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Der Münchner Bach-Chor (Archiv 2007).

„Es ist fast schon wie das Fernsehen“

Georg Friedrich Händels Werk „Saul“ wird am Mittwoch vom
Münchener Bach-Chor aufgeführt. Der musikalische Leiter Hansjörg
Albrecht erklärt Händels spezielle Position in der Chormusik.

Händel, Haydn und Mendelssohn Bartholdy – an den drei großen Jubilaren des Jahres 2009 kommen auch der Münchener Bach-Chor und sein musikalischer Leiter Hansjörg Albrecht nicht vorbei: Felix Mendelssohn Bartholdy wird im Mai bedacht, Joseph Haydn im Oktober und Händel am kommenden Mittwoch. Anlässlich seines 250. Todestages steht im Herkulessaal sein Oratorium „Saul“ auf dem Programm.

Die Beschäftigung des Bach-Chors mit Händel hat einen wichtigen Grund. Für Albrecht hat er als „Gründungsvater des bis in die Moderne reichenden, großen englischen Chor-Wesens“ einen hohen Stellenwert. „Eine Tradition, die bei den Komponisten auf dem Festland so nicht existiert. Man hat hier auch sehr viel von England wieder abgekupfert.“

Der „Saul“ stehe, so meint Albrecht, Händels besten Opern „wahnsinnig nahe“. Der Chef kennt die Partitur gut, hat er doch das Werk bereits mit dem Hamburger Carl Philipp Emanuel Bach Chor erarbeitet, dessen erster Gastdirigent er ist. „Saul“, basierend auf den Büchern Samuel aus dem Alten Testament sowie auf einem unvollendeten englischen Epos über das Leben Davids, hat fast schon Opernformat. An der Bayerischen Staatsoper München wurde das Oratorium bekanntlich von Christof Loy in Szene gesetzt.

Verglichen etwa mit Händels „Israel in Egypt“ hat der Chor zwar hier nicht so viel zu singen. „Aber es sind sehr ausgefallene Stellen, die ihn fordern“, sagt Hansjörg Albrecht. „Immer an den Kombinationspunkten.“ Trotz der großen Händel-Renaissance bleibe er aber dabei: „Manche Händel-Stücke haben im Gegensatz zu Bach Längen und wirkliche Schwächen. Auch Händel hat ja die Musik für die jeweiligen Aufführungsbedingungen eingerichtet. Also hab ich um etwa eine halbe Stunde gekürzt. Wir sind alle keine Muttersprachler, und ich halte nichts davon, dass man im Konzert mit dem Programmheft dasitzt und versucht, jedes Wort nachzuvollziehen. Denn Witz und die Tragik der Rezitative versteht man fast nur als Muttersprachler.“

Trotz Kürzungen darf man sich auf zweieinhalb Stunden Musik freuen. Hansjörg Albrecht dirigiert, wie er das gerne macht, in alter barocker Manier vom Cembalo aus. Die Orgel, die hier nicht nur als Continuo, sondern auch als Solo-Instrument eingesetzt wird, überlässt er Peter Kofler. Händel ließ für die Aufführung seinerzeit extra ein komplett neues Orgelwerk bauen. „Das Bach-Collegium spielt ja auf modernen Instrumenten, also haben wir uns entschlossen, die große Orgel im Herkulessaal zu verwenden, um einen brillanten Klang zu bekommen“, erklärt Albrecht.

Interessant ist die von Händel vorgeschriebene Instrumentierung unter anderem mit einer großer Kesselpauke, einem Glockenspiel und drei Posaunen, die Albrecht sehr apart findet: „So etwas kennt man von anderen Händel-Oratorien so nicht. Und er war sehr clever darin, das Publikum bei der Stange zu halten. An Stellen, wo die Handlung umkippt, wenn es beispielsweise zu viel des Lamentierens ist, machte er einen Schnitt, setzte eine Sinfonia ein, und dann ging es im nächsten Bild weiter. Es ist fast schon wie das moderne Fernsehen.“

Bei der Münchner „Saul“-Aufführung wird es übrigens nicht bleiben: Bach-Chor und Albrecht reisen mit dem Händel-Opus am 31. Juli nach Brixen zu einem Gastspiel im dortigen Dom.

Konzert am 18.3.

Beginn: 19.30 Uhr; Einführung mit Mitwirkenden 18.30 Uhr; Karten: Tel. 0800/ 545 44 55.

von Dorothea Husslein

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