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Die Theatinerkirche.

Diskussion um Farbe der Theatiner-Kirche

Die einheitliche Ocker-Soße, wie gehabt, oder eine Wiederherstellung der originalen Farbgebung des Hochbarock? Das ist die zur Entscheidung anstehende Frage zur künftigen Gestaltung der reich gegliederten Fassade der ehemaligen Theatiner-Hofkirche St. Kajetan am Münchner Odeonsplatz.

Gestiftet wurde das 1663 bis ’75 errichtete Bauwerk 1662 vom Kurfürstenpaar Ferdinand Maria und Henriette Adelaide von Savoyen anlässlich der Geburt des Erbprinzen Max Emanuel – einem gemeinsamen Gelübde folgend – als Klosterkirche für die am Hof wirkenden Theatiner. Die Pläne lieferte Agostino Barelli aus Bologna, die Ausführung übernahmen italienische Bauhandwerker, seit 1674 unter Leitung von Enrico Zuccalli aus Graubünden.

Die Kuppel zitiert die Peterskirche von Rom

Die Fassade mit ihren drei Portalen und ihrem eingezogenen Obergeschoss folgt mit ihren Pilastern, Säulen, Figurennischen, Reliefs und dem großen Allianzwappen Bayern-Sachsen (unterhalb des Giebels) vorwiegend stadtrömischen Bauformen.

Die 1688 vollendete monumentale Kuppel zitiert die Peterskirche in Rom, das von Michelangelo geschaffene Vorbild, ebenso die Mutterkirche der Theatiner, zumindest im Grundriss: S. Andrea della Valle. Die unvollendet gebliebene Fassade ließ Kurfürst Max III. Joseph seit 1765 – zumal im Mittelteil – durch François Cuvilliés d. Ä. entwerfen und von dessen gleichnamigem Sohn ausführen. Von Ignaz Günther, Roman Anton Boos und Johann Baptist Straub stammen die Skulpturen in den Nischen und die Reliefs.

Die gesamte Baulast trägt wie bei der 1955 abgeschlossenen Wiederherstellung – seit der Klosterauflösung von 1801 – der Staat. Er überließ die Nutzung schließlich einem heute kleinen Konvent der Dominikaner. Wenn es nach dem ehemaligen bayerischen Finanzminister Kurt Faltlhauser ginge, würde der inzwischen schadhafte Gelbocker-Anstrich der Theatinerkirche komplett wiederhergestellt. Er polemisierte, wo er konnte, gegen alle Versuche, die plastisch gliedernde, in den Werten von Grau, Graugrün und Graublau differenzierende Fassadenfassung des 17./18. Jahrhunderts freilegen und erneuern zu lassen.

Nach einem vorbereitenden Artikel in der Münchner „Abendzeitung“ brachte Faltlhauser in der Kabinettssitzung vom 10. Juli 2007 zur Sprache, was gar nicht in seine ministerielle Zuständigkeit fiel: das Bekenntnis zur totalen Ocker-Soße. Edmund Stoiber und der für Denkmalpflege damals zuständige Wissenschaftsminister Thomas Goppel stimmten zu. Doch es kam keineswegs zu einem Kabinettsbeschluss, wie unlängst noch Egon Johannes Greipl, der Chef des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, behauptete. Selbst in der dem Innenministerium zugeordneten Obersten Baubehörde wurde jetzt noch gemutmaßt, es sei bereits zu einer „Vorentscheidung“ zugunsten des zu erneuernden Ocker-Anstrichs gekommen, einer im 19. Jahrhundert aus Wien importierten, durchaus vergänglichen Modeerscheinung.

Faltlhauser ließ sich zitieren mit seiner Polemik auch im Fall der differenzierenden Farbgebung des Leuchtenberg-Palais, seinem damaligen Dienstsitz. Doch was um 1970 beim Schloss Nymphenburg gelang, sollte nun auch bei der Theatinerkirche praktiziert werden: eine Untersuchung der Schichten des Außenanstrichs und die Wiederherstellung der ursprünglichen, historisch richtigen, die architektonische und plastische Gliederung gestaltende Farbgebung.

Alles soll nun seinen geregelten Gang gehen – ohne Rückgriff auf eine knappe Besprechung im Ministerrat vom Juli 2007. Selbstverständlich werde das Landesamt jetzt „damit befasst werden“, sagt Ministerialrat Dieter Schütz in dem für die Theatinerkirche zuständigen Kultusministerium. Durch das Staatliche Hochbauamt als der ausführenden Behörde (mit dem Leitenden Baudirektor Kurt Bachmann) werde zwecks Untersuchung der immer wieder überstrichenen Farbschichten samt Untermalung ein Gerüst an der Fassade angebracht. Das Bauamt bereite dann für den Herbst die Haushaltsunterlage für die Beratung im Landtag vor, an der auch Minister Ludwig Spaenle beteiligt werde. Die Federführung liege bei der Regierung von Oberbayern, sagt Schütz.

An der „Feinabstimmung“ beteiligt ist als vorgesetzte Behörde des Bauamts die Oberste Baubehörde. Sie vertritt damit zugleich das übergeordnete Innenministerium. Der im Landesamt für Denkmalpflege für die praktische Behandlung der Bau- und Kunstdenkmäler zuständige Fachreferent Bernd Vollmar denkt zurück: bis in die Zeit der Niederlegung sämtlicher Gebäude und Befestigungsanlagen von der Nordostecke der Theatinerkirche und Nordwestecke der Residenz bis zur heutigen Von-der-Tann-Straße, nachdem Kronprinz Ludwig 1815 die Leitung der Arbeiten an der Stadterweiterung übernommen hatte. Sein Architekt wurde hier (bis 1827) Leo von Klenze, dem er in Paris begegnet war. Von Klenze, der sich auch bei der von ihm rekonstruierten Farbgebung des antiken Athen durchaus geirrt hatte (sein entsprechendes Gemälde hängt in der Neuen Pinakothek), stammt angeblich die Idee einer Übernahme des Wiener „Kaiser-Ocker“ nicht nur für den von ihm kreierten Klassizismus nach italienischen Renaissance-Vorbildern, sondern auch für den Hoch- und Spätbarock der Theatinerkirche.

Die ursprünglichen Farbschichten werden genau untersucht

Das Grau der Feldherrnhalle, die Klenzes Nachfolger Friedrich von Gärtner anstelle des Wirtshauses „Bauerngirgl“ und des ebenfalls abgebrochenen Schwabinger Tors 1841 bis 1844 nach dem Vorbild der Florentiner Loggia dei Lanzi errichtete, korrespondierte recht gut mit der differenzierten Plastizität des Grau-Grün und Grau-Blau der benachbarten Theatinerkirche. Eine endgültige Stellungnahme des Landesamts werde erst nach einer eingehenden Besprechung erfolgen, meint der dortige Referent Bernd Vollmar. Die endgültige Entscheidung werde dann „in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt politisch entschieden“. Hoffentlich aufgrund der sorgfältigen Untersuchungen der diversen Farbschichten durch das Bauamt und mithilfe einschlägiger historischer Kenntnisse. Auch wenn die Gewöhnung an den falschen Ocker-Anstrich populärer sein sollte.

Die nächtliche Anstrahlung der Kirche tut ein Übriges: Sie lässt das Bauwerk als eine güldene Kulisse erscheinen. Zu hoffen bleibt, dass die Ergebnisse einer möglichst seriösen, nicht im Voraus tendenziös gesteuerten Untersuchung der originalen Farbgebung dann nicht im Nachhinein für unwirksam erklärt und getilgt werden. So geschah es vor wenigen Jahren beim Inneren der Theatinerkirche. Das Institut für Bauforschung, Kunst-Technologie, Restaurierung und Denkmalpflege an der Münchner TU hatte die ursprünglich mehrfarbige, sogar bunte originale Fassung mit ihren Gliederungen und dem reichen Stuck-Dekor durchaus freigelegt. Doch es wurde alles wieder zugeweißelt wie zuvor – weil die Leute sich an diesen falschen Sakralcharakter bereits gewöhnt hätten, meinten anonym die hier Verantwortlichen. Das sollte sich nicht wiederholen.

von Reinhard Müller-Mehlis

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