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Selbstbewusste Demonstration eines kulturell interessierten Fürstengeschlechts: Schloss Esterházy, noch heute der Mittelpunkt von Eisenstadt im Burgenland.

Zum 200. Todestag von Joseph Haydn

Leichtes Beben unterm Musentempel

Wer private Gönner hat wie Joseph Haydn seine Esterházys, der kann sich fast sorgenfrei der Kunst widmen. Anlässlich von Haydns Todestag, der sich am Sonntag zum 200. Mal jährt, fragten wir: Und wie ist es um das Kultursponsoring in der gegenwärtigen Krise bestellt?

Alarm möchte er nicht schlagen, lieber spricht er von einer „Delle“ und einer Situation, die „ein Stück weit eingetrübt ist“. Doch wenn Maurice Lausberg seine Prognosen in Zahlen fasst, dürfte es den Kultur-Institutionen ganz anders werden: „Um 20 bis 40 Prozent“, so schätzt er, könnte das Engagement der privaten Sponsoren bis zum nächsten Jahr einbrechen. Lausberg ist Geschäftsführer der actori GmbH, die unter anderem die Bayerische Staatsoper, die Dresdner Semperoper oder die Deutsche Staatsoper Berlin in Sachen private Geldgeber berät. Und diese Gespräche werden schwieriger: „Die Rechtfertigungspflicht für Sponsoring nimmt zu“, formuliert es Lausberg. Wobei er dafür plädiert, die Firmengelder richtig einzuordnen: An den jährlich rund acht Milliarden Euro für die deutsche Kultur sind Sponsoren mit nur fünf Prozent beteiligt.

Opern bauen auf langfristige Verträge

Trotz des Konjunktureinbruchs können sich aber die Supertanker der Kulturszene in – relativer – Sicherheit wiegen. Ob Bayerische Staatsoper oder Semperoper: Diese Häuser bauen auf langfristige Sponsoren-Verträge. Zumal hier Musentempel unterstützt werden, in deren Glanz sich die Geldgeber ganz gern sonnen. „Es handelt sich um eine Partnerschaft auf Augenhöhe“, wie sich Thomas Girst von der BMW-Kulturkommunikation ausdrückt.

Seit 1979 engagiert sich der Autobauer im Musikbereich. Dazu wurde in München unter anderem der Verein Spielmotor mitgegründet, zudem entstand in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsoper das Projekt „Oper für alle“, das alljährlich Tausende auf den Max-Josephs- oder Marstall-Platz lockt. Pro Jahr gibt BMW laut Girst „einen höheren einstelligen Millionenbetrag“ für die Kultur aus. In dieser düsteren Wirtschaftslage sei der nicht weniger geworden, müsse aber mit dem Zusatz „derzeit“ versehen werden.

Ähnliches ist von der Stadtsparkasse München zu hören. Nach Auskunft des Vorstandsvorsitzenden Harald Strötgen hat die Kulturstiftung seines Hauses im vergangenen Jahr 240 Projekte mit insgesamt 4,8 Millionen Euro unterstützt. Dank der „soliden Geschäftsstrategie“ könne man das Sponsoring „annähernd stabil“ halten.

Und auch bei Audi , einem weiteren Großsponsor, gibt man sich verhalten optimistisch: „Die bestehenden Partnerschaften können wir alle fortführen“, sagt Sebastian Wieser von der Abteilung Kultur-Kommunikation. Im Unterschied zu anderen Unternehmen tritt Audi mit den Ingolstädter Sommerkonzerten sogar selbst als Veranstalter auf – und will das Festival in unverändertem Umfang erhalten. Für alle Engagements, so Wieser, gebe es aber eine „strengere Budgetierung“, weshalb man „nicht sehr viele neue Projekte“ mit ins Boot nehmen könne.

Und damit wäre genau das Problem im derzeitigen Kultursponsoring berührt: Wer in der Krise leer ausgeht, das sind die kleineren Konzerte, Theaterprojekte oder Festivals. Jene Veranstalter , die von der öffentlichen Hand kaum unterstützt werden. Jene so notwendigen Pflänzchen, die im Schatten der kulturellen Mammutbäumen leben. Ungefähr 3000 Anfragen pro Jahr erhält zum Beispiel BMW, berichtet Thomas Girst. Tendenz steigend – wie auch Harald Strötgen von der Stadtsparkasse bestätigt. „Kurzfristig“ sei da nichts zu machen, bedauert Girst. Was bedeutet: Während es unterm Musentempel nur leicht bebt, trifft die Krise Klein-Veranstalter mit voller Wucht.

Mehr Geld für die Nachwuchsarbeit

„Die großen Leuchttürme haben es eben leichter“, meint Maurice Lausberg von actori. Seine Beratungsfirma setzt derzeit alles daran, bisherige Sponsoren zu erhalten und gegebenenfalls den Wegfall von Spenden durch Gewinnung neuer Unternehmen zu kompensieren. Vor dem Hintergrund der Krise zeichnet sich dabei ein verändertes Sponsoren-Verhalten ab. Denn interessant und zukunftsträchtig ist für manche Firmen nicht unbedingt die Glamour-Premiere mit Netrebko & Co., sondern ein anderer Schwerpunkt: der Kinder- und Jugendbereich, im Falle der Bayerischen Staatsoper etwa auch das Opernstudio.

Überhaupt ist die Bayerische Staatsoper mit ihrem nach Beiträgen gestuften Sponsoren-System vom „Spielzeitpartner“ über den „Premium Circle“ bis zum „Classic Circle“ ein Modellfall. Seit 2001 gibt es dieses Programm – seit einer Zeit also, als die Wirtschaft noch prosperierte und dementsprechend viel Geld Richtung Max-Joseph-Platz fließen konnte. Inzwischen sei aber, so Lausberg, „ein gigantischer Wettbewerb“ um private Gelder entstanden.

Und wie wohl das Sponsoren-System nach der Krise aussieht? Gut möglich, dass die Hauptakteure gewechselt haben. Denn wer wie die Autobauer ums Überleben bangt, hat keinen Nerv mehr für die Kultur. „Wem es noch sehr gut geht, das ist zum Beispiel die Pharma-Branche“, sagt Lausberg. Ein Boehringer-Festival oder eine Nivea-Premiere klingt demnach gar nicht mehr nach Zukunftsmusik.

Markus Thiel

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