser kühlt, aktiver Umweltschutz. Zu ihm gehört außerdem, dass man Lärm vermeidet.

Daher besteht die Fassade aus Keramikstäben (36 185 Stück) auf geknicktem, gelochtem Blech und nicht, wie geplant, aus Glasplatten. War denn Andreas Burmester von Anfang an bei der Entstehung des Museums miteinbezogen? „Leider noch nicht bei der Ausschreibung des Wettbewerbs. Dann aber seit Beginn.“ Begeistert spricht er von den Architekten, mit denen sich wunderbar zusammenarbeiten ließe. „Sie denken ökologisch und sind neugierig auf alles Innovative – immerhin hatten sie vorher noch nie ein Museum gebaut.“ Da das Büro Sauerbruch Hutton das Gebäude auf einen schmalen Grundstückstreifen quetschen musste, stieß es nicht nur dreigeschossig in die Tiefe und weitete den Bau dort aus, sondern legte die gesamte Technik als „Spange“ über zwei Stockwerke am ganzen Bau entlang (97 Meter).

Dass Burmester über die Feinheiten der Sicherheitstechnik nicht Auskunft gibt, ist schon klar. Dafür erzählt er umso zufriedener vom ausgeklügelten Lichteinsatz. „Wir wollten Tageslicht – so viel wie möglich. Aber Tageslicht ist eben ,lebendig‘ und daher regelungstechnisch sehr schwierig.“ Das Licht wird vom Dach – bei den Fensterbändern durch eine Art Spiegel-Umleitung – eingelassen – allerdings durch Membranen, die diffuse, nie knallende Strahlen erzeugen. Ein zentraler Großrechner und ein Computer pro Raum tarieren die Helligkeit aus. Werden 250 Lux überschritten, wird abgedunkelt (Lamellen). Wird es zu finster, schaltet sich Kunstlicht zu.

Beste Qualität für den Besucher, Praxisnähe und vernünftiger Umgang mit Resourcen: Sie verschaffen Andreas Burmester Genugtuung. Dennoch gibt er zu, Lampenfieber vor den Startwochen zu haben: „Hoffentlich überstehen wir die gut.“

Simone Dattenberger

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