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Begeisterung oder Geschäftssinn? Ein Verkaufsstand mit "Papst-Bier" in Marktl am Inn.

Kinostart: „Der ehrlichste Film über Marktl“

Morgen startet Mickel Rentschs Dokumentation „Wir sind Papst!“ über den Geburtsort Benedikts XVI. in den Kinos

Um es gleich vorweg zu sagen: Mickel Rentsch ist Protestant, geht selten in die Kirche, beschäftigt sich trotzdem mit Glaubensfragen und ist „kein Papst-Fan“. Dennoch bringt der Regisseur, der 1967 in Fürstenfeldbruck geboren wurde, morgen seinen Dokumentarfilm „Wir sind Papst!“ in die – bayerischen – Kinos. Wie kommt’s?

Dass sich Rentsch überhaupt mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche und vor allem mit dessen Geburtsort Marktl am Inn auseinandergesetzt hat, sei schlicht „Zufall“ oder „eine Art Fügung“ gewesen. Denn es war sicher nicht Rentschs erster Gedanke, einen Film über Marktl zu drehen. Bis zum 19. April 2005 war der Ort nicht mehr als ein kleines Dorf am Rande Oberbayerns mit gut 2700 Einwohnern. Doch an jenem Tag wurde Joseph Ratzinger, der 1927 in Marktl geboren wurde, im Vatikan zum Papst gewählt. Und in der Folge brach eine wahre Flut von Journalisten, Gläubigen und Schaulustigen über die kleine Gemeinde herein.

Rentsch hatte sich damals gerade mit einem Spielfilmprojekt beschäftigt – und ist in die Berge gefahren, um den Kopf freizukriegen. „Aber dann kam die Papstwahl, und ich dachte mir: ,Das ist ein Wahnsinn, was in dem Ort passiert. Das schau’ ich mir mal an‘“, erzählt er. In Marktl angekommen, sei ihm sofort klar gewesen: „Hier musst du mit der Kamera sein!“

Mickel Rentsch war wenige Tage nach der Papstwahl im April 2005 bis September 2006, als Benedikt XVI. seinen Geburtsort besuchte, immer wieder zu Dreharbeiten im Ort. Er hielt die Entwicklung in Marktl fest und beobachtete die Bürger dabei, wie sie versuchten, mit dem medialen Trubel umzugehen und ihren Weg zwischen Glauben und Kommerz zu finden. So sind insgesamt 24 Stunden Material entstanden, die der Regisseur zu seiner eineinhalbstündigen Dokumentation zusammengeschnitten hat. Zunächst, erklärt Rentsch, sei er vor allem von der „Skurrilität“ der Ereignisse in Marktl angezogen worden. Aber er blicke hinter die Dinge, und so drehe sich sein Film letztlich um die Fragen „Was machen die Menschen da?“ und „Hat das was mit Christentum zu tun oder nur etwas damit, Geschäfte zu machen?“.

Wohltuend ist dabei, dass sich Rentsch in seinem Film jeglicher Kommentierung enthält. Er beobachtet den Wandel im Dorf, ohne dabei jedoch dessen Bewohner bloßzustellen – was sicher angesichts des Verkaufs von Papst-Bier, Vatikanbrot, Ratzinger-Schnitten oder Papst-Bratwurst nicht immer einfach gewesen sein dürfte. „Die Metzgerin hat davon gesprochen, dass in der Wurst Blumen drin sind. ,Und Blumen strahlen Fröhlichkeit aus – so wie der Papst‘, so hat sie das für sich definiert. Und so ist das für sie auch wirklich in Ordnung“, erklärt der Regisseur.

Seine Produktion, die Rentsch aus eigener Tasche finanziert hat, feierte bereits im vergangenen Jahr auf dem Münchner Filmfest Premiere und lief danach auf einigen anderen Festivals in Deutschland und Österreich. An eine Kino-Auswertung war zunächst nicht gedacht. Der FilmFernsehFonds Bayern unterstützt Mickel Rentsch nun finanziell dabei, seine Dokumentation von morgen an in die Kinos im Freistaat zu bringen. Der Regisseur lässt es sich nicht nehmen, selbst mit dem Publikum über den Film zu diskutieren.

In Marktl am Inn, erzählt Mickel Rentsch, hätten die Menschen bereits „durchweg positiv“ auf die Dokumentation reagiert. An einen Zuschauer erinnert er sich dabei besonders. Der hätte nach der Vorstellung zu ihm gesagt: „Das ist der ehrlichste Film, den es über Marktl gibt. Andere Filme waren entweder zu glatt und verherrlichend, oder sie haben uns nur in die Pfanne gehauen.“

von Michael Schleicher

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