+
Weiß wie die Unschuld: Löwe King Tonga mit seinem Dompteur Martin Lacey.

Circus Krone: Starke Artisten und ein schlapper Löwe

München - Tanzende Elefanten, blödelnde Clowns und atemberaubende Akrobaten – 34 Artisten aus zehn Nationen haben in der Manege das zweite Winterprogramm des Circus Krone eröffnet.

Jeder Muskel ist angespannt, sein Körper bebt. Im Handstand balanciert Zhang Fan auf einer glitzernden Leiter, die nicht etwa auf festem Boden steht, sondern auf einem zwölf Millimeter dicken Schlappseil. Es ist das erste Mal, dass der 20-jährige Akrobat aus China sein Können in einer Münchner Manege zeigt – und das Publikum begeistert, das am Dienstagabend zur Premiere des zweiten Winterprogramms in den Zirkus gekommen ist. Trapez-Künstlerinnen aus der Mongolei, ein englischer Löwen-Dompteur und französische Clowns unterhalten das Publikum während der rund zweistündigen Vorstellung.

Manchmal kann dabei auch etwas schief gehen: So muss die Akrobatik-Nummer auf der schwebenden Weltraumrakete ausfallen, weil der Motor des Gefährts nicht anspringt. Enttäuschend ist auch der Auftritt von King Tonga, dem weißen Löwen: Während seine caramel-farbenen Artgenossen prankenschlagend auf den Hinterbeinen sitzen und elegante Luftsprünge machen, scheint sich King Tonga damit zu begnügen, weiß zu sein.

Erstmals in München: Der chinesische Akrobat Zhang Fan auf dem Schlappseil.

Gerade einmal zwei Minuten ist er zu sehen – so ruhig auf einer Diskokugel sitzend, dass einige Zuschauer den Eindruck gewinnen, die Raubkatze sei mit Betäubungsmitteln ruhig gestellt worden. Und der Imagefilm über King Tongas Dompteur Martin Lacey, den das Publikum auf Leinwänden zu sehen bekommt, passt nicht so recht in die nostalgische Zirkuswelt. Dass Lacey der einzige Dompteur der Welt ist, der auf dem Internationalen Zirkus-Festival von Monte Carlo sowohl mit dem Silbernen, als auch mit dem Goldenen Clown ausgezeichnet wurde, ist zwar bemerkenswert. Doch der Werbefilm auf Leinwand wirkt etwas absurd, wenn der Raubkatzenbändiger leibhaftig in der Manege steht.

Dafür entschädigt Colonel Joe das Publikum mit einem Tänzchen. Der sieben Tonnen schwere Elefant stellt sich auf die Hinterbeine und dreht sich leichtfüßig im Kreis. Zuweilen torkelt er wie ein betrunkener Matrose, aber das gehört zur Darbietung des beeindruckenden Dickhäuters. Ebenso wie die Missgeschicke der Clowns, die vor allem die Knirpse unter den Zuschauern zum Lachen bringen.

von Bettina Stuhlweissenburg

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Der Umgang mit der Neuen Rechten hat die Frankfurter Messe von Beginn an beschäftigt. Beim Besuch des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke kommt es am Samstag zu Konfrontationen …
Auseinandersetzungen mit Rechten auf der Buchmesse
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
LaBrassBanda ist alles andere als eine gewöhnliche Band. Da passt auch das neueste Konzert der Gruppe ins Bild: Auf 1300 Metern Höhe spielen die Musiker vor ihren Fans …
Wanderkonzert: LaBrassBanda mit Fans auf der Hütte
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück
Mit der Eröffnungsgala „Es ist soweit!“ feiert das Münchner Gärtnerplatztheater an diesem Wochenende seine Rückkehr ins renovierte Stammhaus. Lesen Sie hier die …
Wiedereröffnung am Gärtnerplatz: Die schrecklich nette Familie ist zurück
Münchens Gärtnerplatztheater: Ein unfassbares Haus
Zwischen Baustellen, „Joi mamam“ und Oper im L-Format: Blick auf die Geschichte des Münchner Gärtnerplatztheaters, in dem nach fünf Jahren wieder gespielt werden kann
Münchens Gärtnerplatztheater: Ein unfassbares Haus

Kommentare