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Selbstbild Lovis Corinths.

Buchheim Museum

Treffen der Einzelgänger

Bernried - Das Buchheim Museum wagt die Gegenüberstellung von Lovis Corinth und Max Beckmann.

Viele expressive Künstler faszinierten den Sammler Lothar-Günther Buchheim. Aber vielleicht fühlte er sich, der sich ja selbst gern als Kraftkerl inszenierte, Lovis Corinth und Max Beckmann am nächsten. Beide zeigten, zeichneten und malten sich ausdrücklich als vitale Machos, formulierten als Künstler zugleich – gnadenlos sich selbst gegenüber – die Verletzlichkeit und Hinfälligkeit des Menschseins.

Buchheim Museum

10. Mai bis 13. September

Tel. 08158/99 700

Eintritt: 8,50 Euro.

Denen war auch Buchheim ausgesetzt. Dass es eine Gegenüberstellung „Max Beckmann – Lovis Corinth“ aus seinen Schätzen geben würde, hat er sich gewünscht, allerdings nicht mehr erlebt. Die Sonderausstellung im Bernrieder Buchheim Museum führt die beiden Außenseiter der deutschen Malerei in eine Art Wohnung mit verschiedenen Zimmern zusammen. So können sich Corinth (1858-1925) und Max Beckmann (1884-1950) treffen, dennoch stören sie sich nicht.

Erstaunlicherweise hat Buchheim (1918-2007) auch frühe Beckmann-Landschaften erworben, obwohl sie ganz und gar un-expressionistisch sind. In abgetönten Farben setzte er das Meer impressionistisch auf die Leinwand: Diese Überraschung ist der erste Eindruck in der Schau, die dann natürlich ergänzend ein schwarz durchfurchtes Meer zeigt – eines, das typisch Beckmann ist. Nicht überraschend ist, in welchem Gleichklang die beiden Künstler in der Grafik schwingen. Nicht dass Strichführung oder Bildmotive ähnlich wären, aber die Freude an der Druckkunst, das Sich-hineingraben in die Metallplatte bei der Kaltnadelradierung, das Ausprobieren von Szenen, die man malen wird, die Liebe zur Linie, die alles knapp ausdrücken kann.

In seinen Bildern explodiert die Welt

Die Blätter, die Buchheim zusammengetragen hat, „erzählen“ eindrucksvoll davon. Da witzelt Corinth genüsslich über die Antike, wie auch in seinen Gemälden. Die Grafik ist in ihrer pointierten Art weniger geschwätzig. Der Witz trifft sicherer: Da ist der kleine Zeus halt ein brüllender Fratz, der sich nicht beruhigen lässt, weder durch Tschinellen-Klang noch durch gutes Zureden. Götter sind eben auch nur ordinäre Menschen. Richtig malerisch ist hingegen Corinths Grafik, wenn sie die Natur am Walchensee erforscht. Und privat funktioniert sie „Bei den Corinthern“: Kinder, Katzerl und Charlotte, die Ehefrau. Die Beckmann-Grafik, die Buchheim interessierte, ist indes geboren aus den Schrecken des Ersten Weltkriegs. Der Maler, der sich freiwillig an die Front meldete, wurde fast zerschmettert von den Erlebnissen.

In seinen Bildern explodiert die Welt, zerfetzt ist die Form. Corinth schildert die Hinfälligkeit allen Seins mal fast dokumentarisch gelassen in seiner „Schlachthaus“-Serie, mal mit tiefem Mitleid in der Qual Jesu. Beckmann aber lebt in einem unfassbaren Albtraum, fantasmagorische Angstbilder flackern auf bis hin zu extrem gewalttätigen Szenen. Der Mensch ist verstört, vereinsamt, apathisch; selbst die Kinder spielen wüst Krieg – nur ein kleines Mädchen blickt auf den Betrachter. Erster Weltkrieg, Nazi-Zeit, Zweiter Weltkrieg: Max Beckmann musste „Die Hölle“, wie er eine seiner Grafik-Mappen nannte, immer wieder künstlerisch bannen. Und noch etwas verbindet die zwei Männer: ihre vielen Selbstporträts – zwischen Selbsttest und Egomanie.

Von Simone Dattenberger

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