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„Es ist doch gut ausgegangen für uns“: Volker Schlöndorff feiert heute seinen 70. Geburtstag.

70. Geburtstag

Mit Deutschland versöhnt

Volker Schlöndorff über die Wiedervereinigung, die Finanzkrise und sein persönliches Glück

Wenn Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff an Deutschland denkt, dann ist er „erleichtert, bei Tag und auch bei Nacht, denn es ist doch gut ausgegangen für uns“. Schlöndorff, der heute seinen 70. Geburtstag feiert, gehörte in den 60er- und 70er-Jahren zu den Nachwuchsfilmern in der Bundesrepublik, die gegen jeden übersteigerten Nationalismus Sturm liefen.

„Wir haben uns damals sehr schwer getan mit unserem Deutschsein, eben aufgrund unserer Vergangenheit“, sagt Schlöndorff. „Erst mit der Wiedervereinigung konnte man wieder unverkrampfter mit dem Wort Deutschsein umgehen und nicht mehr nur die Bundesrepublik in ihrer Enge sehen.“ Er freue sich, „dass meine 17-jährige Tochter stolz ist, Deutsche zu sein und in ihrem Internat in England ununterbrochen für Deutschland kämpft gegen heftigste Vorurteile“. Er selbst habe sich mit Deutschland ausgesöhnt – „nicht nur aus Altersgründen“.

Als Beispiel nennt Schlöndorff seine Lebenssituation im 60. Jahr der Bundesrepublik: „Ich sitze jetzt hier in Babelsberg, wo in den 20ern, 30ern die Filme entstanden sind, weswegen ich Regisseur werden wollte. Über ein halbes Jahrhundert später lebe ich an diesem Ort – ohne Grenzen und Sperranlagen.“ Schlöndorff, der aus Wiesbaden stammt, leitete nach der Wiedervereinigung einige Jahre das Filmstudio Babelsberg. Seinen weltweiten Durchbruch hatte er mit der Verfilmung des Grass-Romans „Die Blechtrommel“ erlebt. Weitere Erfolge waren „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975) und „Tod eines Handlungsreisenden“ (1984).

Die Finanzkrise betrachtet der Jubilar als große Herausforderung für die Gesellschaft. Gerade Filmemacher müssten sich immer fragen, welche Geschichten sie erzählen wollen. Diejenigen, die von der Realität ablenken oder solche, die sich damit auseinandersetzen? „Ich glaube, dass sich die Menschen in der Krise nicht ablenken lassen wollen, im Gegenteil, sie suchen nach Antworten.“ Dazu passe auch sein neues Filmprojekt. Es gehe um einen Angestellten, bei dem es im Stellenplan plötzlich heißt: „KW“ (Kann wegfallen). „Er fragt sich plötzlich, was er noch Vernünftiges aus seinem Leben machen soll. Das sind wichtige und aufregende Themen und menschliche Tragödien. Das treibt mich auch um und hinter die Kamera, für einen Film mit politischem Ansatz, keinen parteipolitischen.“

Auf sein persönliches Resümee zu 60 Jahre Deutschland angesprochen, meint Schlöndorff, der für die „Blechtrommel“ 1979 den ersten deutschen Nachkriegs-Oscar gewann: „Es ist nicht der Oscar, beruflich ist es die Goldene Palme in Cannes. Privat ist es eindeutig die Geburt einer späten Tochter. Dass mir das noch vergönnt war, ist ein großes Glück.“ Und hat er etwas versäumt? „Nein, eigentlich nicht. Natürlich hat man Fehlentscheidungen getroffen, die anderen Menschen wehgetan haben, die würde man gerne zurücknehmen.“

von Wilfried Mommert

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