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„Jetzt fährt jeder mal in Urlaub“: Florian „Flo“ Weber (re.) und Peter Brugger.

„Fan, hab’ keine Angst“

Die Sportfreunde Stiller hören auf – aber nur vorübergehend. Wie lange die Kreativpause dauert, das wollen Peter Brugger und Florian „Flo“ Weber noch nicht sagen.

Als Abschiedsgeschenk hinterlässt die Band aus Germering den Fans das rein akustisch eingespielte Album „MTV Unplugged in New York“ – die Sportfreunde sind erst die sechste deutsche Band, die von dem Musiksender eingeladen wurde. Stargast ist Udo Jürgens.

Welches ist euer liebstes MTV-Unplugged-Album?

Peter: Das legendärste ist wohl das von Nirvana – heißt übrigens genau so wie unseres. Kleiner Zufall. Kurt Cobain in seinem Janker, das war schon sehr prägend.

Flo: Ich muss aber gestehen, dass ich auch Pearl Jam sehr toll fand. Ich habe mich zu der Zeit sehr wild und aufmüpfig durch die Umwelt bewegt.

Peter: Wie fandst Du denn Olli Kahn Unplugged?

Flo: Fand ich sehr gut. Vor allem, was der da mit den Torwart-Handschuhen veranstaltet hat. Diese gummierte Darstellung der Musik.

Bei Kahn war einiges geboten. Das Dreschen gegen das Aluminium...

Flo: Das Dreschen gegen Heiko Herrlich.

Peter: Das Beißen! Da war noch Biss drin.

Flo: Die Zwick-Zange gegen Brdaric, die hat auch ’nen guten Sound gehabt.

Peter: Aber wir wollten natürlich weder Nirvana, noch Olli Kahn nacheifern. Wir wollten ein Album machen, das alle unsere Facetten zeigt. Deshalb haben wir von ganz kleinen Liedern – nur mit Gitarre und Gesang – bis hin zu durcharrangierten Songs mit 20 Mitwirkenden alles drauf.

Ihr habt Euren Stücken teilweise ein erstaunlich neues Gewand verpasst.

Peter: Ja, es gibt eine Version von „’54, ’74, ’90, 2006“ mit Drehorgel. Und es gibt ein Stück, da spielen wir Schlagzeug mit Gießkanne und Eimer. Das hat einen Trash-Faktor, der ja auch in uns drin liegt.

Ihr habt sogar Udo Jürgens rekrutiert. Wie seid Ihr auf ihn gekommen?

Flo: Es war einfacher, als es den Anschein haben könnte.

Peter: Es stand für uns fest, dass wir „Ich war noch niemals in New York“ aufnehmen wollen – weil wir wirklich noch nie drüben waren. Es hat dann wie die Faust aufs Auge gepasst, dass wir New York in den Bavaria Filmstudios nachstellen. Das Problem war nur: Udo war zum Zeitpunkt der Aufzeichnung selber auf Tour. Und so haben wir ihn im Vorfeld gefilmt und ihn in die Kulisse hineinprojiziert.

Hat er sich hinterher dazu geäußert?

Peter: Er fand’s super.

Flo: Das ist schon ein großer Moment. Endlich akzeptieren uns unsere Eltern als Musiker.

Versucht Ihr, mit dem Album vom A-Jugend-Image wegzukommen?

Peter: Nach dem Motto: jetzt mal gediegen?

Jetzt wo die ersten grauen Haare kommen.

Peter: Ich finde, es klingt gar nicht gediegen. Wir wollten nicht nach der A-Jugend die Erste Mannschaft überspringen und gleich in die Alte-Herren-Riege. Wir wollten es abwechslungsreich gestalten. Bei „Ich Roque“ zum Beispiel haben wir den Refrain von Streichern spielen lassen. Da ist ordentlich Power drin. Als die vier Damen losgelegt haben, hat’s uns die Frisuren nach hinten geweht. Man braucht kein fettes Gitarren-Brett, um Energie zu erzeugen.

Wie lange werdet Ihr pausieren?

Flo: Bis er wieder mit seinen Bandscheiben zurechtkommt (lacht). Nein, das ist jetzt tatsächlich die erste Pause seit Bestehen der Band. Die Länge ist nicht abzusehen – bis wieder Lust kommt.

Habt Ihr die verloren?

Flo: Nein. Aber wir haben bislang jedes Album terminiert – es musste dann und dann fertig sein. Und wir sind jedes Mal in die Bredouille gekommen. Unter Druck zu arbeiten, ist nicht sonderlich förderlich. Deshalb haben wir uns gedacht: Jetzt fährt jeder mal in Urlaub, macht eine Kreativitätsauffrischung. Und sobald der erste sagt: Hey, Böcke bestehen, dann wird überlegt, und wenn wir Lust haben, dann pack’ ma’s wieder.

Besteht denn die Gefahr, dass Ihr ganz aufhört?

Flo: Überhaupt nicht. So drastisch ist es nicht. Wir brauchen einfach neue Ideen.

Was macht Ihr denn im Urlaub?

Peter: Ich will die Welle meines Lebens abreiten. Am Atlantik. Ich spüre jetzt schon: Ich werde sie besiegen.

Und Du, Flo? Schreibst Du noch einen Roman?

Flo: Tatsächlich, ich schreib’ grad an meinem zweiten. Aber wann er veröffentlicht wird, kann ich noch nicht sagen. Nur so viel: Diesmal wird es sogar Tote geben. Und ich mache in Skandinavien Urlaub.

Der Fan muss also keine Angst haben?

Flo: Null! Also wirklich, das sollte die Überschrift sein: Fan, hab’ keine Angst.

Das Gespräch führte Johannes Löhr.

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